Autorenherbst

Moderatorin Bärbel Schäfer liest aus Auschwitz-Buch

Hat viele Fragen, lässt selber aber auch viele unbeantwortet: Bärbel Schäfer konzentriert sich bei ihrer Lesung in Menden voll auf ihr Buch.

Foto: Alexander Lück

Hat viele Fragen, lässt selber aber auch viele unbeantwortet: Bärbel Schäfer konzentriert sich bei ihrer Lesung in Menden voll auf ihr Buch. Foto: Alexander Lück

Menden.   Ex-Talkshow-Moderatorin Bärbel Schäfer liest in Menden. Buch über ihre Begegnungen mit einer Holocaust-Überlebenden.

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Mit einem berührenden Buch über ihre Begegnungen mit einer befreundeten Auschwitz-Überlebenden war Bärbel Schäfer am Montagabend in den Alten Ratssaal gekommen. Für einen Austausch mit der Moderatorin und Autorin blieb leider kein Platz mehr.

Etwas mehr als eine Stunde hatte Bärbel Schäfer vorgelesen aus dem kürzlich erschienenen Buch „Meine Nachmittage mit Eva – Über ein Leben nach Auschwitz“. Darin schildert die TV-Moderatorin, Fernsehproduzentin und Autorin, ihre jeden Mittwoch in Frankfurt stattfindenden Begegnungen in der Wohnung der 85-jährigen Eva Szepesi. Mit gerade mal elf Jahren musste Szepesi alleine aus ihrer Budapester Heimat vor den Nazis fliehen.

Traumatische Erfahrungen

Das Konzentrationslager in Auschwitz überlebte sie, brauchte aber gut 50 Jahre, um über ihre traumatischen Erfahrungen endlich sprechen zu können. Ihre Familie sah sie nie wieder. „Ich war so voller Schmerz, dass ich keine Schmerzen mehr gespürt, keine Tränen zum Weinen mehr in mir hatte. Und ich habe niemandem ein Wort erzählt von meinen Erlebnissen“, hat Schäfer die Worte der alten Dame aufgeschrieben.

Gebannt und berührt lauschten 60 Zuhörer am Montagabend im Alten Ratssaal den Schilderungen. Die Kapitel sprangen zwischen Erzählungen vom Auschwitz-Horror in klirrender Kälte, wobei Handschuhe ein undenkbarer Luxus waren, und Schäfers eigenen Reflexionen und Überlegungen, ob nicht auch aus ihrer Familie jemand zu den Tätern oder zumindest schweigenden Mitwissern gehörte. Schäfer gestand: „Ich habe ganz viele Fragen. Aber ich habe auch Angst vor den Antworten.“

Aprikosensommertage

Bärbel Schäfer ist mit dem jüdischen Publizisten, Moderator und Politiker Michel Friedman verheiratet, konvertierte vor der Hochzeit selber zum Judentum.

Das Buch über ihre Begegnungen mit Eva Szepesi, gute 30 Jahre älter als Schäfer, hat sie in einer äußerst lebendigen und bildreichen Sprache geschrieben, die das geschilderte Grauen nur noch nahegehender werden lassen. Tage in glücklicher, teilweise nur noch erträumter und nicht mehr erlebter Kindheit schildert Schäfer als „Aprikosensommertage“ oder „Hasenstreichel-Tage.“ Am Tisch der Familie wurde über die Vergangenheit nicht geredet.

Offen ließ Schäfer in ihrer Lesung auch, ob Eva nach der Rückkehr aus Auschwitz ins heimatliche Budapest von irgendjemanden aus ihrer Familie, einem weiteren Überlebenden, in Empfang genommen wurde.

Bärbel Schäfer hatte sich bei der Lesung fast ausschließlich auf ihr Buch konzentriert, statt einleitender Worte in die Kapitel ließ sie ihren Text sprechen. Manch ein Zuhörer hätte vielleicht auch noch eine Nachfrage gehabt, aber dafür blieb im Anschluss kein Platz mehr.

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