Weltkrieg

Möhne-Katastrophe suchte Menden heim

Nach der Möhnekatastrophe: In Halingen suchen Frauen ihren Hausrat zusammen.

Foto: Motorbuch Verlag

Nach der Möhnekatastrophe: In Halingen suchen Frauen ihren Hausrat zusammen. Foto: Motorbuch Verlag

Menden/Fröndenberg.   Der Tod kam in der Nacht – und er kam durch Fluten in der Ruhr.

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Es war die Nacht, in der die Ruhr den Tod brachte, auch nach Menden, auch nach Fröndenberg. Noch mehr Tod in den fürchterlichen Kriegsjahren. Mit der „Operation Chastise“ der Royal Air Force gelang den Alliierten vor 75 Jahren die Sprengung der Möhnesee-Sperrmauer. Die Folgen der Flutwelle für die Städte an der Ruhr waren verheerend: 17 Menschen kamen in Menden in der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943 ums Leben, 34 Todesopfer gab es in Fröndenberg. Zahlreiche Gebäude wurden in beiden Städten zerstört.

Die Flut erreichte die Menschen in Menden und Fröndenberg etwa um 3 Uhr in den Nachtstunden des 17. Mai. Mit schier unvorstellbarer Gewalt hatten 130 Millionen Kubikmeter Wasser zuvor im Ruhrtal in Neheim und Wickede gewütet.

Weithin sei im heimischen Raum aus Richtung Wickede das Brausen des Wassers zu hören gewesen, berichteten Zeitzeugen. Sogar eine Warnung konnte noch rechtzeitig erfolgen: Es gab Alarm durch Feuersirenen. Doch kaum jemand dachte wohl daran, dass Lebensgefahr für so viele Menschen tatsächlich vom Wasser der Möhnetalsperre ausging: Eine fast vier Meter hohe Flutwelle ergoss sich über Teile des Mendener und Fröndenberger Stadtgebietes. Und damit hatte das Grauen noch kein Ende: Selbst noch in Schwerte riss das Hochwasser ahnungslose Menschen in den Tod.

Kinder und Kriegsgefangene starben

Mehrere Historiker und Heimatkundler haben dem Angriff der britischen Bomber auf die Möhnetalsperre und den furchtbaren Folgen Bücher gewidmet. Die Gesamtzahl der Opfer wird mit mehr als 1200 angegeben. Doch gibt es letztlich keine ganz genauen Zahlen dazu, wie viele Menschen im heimischen Raum wirklich ums Leben kamen.

Wobei es ohnehin die Schicksale hinter den Zahlen sind, die bis heute schaudern lassen. Vor fünf Jahren, zum 70. Jahrestag der Katastrophe, beschrieb Claus-Peter Levermann in der WP das Sterben einer ganzen Familie in Halingen. Nur der Vater, ein Bauer, überlebte demnach, weil ihn die Flut auf eine Buche hob, in der er sich und sein Leben festkrallen konnte, während unter ihm seine Frau und seine Kinder ertranken.

In Fröndenberg gibt es eine Gedenkstätte auf dem Alten Friedhof. Dort sagte Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe 2013: „Wir sollten innehalten. Von manchen Opfern fehlt bis heute jede Spur. Alleine die Nähe zum Wasser und mancher Zufall bestimmte darüber, wer in dieser Nacht überlebte – und wer starb.“

Stadtarchivar Jochen von Nathusius verlas damals die Namen der Fröndenberger Opfer, darunter viele Kinder. Er erinnerte auch daran, dass etwa 20 sowjetrussische Kriegsgefangene aus einem Reichsbahn-Lager zwischen dem Bahnhof und dem Klärwerk in den Ruhrwiesen starben. Zwölf französische Kriegsgefangene aus einer benachbarten Baracke erlitten dasselbe Schicksal.

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