Heimische Wirtschaft

NCB Lohmann investiert 9,5 Millionen Euro in sein Werk

Steht vor der Erweiterung: das Werk II in Lendringsen auf dem ehemaligen Eisenwerk-Gelände.

Steht vor der Erweiterung: das Werk II in Lendringsen auf dem ehemaligen Eisenwerk-Gelände.

Foto: privat

Menden.   Weltmarktführer von Getrieben für Windräder setzt auf das Können des Mendener Herstellers. Gigantische Maschine wird benötigt.

„Das ist eine tolle Entwicklung“, sagt Wolfgang Lohmann. Der Geschäftsführer von NCB Lohmann hat in Verhandlungen in den letzten Monaten erreicht, dass der Weltmarktführer von Offshore-Getrieben für Windräder auf das Können und Knowhow des Mendener Herstellers setzt. Damit steigt NCB laut Lohmann jetzt in die Fertigung von Großkomponenten für Offshore-Windturbinen ein. Deren neueste Generation werde in Parks im Küstenvorfeld der Meere errichtet. 9,5 Millionen Euro investiert das heimische Unternehmen dafür in sein Werk II auf dem ehemaligen Eisenwerk-Gelände in Lendringsen – auch in ein neues Gebäude. Denn gebraucht wird im nächsten Jahr eine Riesen-Maschine, eine kleinere kommt in Kürze in die vorhandene Halle. Die Erweiterung erfolgt dann auf dem Gelände neben der heutigen Produktion. Der alte Reitstall, der dort steht, muss dafür weichen.

Logistische Herausforderung

„Wir sind sehr stolz, dass wir einen absoluten Weltmarktführer im Getriebebau der sogenannten Multimegawatt-Klasse für unser Projekt gewinnen konnten“, erklärt Lohmann. Die neuen Komponenten übertreffen die jetzigen Ausmaße bei weitem: Die Komponenten, die NCB künftig ausliefert, sind jeweils bis zu 15 Tonnen schwer und haben einen Durchmesser von mehr als fünf Metern. Pro Jahr sollen bis zu 180 dieser Komponenten nach kurzer technischer Einlaufphase das Werk in Lendringsen verlassen.

Das sei zum einen eine logistische Herausforderung, denn an nahezu jedem Abend werde ein Schwertransport losgeschickt, der erst nach 22 Uhr losrollen darf. Und: Um die damit verbundenen Anforderungen an die Verkehrs-Infrastruktur in Menden zu klären, würden bereits Gespräche mit der Stadtverwaltung geführt. Doch soviel ist laut Lohmann sicher: „Unsere Investition vor zehn Jahren in das weitläufige Gelände des alten Eisenwerks Rödinghausen war goldrichtig.“

Jede der neuen Komponenten ist so groß wie eine Doppelgarage. Die reine Bearbeitungszeit auf den CNC-Werkzeugmaschinen von bis zu 22 Stunden ziehe sich über drei volle Schichten. „Die technische Komplexität macht die Anschaffung der Sondermaschine von riesigen Ausmaßen erforderlich.“

Die fanden Lohmanns Sohn Felix, der in seiner studienfreien Zeit seit zwei Jahren im Unternehmen tätig ist, und Konstruktionsleiter Patrick Becker auf einem Kurztrip: Sie fuhren in ein eigens für Windkraftkomponenten spezialisiertes Forschungszentrum der Firma Bimatec Soraluce in Nordspanien.

Maschine wiegt 100 Tonnen

Der Gigant, der jetzt eigens für NCB konstruiert und gefertigt wird, ist gut 100 Tonnen schwer, 17 Meter lang, acht Meter breit und hoch. Das neue CNC-Bearbeitungszentrum wird voraussichtlich im dritten Quartal im Werk II angeliefert. Lohmann: „Spätestens Anfang 2019 werden wir mit dem Neubau einer Halle samt klimatisiertem Messraum für die Offshore-Komponenten beginnen – und damit die zweite Phase des Projektes einleiten.“ Nach und nach würden auch weitere Mitarbeiter, vorrangig Zerspanungsmechaniker, eingestellt werden müssen, um die dauernde Drei-Schicht-Belastung zu bewältigen.

Nach einem schwierigen Jahr 2017, das laut Lohmann „vor allem aufgrund der politischen Achterbahnfahrt“ die Windkraftkunden der NCB Wind GmbH zu Auftragsverschiebungen zwang, seien die Auftragsbücher für die Folgejahre prall gefüllt: „Der Auftragsbestand liegt schon jetzt um 40 Prozent über dem Vorjahr.“ Derzeit verließen Werkstücke zur Ausrüstung von bis zu 200 Windturbinen pro Monat das Werk – „Tendenz steigend.“

INFOBOX: Bis zum Jahresende soll es 20 neue Arbeitsplätze geben

Im Mai 1993 gründete Wolfgang Lohmann die heutige NCB Lohmann Gmb.

Mit 18 Mitarbeitern und einer Halle, heute ein Bestandteil des Werks 1, startete er den Aufbau zu einem Marktführer für Antriebskomponenten – in der Bahntechnik und für Windkraftanlagen.

Das 25-jährige Jubiläum soll im Rahmen der Maschinen-Einweihung als Fest für Mitarbeiter und Freunde gefeiert werden.

NCB will bis zum Jahresende noch etwa 20 Mitarbeiter einstellen. Gesucht werden vor Zerspanungsmechaniker/-innen und Produktionshelfer/innen.

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