Kirche

Unzufriedenheit mit der Kirche: Pfarrer legt Amt nieder

Pfarrer Norbert Wohlgemuth hat beim Erzbistum Paderborn um seine Suspendierung vom Priesteramt gebeten.

Pfarrer Norbert Wohlgemuth hat beim Erzbistum Paderborn um seine Suspendierung vom Priesteramt gebeten.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Fröndenberg.  Pfarrer Wohlgemuth legt sein Priesteramt nieder. Er kritisiert unter anderem das verpflichtende Zölibat als „überholt und krankmachend“.

Paukenschlag für die katholischen Christen in Fröndenberg: Pfarrer Norbert Wohlgemuth verlässt nicht nur mit sofortiger Wirkung den Pastoralverbund. Er ist auch vom Priesteramt zurückgetreten. Als Grund nannte er seine große Unzufriedenheit mit der Situation in der Kirche.

Am Sonntagvormittag wurde in der Marienkirche ein festlicher Gottesdienst gefeiert, um Pastor Georg Toborek zu verabschieden, der vor kurzem sein goldenes Priesterjubiläum feierte, nun aber die Gemeinde aus gesundheitlichen Gründen verlässt. „Ein bescheidener Seelsorger und vor allem ein Priester mit Herz“, nannte Norbert Wohlgemuth den scheidenden, 73 Jahre alten Georg Toborek. Die Reaktion der Gemeinde, ausgiebige, in der Kirche doch eher seltene Standing Ovations, zeigten, dass er vielen damit wohl aus dem Herzen gesprochen hatte.

Norbert Wohlgemuth: Letzter Gottesdienst als Priester

Kurz vor Ende des Gottesdienstes bat Pfarrer Norbert Wohlgemuth, der Chef des Pastoralverbundes, die Menschen, sich zu setzen. Und ließ die Bombe platzen: Er, Wohlgemuth, werde nicht nur mit sofortiger Wirkung die Gemeinde in der Ruhrstadt verlassen. Das sei auch sein letzter Gottesdienst als Priester gewesen. Damit hatte niemand gerechnet, einige der Gottesdienstbesucher hatten Tränen in den Augen.

Anfang der Woche hatte Norbert Wohlgemuth beim Erzbistum Paderborn um seine Suspendierung vom Priesteramt gebeten, darüber aber bis zum Sonntag noch Stillschweigen bewahrt. Auch, damit die Verabschiedung des Mitbruders Toborek ihren würdigen Rahmen bekomme. Selbst die hauptamtlichen Mitarbeiter und Seelsorger wurden davon am Sonntag überrascht. Zu den Gründen für diesen radikalen Schritt sagte der Seelsorger, dass er sich nicht mehr in der Lage sehe, diesen Dienst auszuüben.

Keine Antworten auf Scheitern von Lebensplanungen

Die Entfernung der Kirche und ihrer Lehren von der Lebenswirklichkeit der Menschen belaste ihn schwer. Die Antworten, die die Institution Kirche auf die Probleme der Menschen, zum Beispiel auch auf ein Scheitern von Lebensplanungen wie einer Ehe, finde, seien entweder gar nicht vorhanden oder völlig unzureichend.

Stattdessen gebe es ein Festhalten an Dogmen und Lehrmeinungen. Die immer noch untergeordnete Rolle der Frauen in der katholischen Kirche, ein fast vollständiges Ausbremsen jeden Fortschritts, zu wenige Anstrengungen für die Ökumene, eine Fokussierung der Amtsträger auf Hierarchie und Macht statt auf die Sorgen und Wünsche der Gläubigen, kritisierte Wohlgemuth in der Erklärung ebenso scharf wie das verpflichtende Zölibat. „Ich halte das Zölibat für überholt, machtbegründet, menschenunwürdig und krankmachend. Und für einen zu tiefen Eingriff in das Intimleben eines Priesters.“

„In den Augen der Oberen bin ich kein guter Priester"

Seine abweichenden Meinungen von Teilen der katholischen Lehre hatte der Seelsorger nicht nur in dieser Erklärung seines Rücktritts, sondern auch immer wieder schon in Predigten oder im persönlichen Austausch deutlich gemacht.

Dass das nicht überall gut ankommt, kann da nicht überraschen. „In den Augen der Oberen bin ich kein guter Priester", sagte Wohlgemuth an die Gemeinde gerichtet. Der er auch für schöne zweieinhalb Jahre des gemeinsamen Glaubenslebens in Fröndenberg dankte. „Ich war sehr gerne bei Euch in Frödenberg. Hier sind Freundschaften entstanden, die jetzt hoffentlich nicht abreißen werden“, so Wohlgemuth. Um dann noch einmal etwas allgemeiner zu werden. „Ich liebe diese Kirche und alle Menschen, die sie bilden. Sie ist mir Heimat.“ Aber so wie bisher gehe es für ihn nicht weiter.

Wunsch nach Auszeit

Den Wunsch von Wohlgemuth, statt dieses endgültigen Schritts zunächst eine Auszeit anzutreten, habe das Bistum trotz zunächst einer mündlichen Zusage schließlich doch nicht gestattet. Damit steht der Pastoralverbund nun von zuletzt drei auf einen Schlag mit nur einem Seelsorger da: Pastor Heinrich Stangorra.

Kommissarisch wird nun Paul Mandelkow, Pfarrer und Dechant in Unna, von der Kreisstadt aus die Leitung des Pastoralverbundes übernehmen. Laut Wohlgemuth hat das Bistum Paderborn zugesagt, die nun freie Stelle in Fröndenberg wieder zu besetzen. Viele weitere Dinge werden sich erst in den nächsten Tagen klären lassen.

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