SPD-Antrag

Platzmangel: Mendener Politiker wollen jetzt Container-Kita

Was sich als „Container-Kita“ eher ungemütlich anhört, kann tatsächlich ein wunderbarer Kindergarten sein, betonten die SPD-Vertreter im Ausschuss. Auch Personal sei dafür verfügbar. Foto: Markus van Offern

Was sich als „Container-Kita“ eher ungemütlich anhört, kann tatsächlich ein wunderbarer Kindergarten sein, betonten die SPD-Vertreter im Ausschuss. Auch Personal sei dafür verfügbar. Foto: Markus van Offern

Menden.   Nach den großen Problemen mit einer zweiten Waldkita: SPD beantragt Umschwenken auf Module, um noch 2019 den Platzmangel zu beheben.

Die Errichtung eines Kita-Moduls soll den Mangel an Kindergartenplätzen kurzfristig beheben. Das ist nach einer Marathon-Sitzung und einem SPD-Antrag vom Mittwochabend jetzt die Zielrichtung der Politiker im Ausschuss für Kinder- und Jugendhilfe. Die Sofortmaßnahme soll den zuletzt noch beschlossenen Waldkindergarten an der Leitmecke ersetzen.

Der war zunächst als rasche und günstige Lösung ins Auge gefasst worden. Doch inzwischen hat sich gezeigt, dass er weder billig noch schnell zu haben sei, sagte Mirko Kruschinski (SPD). Attraktive Container könnten dagegen binnen sechs Wochen geliefert sein, und die Kita Hegemann GmbH habe ihm gegenüber sogar Mendener Personal dafür avisiert. In einer Sondersitzung soll in Kürze eine Lösung beschlossen werden.

Zwei neue Großtagespflegestellen

Diese Sitzung sollte ursprünglich schon binnen zehn Tagen stattfinden. Doch bis dahin werde es noch keine ausreichenden Informationen zur Machbarkeit geben, erklärte Sebastian Arlt, Erster Betriebsleiter des Immobilienservices der Stadt (ISM) als der ausführenden Stelle. Auch Containerkitas bräuchten Genehmigungen, ob für Aufbau oder pädagogische Konzeption. Die Sitzung soll nun stattfinden, sobald Jugendamt und ISM aussagefähige Beschlussvorlagen liefern können.

Laut Bedarfsplan vom Jahresanfang fehlten Plätze für 72 Kinder. Das berichtete auch die WP, nachdem die Verwaltung diese Zahl bestätigt hatte. Tatsächlich stehen aktuell zwölf Kinder auf der Warteliste, hinzu kommen acht unversorgte aus der Brückenkita für Flüchtlinge in der Wunne. „Bedarfsplan und Warteliste sind nicht dasselbe, weil auf die Liste nur angemeldete Kinder kommen, die jetzt noch einen Platz suchen“, erklärte auf Nachfrage Jugendamtsleiter Christian-Peter Goebels die Differenz.

Eltern: „Schlamassel war lange bekannt“

Denn Eltern, die ihre Wunsch-Kita nicht bekommen, zögen mitunter für ein Jahr zurück. Noch 2019 soll eine neue Großtagespflegestellen für neun Kinder an den Start gehen, eine zweite spätestens nächstes Jahr. Zugleich gebe es frei gewordene Plätze in Kitas und Tagespflegestellen. Die Zahlen änderten sich täglich. Zudem sei die Lage in Großstädten wie Hagen, wo 800 Plätze fehlten, viel schlimmer, erklärte Goebels.

Beruhigen konnte er Politiker und Elternvertreter damit nicht: Sehenden Auges sei man in den Platzmangel geschlittert, kritisierte Elternsprecherin Julia Prowe einen „Schlamassel, der lange bekannt war. Und jede Familie in Menden, in der jetzt eine Mutter nicht arbeiten gehen kann, ist eine zu viel!“

SPD: „Schon zwei Kitas vor die Wand gefahren!“

Mendener Eltern nützten auch Zahlen aus Hagen nichts, kritisierte Jenni Gröhlich für den Integrationsrat. SPD-Mann Kruschinski nannte es unfassbar, dass die Stadt mit der Vincenz-Kita und dem Waldkindergarten „in zwei Jahren zwei Kita-Neubauten vor die Wand gefahren“ habe. Die Plätze fehlten.

Angesichts seiner Kontaktaufnahme zu Modul-Lieferanten und zur Kita Hegemann ergänzte Kruschinski, es könne „auch nicht sein, dass der Ausschuss die Arbeit der Verwaltung macht“. Das ließ Goebels nicht auf sich sitzen: „Die Situation ist mit dem unerwarteten Babyboom und steigenden Zuwandererzahlen ist vor verhältnismäßig kurzer Zeit entstanden. Und man kann nicht beliebig viele Kitas aus dem Boden stampfen!“

Zum Kita-Jahr 2020/21 werde man mit der Kötterbredde und der Hegemann-Kita am Hofeskamp zwei große neue Einrichtungen am Start haben. Auch dank der neuen Großtagespflegen, sagte Goebels, sollte Platzmangel in Kindergärten danach kein Thema mehr sein.

>>> Bald sieben Großtagespflegen <<<

Die im Kinder- und Jugendhilfeausschuss angekündigten neuen Großtagespflegestellen (zwei Erziehungskräfte für neun Kinder) sollen in der Innenstadt und am Papenbusch liegen. Das erklärte Nadine Huckschlag für das Rathaus-Team Tagesbetreuung auf Nachfrage der WP. Eine gehe in jedem Fall noch 2019 an den Start, möglicherweise auch beide. Die Kontaktdaten würden jeweils bekanntgemacht, wenn die Einrichtungen an den Standorten eingezogen sind.

In Menden gibt es bisher fünf Großtagespflegen: zwei in Lendringsen, eine in Hüingsen, eine auf der Platte Heide, eine in der Stadtmitte. „Ohne sie wären unsere Probleme bedeutend größer“, sagt Jugendamtsleiter Christian-Peter Goebels.

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