Gericht

Postbote wegen Hehlerei zur Bewährungsstrafe verurteilt

Mehrere bestellte Handys im Wert von 2700 Euro verschwanden auf

Foto: Oliver Berg/dpa

Mehrere bestellte Handys im Wert von 2700 Euro verschwanden auf Foto: Oliver Berg/dpa

Menden.   Mehrere Mobiltelefone erreichen nicht ihren Adressaten. Zusteller will Geräte nicht gestohlen, sondern „nur“ verkauft haben. Bewährungsstrafe.

Aus dem Mendener Briefverteilzentrum der Deutschen Post sind in den vergangenen Jahren immer wieder Päckchen mit Smartphones verschwunden (WP berichtete). Ein 51-jähriger Paket-Zusteller wurde gestern am Mendener Amtsgericht wegen Hehlerei zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt.

Bei der Verhandlung vor Gericht gab der 51-Jährige zu, einen Teil der Mobiltelefone verkauft zu haben. Gestohlen haben soll sie aber ein Arbeitskollege, dessen Namen er in der Verhandlung aber nicht nennen wollte. Der eigentliche Dieb könnte also dort noch arbeiten.

Die Staatsanwaltschaft hatte neun Fälle zwischen März 2016 und Januar 2017 angeklagt, in denen der Postmitarbeiter aus Ense Smartphones aus Päckchen gestohlen und anschließend im Internet verkauft haben soll.

Teilgeständnis

Nachdem der Beschuldigte zu Beginn der Verhandlung noch geschwiegen hatte, sprach er nach der Vernehmung der ersten beiden Zeugen doch. Er gab zu, acht Smartphones zu Preisen zwischen circa 100 und 500 Euro das Stück verkauft zu haben. „Aber geklaut habe ich sie nicht. Ein Arbeitskollege hat sie mir gegeben“, so der Zusteller. Den Namen seines Lieferanten wollte der 51Jährige nicht nennen. „Es waren aber noch mehr Leute beteiligt. Ob es jetzt immer noch so läuft, weiß ich nicht.“

Der langjährige Postmitarbeiter hat seinen Job verloren, vor dem Arbeitsgericht einigte er sich mit dem ehemaligen Arbeitgeber im März auf einen Auflösungsvertrag.

Was ihn zu den Taten verleitet habe, konnte er vor Gericht nicht wirklich erklären: „Es wurde mir vielleicht zu einfach gemacht.“ Insgesamt nahm er Handys im Wert von circa 2700 Euro an sich. Da er sie aber auch dem eigentlich Dieb abkaufen musste, fiel sein Gewinn deutlich niedriger aus.

Kontoauszüge verraten 51-Jährigen

Überführt wurde der 51-Jährige letztlich auch durch seine Kontoauszüge mit den entsprechenden Gutschriften der Verkaufsportale. Da der Angeklagte nicht vorbestraft war und durch den Jobverlust eine schwere Sanktion erhalten hatte, sahen Staatsanwaltschaft und Gericht die Voraussetzungen für eine Bewährung gegeben. Das Urteil: Ein Jahr und vier Monate.

Damit sind die Fälle der Smartphonediebstähle in dem Mendener Postzentrum aber nicht alle aufgeklärt. Die Zahl abhanden gekommener Pakete ist weit höher als die hier verurteilten Fälle. Wenn die Aussage des Angeklagten stimmt, arbeiten ein oder mehrere in die Diebstähle involvierte Mitarbeiter womöglich immer noch dort. Die Staatsanwaltschaft wird wohl weitere Ermittlungen aufnehmen.

Postbote bringt Köder in Umlauf

Seit 2014 sind aus dem Mendener Verteilzentrum wesentlich mehr Pakete mit Handys verschwunden als im Fall angeklagt.

Die Post stellt in solchen Fällen Ermittlungen durch eigene Mitarbeiter an. Dabei können Paketautos kontrolliert oder Fangpakete eingesetzt werden. Diese sind speziell präpariert und hinterlassen beim Öffnen Spuren.

Wenn Pakete ihre rechtmäßigen Besitzer nicht erreichen, entschädigt die Post den Kunden.

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