Lehre

Professor Wildor Hollmann – Einer, der lebt, was er lehrt

Prof. Wildor Hollmann, Ehrenbürger der Stadt Menden, hat am Walramgymnasium eine Stunde Biologie in der Q2 unterrichtet.

Foto: Pia Maranca

Prof. Wildor Hollmann, Ehrenbürger der Stadt Menden, hat am Walramgymnasium eine Stunde Biologie in der Q2 unterrichtet. Foto: Pia Maranca

Menden/Köln.   Für Professor Dr. Wildor Hollmann (92) beginnen in Köln die Vorlesungen des Sommersemesters. Sein Thema: Allgemeines akademisches Grundwissen.

Sie nennen ihn den „Papst der Sportmedizin“ – ein Titel, den der Professor und vielfache Doktor Wildor Hollmann eher schmunzeln lässt. Dabei hat er nicht nur die Zusammenhänge von Sport und Gesundheitsvorsorge grundlegend erforscht und war von 1958 bis 1978 Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalelf. Wie Papst Benedikt zählt auch Hollmann indes zur Generation 90plus und ist emeritiert, also nicht mehr offiziell im Amt. Aber: Der gebürtige Mendener hat sich noch nicht zur Ruhe gesetzt, er hält als ältester aktiver Professor Deutschlands Vorlesungen an der Sporthochschule in Köln, hat nach wie vor Doktoranden und ist viel geladener Gastdozent in aller Welt.

Diese ungebrochene Vitalität brachte dem Ehrenbürger seiner Heimatstadt Menden gerade wieder bundesweite Meriten ein. Viele große Zeitungen veröffentlichen zum Beginn der Vorlesungszeit des Sommersemesters ausführliche Beiträge über den 92-jährigen Kardiologen, der bis heute ins Fitnessstudio geht und seinen Studenten an der Kölner Sporthochschule empfiehlt, am Tag zusätzlich 200 Treppenstufen zu steigen. „Mir fehlt tatsächlich rein gar nichts“, strahlt Hollmann auch im Gespräch mit der „Westfalenpost“.

Hörsaal ist brechend voll

Seine aktuellen Vorlesungen sind brechend voll: „Wir haben da leider auch ein Raumproblem in Köln.“ Und so schildert er, wie ihn die Studenten im Hörsaal umlagern, weil sie mangels Sitzplätzen auf Treppenstufen und Fensterbänken oder sogar rund um sein Pult hocken müssen. Der Mann ist eine Attraktion – nicht weil er alt ist, sondern weil er lebt, was er lehrt.

Was seine Sportstudenten zu hören bekommen, geht weit über die Sportmedizin oder gar die Fitness-Tipps hinaus, auf die manche den Ehrenpräsidenten des Weltverbandes für Sportmedizin heute zurückstutzen wollen: Dieser Dozent, der seit 67 Jahren auch über die Quantenphysik publiziert, lehrt heute akademisches Grundlagenwissen. „Denn es hat mich ärgert ungemein geärgert, nach Vorträgen in der Industrie zu hören, dass auch ausgezeichnete Sportmediziner heute nicht mehr wissen, wer Bismarck oder was die Renaissance war.“

So hat er sich, selbst von Haus aus Internist und noch vor wenigen Jahren wegen angeblicher und von ihm selbst bestrittener Doping-Forschungen in der Kritik, jetzt dem Kampf gegen die Fachidiotie und für eine umfassende humanistische Bildung verschrieben. Es wird sein letzter Kampf sein, das weiß er. „Aber wenn ich tot bin, ginge sonst alles, was ich mir durch Glück und Zufall aneignen konnte, wieder verloren.“

>> INFO: VIELFACH AUSGEICHNET

Prof. Dr. Wildor Hollmann, als Forscher vielfach ausgezeichnet, ist Ehrenbürger Mendens, der Sport-Uni Köln und seiner zweiten Heimat Brüggen.

An der Uni Köln, deren Rektor er später war, gründete er 1958 das Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin.

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