Betrugsverdacht

Rätsel um Amazon-Spendenaktion für Mendener Krankenhaus

Wie das Vincenz-Krankenhaus auf einer Amazon-Spendenliste landete, will der Online-Händler nicht erklären

Wie das Vincenz-Krankenhaus auf einer Amazon-Spendenliste landete, will der Online-Händler nicht erklären

Foto: Uli Deck

Menden.   Amazon sammelt angeblich Spenden für das Mendener St.-Vincenz-Krankenhaus. Die Klinik weiß aber gar nichts davon. Steckt Betrug dahinter?

Wer geht mit dem Namen des St.-Vincenz-Krankenhauses auf Spendenfang? Die Klinik taucht als möglicher Spendenempfänger in einer Liste des Internet-Kaufhauses Amazon auf. Kunden könnten 0,5 Prozent der Kaufsumme dem Klinikum zukommen lassen. Dass ein Klinik-Unternehmen um Spenden bettelt, klingt ungewöhnlich. Die Verantwortlichen distanzieren sich davon.

Krankenhaus-Sprecher Christian Bers ist überrascht

Krankenhaus-Sprecher Christian Bers zeigt sich von der WP-Anfrage überrascht. „Wir haben uns zu 100 Prozent nicht dort eingetragen.“ Wenn die Klinikgesellschaft an solchen Aktionen teilnehme, dann gehe das über seinen Schreibtisch. Bers zeigt sich jetzt alarmiert, dass möglicherweise jemand unter dem Namen des Krankenhauses auf Spendenfang geht. Im besten Fall wolle einfach irgendjemand der Klinik etwas Gutes tun und habe das St. Vincenz in die Liste möglicher Empfänger eingetragen.

Aufmerksame Spender könnten schon über den Namen stolpern. Auf Amazon ist von einer „St. Vincenz Hospital gem. GmbH“ als Empfänger die Rede. Tatsächlich ist der Träger des Mendener Vincenz-Krankenhauses aber die „Katholische Kliniken im Märkischen Kreis gGmbH“. Der Name Hospital ist für das Krankenhaus überhaupt nicht gebräuchlich.

Kunden können auswählen

Amazon dankt auf WP-Anfrage für den Hinweis. Möglicherweise handele es sich tatsächlich um böse Absichten. Wie das Vincenz-Krankenhaus auf der Liste landete, will Amazon aber nicht erklären. Auch nicht, wie viel Geld über das Vincenz-Portal schon gespendet wurde. Es handele sich um interne Geschäftsprozesse. Grundsätzlich beziehe Amazon die Informationen zu den Organisationen über das Portal „Stifter Helfen“, sagt ein Amamzon-Sprecher. Wer sich dort registiere und überprüft worden sei, sei bei Amazon automatisch teilnahmeberechtigt. Aber auch bei „Stifter Helfen“ sei das Vincenz-Krankenhaus nicht registriert, sagt Klinik-Sprecher Bers.

Amazon hatte im vergangenen Jahr das Programm „Amazon Smile“ eingeführt. Kunden können dabei auswählen, ob 0,5 Prozent der Kaufsumme an eine wohltätige Organisation oder Vereine gespendet werden. Zur Wahl stehen fünf von Amazon vorgegebene Premium-Empfänger wie das Deutsche Rote Kreuz. Kunden können aber auch unter mehreren tausend lokalen Organisationen auswählen. Darunter sind auch 15 aus Menden.

Wie hoch die Spenden sind, werde nur dem Empfänger mitgeteilt. „Wir werden quartalsweise E-Mails an die teilnehmenden Organisationen versenden mit der Information, welcher Betrag durch die qualifizierten Einkäufe von Kunden bei Amazon-Smile für die jeweilige Organisation generiert wurde.“

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