Mendener in aller Welt

Sandra Stolte mag Kleinstadtflair in Klagenfurt

Die Mendenerin Sandra Stolte lebt in Österreich.

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Die Mendenerin Sandra Stolte lebt in Österreich. Foto: WP

Menden/Klagenfurt.  Eigentlich wollte sie Kriminalpsychologin werden, jetzt ist sie Sozialarbeiterin und das im Ausland: Die Mendenerin Sandra Stolte lebt in Österreich.

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Eigentlich wollte sie Kriminalpsychologin werden, jetzt ist sie Sozialarbeiterin und das im Ausland: Die Mendenerin Sandra Stolte lebt in Österreich. Seit Dezember 2007 ist die 27-Jährige in Kärnten, genauer gesagt in Klagenfurt am Wörthersee, zu Hause. Dort arbeitet die Mendenerin als Sozialarbeiterin am Jugendamt.

Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Sandra Stolte nicht an einem „Europäischen Freiwilligendienst“ (EFD) in Österreich teilgenommen hätte. „Ich habe ein halbes Jahr für Kost, Logis und Taschengeld in einer sozialpädagogischen Wohngemeinschaft gearbeitet. So hatte ich die Möglichkeit, nach dem Studium Berufserfahrung zu sammeln und im Ausland zu leben. Mir gefiel es hier von Anfang an sehr gut“, erzählt die junge Mendenerin. Für sie hat die Landeshauptstadt von Kärnten mit 100 000 Einwohnern genau die richtige Größe. „Klagenfurt verwöhnt mit Kleinstadtflair. Im Sommer habe ich den See zum Schwimmen vor der Nase und im Winter ist es nur eine halbe Stunde mit dem Auto zum nächsten Skigebiet. Besser geht’s nicht für einen sportbegeisterten Menschen wie mich.“

Das halbe Jahr war schnell vorüber und Sandra Stolte konnte sich noch nicht vorstellen, wieder nach Deutschland zurück zu gehen. „Also suchte ich mir einen Job und hatte Glück, dass 2008 gerade Sozialarbeiter gesucht wurden. So blieb ich hier“, sagt sie. Nicht unwesentlich war bei der Entscheidung, erst mal nicht wieder nach Deutschland zu gehen, aber auch ihr Partner, mit dem die ehemalige Schülerin des Walburgisgymnasiums seit 2008 gemeinsam durchs Leben geht.

Sport nach der Arbeit

Seit drei Jahren beginnt Stoltes Arbeitstag nun zwischen 6.30 und 7.30 Uhr. Dann macht sie Hausbesuche, führt Gespräche, schreibt Gerichtsberichte, arbeitet mit sozialen Einrichtungen und Institutionen wie Schule, Kindergarten, Hort, Wohngemeinschaft und Krankenhaus zusammen. „Eine Mittagspause versuche ich dann auch immer einzuschieben; das klappt je nach Termindichte nicht immer. Arbeitsende ist so zwischen 16 und 17 Uhr“, so Stolte.

Die auch vom Hemeraner 25-Stunden-Schwimmen bekannte Mendenerin treibt im Anschluss an die Arbeit immer noch Sport: Laufen, Reiten, Inline-Skaten und Schwimmen natürlich. Das lernte sie schon als Dreijährige und nach wie vor ist sie Mitglied in der DLRG. Auch an die Uni treibt es die aktive Studentin noch, denn dort schreibt sie an ihrer Diplomarbeit in Psychologie.

Obwohl die Zeit knapp ist, kommt Stolte regelmäßig nach Menden. „Manchmal einfach so für ein Wochenende, manchmal, wenn was Besonderes ansteht wie zum Beispiel Theateraufführungen des MAT, wo ich lange selbst aktiv gespielt habe, oder zu Pfingsten oder Weihnachten. Ich bin sicher vier oder fünf Mal im Jahr in der Heimat“, sagt sie. Heimweh kommt da nicht auf, doch ab und zu vermisst sie die Hönnestadt schon: „Ich bin dort aufgewachsen und fühle mich Menden auch nach wie vor verbunden. Besonders fehlen mir manchmal meine Eltern, meine Oma und Freunde, die noch dort leben.“ Auch das MAT, die Leitmecke und die DLRG Hemer vermisst die junge Frau. Bei Freunden ist es schon etwas leichter, sich zu sehen, denn die können ja auch nach Österreich kommen. Viele Bekannte aus der gemeinsamen Schulzeit in Menden haben schon bei Sandra Stolte in Klagenfurt vorbeigeschaut und allen habe es sehr gut gefallen. „Meine Familie und meine Freunde sind natürlich jederzeit willkommen, mich in meinem neuen Zuhause zu besuchen und Kärnten von seiner schönsten Seite kennen zu lernen“, sagt sie. Dazu gehören auch die Legenden der Stadt, Sagen und Bräuche.

Sprachbarrieren

Zum Jahreswechsel beispielsweise wird Stoltes Wohnung wieder mit Weihrauch ausgeräuchert. „Silvester sollen so die bösen Geister vertrieben werden.“ Zudem erlebe man auch des anderen Dialekts wegen immer wieder lustige Sachen und manchmal komme es auch zu Missverständnissen: „Es gibt eben im Kärntnerischen Wörter, die es bei uns nicht gibt. Manche sind sicher auch Deutschen geläufig, beispielsweise Topfen (Quark), andere wie Kiberer (Polizist) oder Chik (Zigaretten) oder Kluppen (Wäscheklammern) aber auch nicht.“

Der bevorstehende Winter verspricht ebenfalls Erlebnisse, die es in Menden wohl nicht gegeben hätte: „Im letzten Jahr war es so viel Schnee auf einmal, dass mein Auto dermaßen unter den Schneebergen verschwunden war, dass ich auf das Dach des Autos klettern musste und erstmal alles runtergeschoben habe. Mit der Schaufel war der Massen am Boden nicht mehr Herr zu werden, doch Gott sei dank hat unser Nachbar eine Schneefräse, die mein Auto dann wieder freigelegt hat“, weiß Stolte zu berichten. Trotz dieser Widrigkeiten fühlt sie sich im Nachbarland sehr wohl. „Meine Arbeit macht mir viel Spaß, ich habe nette Kollegen und mittlerweile auch einen tollen Freundeskreis. In Menden habe ich beruflich eher keine Perspektive, doch eine Rückkehr nach Deutschland schließe ich nicht kategorisch aus. Aber momentan habe ich diesbezüglich keine Pläne.“

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