Bürgerbegehren

Schon 6100 Mendener für den Erhalt des Bürgersaals

Karl-Ludwig Figge, Heiner Schulte, Marga Figge und Dorothee Martin (von links) übergeben die Unterschriftenlisten an Bürgermeister Martin Wächter.

Karl-Ludwig Figge, Heiner Schulte, Marga Figge und Dorothee Martin (von links) übergeben die Unterschriftenlisten an Bürgermeister Martin Wächter.

Foto: Tobias Schürmann

Menden.  Der Grundstein ist gelegt, das Mendener Bürgerbegehren findet zahlreiche Unterstützer. Und noch ist die Frist nicht abgelaufen.

Rund 6100 Mendener haben das Bürgerbegehren zum Erhalt des Bürgersaals unterschrieben. Eine erste Kiste mit Unterschriften hat Initiatorin Dorothee Martin offiziell an Bürgermeister Martin Wächter übergeben.

Zweimal täglich muss Dorothee Martin inzwischen ihren Briefkasten leeren. So viele Unterschriften laufen bei der Initiatorin des Bürgerbegehrens auf. Den Überblick, sagt sie, hat sie schon längst verloren. „Inzwischen steuern wir auf die 7000 zu, es hat sich ein wenig verselbstständigt“, sagt Martin. Und das macht sie vor allem an einem ganz zentralen Wort fest: „Abriss“. Das sei für die Bürger „ein rotes Tuch“, das dafür gesorgt habe, dass sich deutlicher Widerstand gegen den Ratsbeschluss formiert habe. „Es passt einfach nicht in die Zeit“, schiebt Martin flott hinterher.

Nachhaltigkeit und Wiederverwertung

Ganz anders steht es um die Themen Nachhaltigkeit und Wiederverwertung. Und genau darum geht es der Initiatorin. Statt einen funktionstüchtigen – wenngleich sanierungsbedürftigen – Bau abzureißen, ohne alle Kosten im Detail zu kennen, müsse nach Sanierungsmöglichkeiten geschaut werden. „Wiederverwendung ist die Denke der Zukunft“, macht Martin daher klar.

Auch Unterstützerin Marga Figge kann den Ratsbeschluss nicht nachvollziehen: „Es war eine Entscheidung, ohne dass man sich mit den Alternativen beschäftigt hat.“ Die Politik habe sich mit diesem Beschluss vom Bürger entfremdet – und das, obwohl die Verwaltung die Sanierung im Bestand sogar explizit vorgeschlagen habe.

„Das ist ein eindeutiges Zeichen der Bürger“, betont Bürgermeister Martin Wächter im Rahmen der Übergabe. Der Entwurf zum großen Bürgerhaus habe die Menschen 2017 „nicht richtig mitgenommen, der Abriss-Beschluss scheint das geändert zu haben“, so Wächter. Er spricht im Zuge der 1259 Seiten, auf denen Mendener unterschrieben haben, sogar von einer „Win-Win-Situation“. Schließlich sei die Verwaltung auf das Engagement angewiesen. Und auch der Erste Beigeordnete, Sebastian Arlt, findet das Engagement der Bürger bemerkenswert.

Die von der Verwaltung vorgestellten Entwürfe für den Bürgersaal seien ein „radikaler Schwenk, aus einer Ruine einen sachlichen Ansatz zu entwickeln, wie es weitergehen könnte“, so Arlt. Dabei sind die drei Varianten nur Vorschläge aufgrund des politischen Auftrags und längst keine beschlossene Sache.

Und die Unterstützer des Begehrens denken noch lange nicht ans Aufhören. Bis Ende Oktober will man weiter fleißig Unterschriften sammeln, um zu zeigen, wie deutlich sich die Mendener gegen den Ratsbeschluss positionieren.

Inhaltlich, das macht Dorothee Martin auch klar, sei man gar nicht so weit voneinander entfernt. „Es geht nur miteinander“, so die Initiatorin. Unterm Strich geht es darum, einen Begegnungsort für die Mendener zu schaffen. Doch dafür müsse nicht gleich ein ganzes Gebäude abgerissen werden, noch dazu ohne Not. Die Fördermittel sind durch den Ratsbeschluss vom 2. Juli ohnehin nicht mehr abzugreifen. „Wir müssen es nicht übers Knie brechen. Beim aktuellen Bauboom ist es schwer, geeignete Firmen zu finden. Und Fördergelder wird es in Zukunft sicherlich auch noch geben.“

Hoffen auf Umdenken

Dass das Bürgerbegehren einen solchen Zulauf erfährt, hätte auch Heiner Schulte aus dem Vorstand des Initiativkreises Mendener Wirtschaft (IMW) nicht für möglich gehalten, als am 6. September der Startschuss für die Unterschriftensammlung fiel.

Inzwischen sind über 100 Helfer im Stadtgebiet unterwegs. „In einer Demokratie ist es unsagbar wichtig, dass der Bürger durch Wertschätzung einen Prozess des Nachdenkens erreicht“, erklärt Schulte. Folgt dieses Nachdenken nicht, sei das „für unsere Stadt schlecht“. Angesichts der Masse an Unterschriften hoffen die Unterstützer auf ein Umdenken.

Nach dem Ende und der Auswertung der Unterschriftensammlung wird der Rat entscheiden müssen, ob er seinen Beschluss zum Abriss rückgängig macht.

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