Kritik auf der Wilhelmshöhe

Schule im Digitalen Zeitalter: Auch in Menden Nachholbedarf

Mehr als 100 Gäste, darunter zahlreiche Schüler und Lehrkräfte, verfolgten die vier Vorträge zu „Schulen im Digitalen Zeitalter" im Spiegelsaal der Wilhelmshöhe.

Mehr als 100 Gäste, darunter zahlreiche Schüler und Lehrkräfte, verfolgten die vier Vorträge zu „Schulen im Digitalen Zeitalter" im Spiegelsaal der Wilhelmshöhe.

Foto: Thomas Hagemann

Menden.  Die Schulen im MK sind technisch meist unzureichend ausgestattet. Lichtblicke gab’s bei der CDU-Veranstaltung in Menden aber auch zu sehen.

Als eine einzige Einladung zum Mitbauen an der „Schule im Digitalen Zeitalter“ durfte das Schüler- und Lehrerpublikum am Montag auf der Wilhelmshöhe die Vorträge der vier Referenten auf der CDU-Veranstaltung verstehen. Da bekannte Dr. Stefan Werth, Ex-Gymnasialrektor in Lüdenscheid und heute immerhin oberster Schulentwicklungsberater der Bezirksregierung Arnsberg, dass auch seine Behörde „nicht so richtig weiß, wie’s geht“. Da warf sich ein René Jaques, Vorsitzender des NRW-Philologenverbandes, auf die Seite der Schülerinnen und Schüler, wenn es um deren Forderung nach schnellem Internet für alle Schulen geht. Da berichtete Fabian Kretzschmar als IT-Beauftragter des Woeste-Gymnasiums in Hemer, wie seine Schule zur digital bestausgestatteten im ganzen MK wurde. Und Abiturient Noah Schweins berichtete aus seinem Austauschjahr im US-Bundesstaat Missouri, warum amerikanische Schulen den deutschen online um Jahre voraus sind.

Mehr als 100 Gäste

Aus den Reihen der gut 100 Gäste, darunter der CDU-Landtagsabgeordnete Marco Voge, mehrere Schulleiter aus Menden und Heiner Schulte als Vertreter des Initiativkreises Mendener Wirtschaft, kamen Fragen, die zeigten, wo der Schuh drückt. Etwa bei Schulen, in denen das Netz zusammenbricht, sobald mehr als drei PCs online gehen. Ein junger Schüler wünschte sich Techniker an der Schule, damit die Schüler ihre PCs nicht immer selbst reparieren müssten. Ein Elternvertreter aus Iserlohn berichtete von der krassen Ungleichbehandlung der Schulen in seiner Stadt: Während die Gesamtschule Seilersee als hoch attraktiv, weil voll digitalisiert gelte, besitze die Gesamtschule am Nussberg gerade mal zwei i-pad-Klassen – und gelte in der Bevölkerung als eine Art Restschule.

Funklöcher im Sauerland

Der Nachmittag im Spiegelsaal der Wilhelmshöhe, den Peter Maywald als Schulausschuss-Vorsitzender in Stadt und Kreis organisiert hatte und auch moderierte, brachte allen die wenig überraschende Erkenntnis, dass es einen gewaltigen Nachholbedarf an vielen heimischen Schulen gibt. Maywald selbst äußerte den dringenden Wunsch, man möge auch im Mendener Stadtrat, wenn es um die Medienentwicklung an Schulen geht, von den heute üblichen „Fünf-Jahres-Plänen“ wegzukommen. Diese seien angesichts der rasanten Technologie-Entwicklung vor ihrem Ablauf längst veraltet. Dass es Reformbedarf nicht nur in den Schulen gibt, berichtete Dr. Werth: Er sei jüngst bei einem längeren Telefonat im Auto auf dem Weg nach Menden zwölf Mal durch Funklöcher unterbrochen worden.

Konzept vor Kauf

Einig war man sich darin, dass der Weg des Hemeraner Woeste-Gymnasiums in die Digitalisierung der vielversprechendste sei: Jede Schule, hatte Fabian Kretzschmar geraten, müsse sich zunächst überlegen, was sie tatsächlich braucht – und erst dann die passenden Geräte dazu bestellen. Sonst ergehe es ihnen wie den Vorgängern, die einst teure Sprachlabore an den Bedürfnissen von Schülern und Lehrern vorbei einrichteten, um Jahre später bei den Computerräumen denselben Fehler zu machen: Erst zu kaufen und sich dann zu fragen, was man mit den Gerätschaften wohl anfangen könne, sei der falsche Weg.

Rechtliches oft unklar

Dass es nicht nur um die Technik geht, sondern auch um den rechtlichen Rahmen, mahnte René Jaques an. Wenn Lehrer nicht wüssten, was sie ungestraft aus dem Netz downloaden oder streamen und dann zeigen dürfen, ohne mit einem Bein im Knast zu stehen, oder wenn ihre Kontrolle in Sachen Jugendschutz nicht gewährleistet sei, dann können die Geräte so gut sein, wie sie wollen. Dann blieben sie offline.

Einsichten statt Neuigkeiten

Fazit: Der Nachmittag brachte weniger Neuigkeiten als vielmehr Einsichten – auf allen Seiten. Bei einer Wiederholung sollte indes gerade bei diesem Thema vom Prinzip des Frontalvortrags abgewichen werden, bei dem zwei der vier Referenten nicht einmal den bereitstehenden Beamer nutzten.

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