Senioren-Wohnbau geplant

Schwitten: Bürger wollen mit Denkmalschutz Neubau verhindern

Die alte Scheune an der Schwitter Dorfstraße soll einem Zwölf-Parteien-Haus für Senioren weichen. Nachbarn laufen Sturm gegen die aus ihrer Sicht monströse Planung – und wollen das Stallgebäude jetzt unter Denkmalschutz gestellt sehen.

Die alte Scheune an der Schwitter Dorfstraße soll einem Zwölf-Parteien-Haus für Senioren weichen. Nachbarn laufen Sturm gegen die aus ihrer Sicht monströse Planung – und wollen das Stallgebäude jetzt unter Denkmalschutz gestellt sehen.

Foto: Thomas Hagemann

Schwitten.  Um einen geplanten Zwölf-Parteien-Neubau zu verhindern, wollen Anlieger der Dorfstraße die Scheune jetzt unter Denkmalschutz gestellt sehen.

Mitten in Schwitten, an der Dorfstraße, steht heute noch eine alte Scheune, und um die gibt es jetzt heftigen Streit zwischen der Stadt Menden und mehreren Anliegern. Die Anwohner haben jetzt sogar Denkmalschutz für den alten Stall beantragt: Sie wollen damit dort einen Neubau verhindern, der aus ihrer Sicht viel zu groß für den historischen Ortskern ausfallen würde.

Einst gehörte das aus Ziegeln gemauerte Stallgebäude zu einem Bauernhof, jetzt soll es fallen – für ein Zwölf-Parteien-Haus, in dem Senioren leben sollen. Gegen dieses große Gebäude laufen die künftigen Nachbarn Sturm: Ihnen ist das geplante Haus mit zwölf Wohnungen schon baulich viel zu groß und klotzig. Sie selbst haben, wie sie sagen, viel Geld und Arbeit in ihre denkmalgeschützten Häuser gesteckt. Deren Wirkung ginge völlig verloren, wenn dazwischen in Hanglage ein zweigeschossiges Gebäude mit ausgebauten Satteldach entstünde.

Neubau „rücksichtslos“ oder nicht?

Doch die Anlieger haben ein Problem: Es gibt für diesen Bereich keinen Bebauungsplan, der die Maße aller Häuser genau aufeinander abstimmt. Stattdessen gilt Paragraf 34 Baugesetzbuch. Der schreibt zwar auch vor, dass sich ein Neubau in die Umgebung einpassen soll. Doch wie viele Wohneinheiten darin unterzubringen sind, sagt „der 34“ zum Beispiel nicht. Beschränkungen für den Bauherrn sind der Stadt hier folglich nicht möglich. Es sei denn, sie betrachtete das Vorhaben wegen seiner Umfänge oder der hohen Zahl der Wohnungen als „rücksichtslos“.

Diese Rücksichtslosigkeit vermag die Stadtverwaltung laut dem Ersten Beigeordneten Sebastian Arlt nicht zu erkennen. Zwar sei die Zahl der Wohneinheiten hoch. Doch es gehe nur um kleine Wohnungen mit wenigen Bewohnern pro Einheit. Die Zielgruppe, erklärt Arlt, sei „auf eine gewisse Betreuung angewiesen“ und frage daher in der Regel keine großen Quadratmeterzahlen nach.

Viel besuchtes Pflegeheim befürchtet

Die Anlieger sehen das völlig anders. Sie erwarten und befürchten ein vielbesuchtes Pflegeheim, mit beständig wechselnden Mietern und jeder Menge Verkehr – dank des Pflege- und Betreuungspersonals sowie zahlreicher Besucher. Hinzu komme die schiere Größe des Plangebäudes, das sich in Höhe, Länge und Breite sehr wohl „rücksichtslos“ gegenüber der Umgebung ausnehmen werde.

Hinzu komme, dass mit einem Abriss der Scheune ein Erhalt des alten „Vierseithofes“ unmöglich würde, denn die Scheune bildet eine Seite davon. Bei Vierseithöfen umschließen die Gebäude den Wirtschaftshof von allen Seiten, und in Schwitten habe es nur einen Hof dieser Art gegeben. Da aber trotzdem „die systematische Zerlegung der Vergangenheit in Schwitten“ offenbar weitergehen solle, so erklärt ein Anlieger gegenüber der WP, habe man den Antrag auf Denkmalschutz fürs gesamte Ensemble und den Hof gestellt. Hof und Gebäude seien „bedeutend für die Geschichte der Menschen, der Landwirtschaft und der Siedlungsstruktur“. Dies zu erhalten, schaffe auch die Möglichkeit zur Identifikation mit dem Ortsteil – für die eingesessene Bevölkerung und für die neue.

Denkmalschützerin gibt grünes Licht

Die Denkmalschützerin des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), eingeschaltet von den Baupolitikern, sieht das deutlich entspannter: Den Neubau an Stelle der Scheune halte sie „grundsätzlich für möglich“, sofern dabei historische Materialien wie Holz, Ziegel oder Backstein verwendet würden“. Und wegen der Hanglage der Scheune sei ein Teil des Neubaus wohl nur eingeschossig zu bauen.

Weil diese Expertise erst kurz vor der Bauausschuss-Sitzung am Donnerstag vorlag, vertagte die Politik das Thema aufs nächste Mal. Zu hören ist, dass es ungeachtet des LWL-Schreibens weiterhin Bedenken gegen den Neubau gibt: „Der ist noch nicht durch.“

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