Gut Rödinghausen

Sechs Künstler hoffen in Mendener Gutsmuseum auf Stipendium

Elisabeth Hepworth ist einer der sechs Künstlerinnen und Künstler, die im Gut Rödinghausen ausstellen. Sie hofft auf das MKK-Stipendium.

Elisabeth Hepworth ist einer der sechs Künstlerinnen und Künstler, die im Gut Rödinghausen ausstellen. Sie hofft auf das MKK-Stipendium.

Foto: Lisa Dröttboom

Lendringsen.  Sechs Künstler zeigen ab Freitag in Gut Rödinghausen ihre Fotografien. Beim Aufbau kämpfen sie mit schiefen Böden und schlechtem Licht.

Es herrscht munteres Treiben im Gut Rödinghausen. Künstler wuseln hin und her, auf dem Boden stapeln sich Bilderrahmen. Am Freitagabend beginnt der Wettbewerb um das Stipendium der Märkischen Kulturkonferenz (MKK) 2020. Sechs Künstlerinnen und Künstler haben sich darum beworben – und alle kämpfen jetzt mit den Tücken des alten Herrenhauses.

Kein Nagel in der Wand

Die Ausstellung wechselt Jahr für Jahr ihren Standort, diesmal wurde das frisch sanierte Gut Rödinghausen ausgewählt. Doch obwohl es das Industriemuseum beherbergt, birgt das Denkmal für die Künstler „viele Herausforderungen“, wie Museumsleiterin Jutta Törnig-Struck es nennt.

Im Klartext: Kein einziger Nagel darf in die Wand des alten Fachwerkhauses geschlagen werden. Die Holzböden sind krumm und schief und die Decken niedrig. Die Räume sind winzig und verwinkelt. Viel Charme, aber nicht die besten Voraussetzungen für eine Ausstellung.

„Die Künstler haben sich der Herausforderung angenommen und meistern sie großartig“, sagt Törnig-Struck begeistert. Manche, wie Lucia Sotnikova, passen sich der Lage an – und präsentieren ihre Werke ebenfalls krumm und schief. Andere haben weit mehr zu kämpfen. „Die Location ist nicht gerade ideal für eine Foto-Ausstellung“, verweist Elisabeth Hepworth auf Schwierigkeiten mit den Lampen, die sich in ihren Werken spiegeln. Auch der Aufbau ist nicht einfach. Mehrere Künstler fahren in Mendens Baumärkte, weil ihr mitgebrachtes Material nicht ausreicht, um ihre Kunst vernünftig auszustellen.

Die sechs Künstler

Doch wer sind die sechs Künstler eigentlich, die ihre Werke im Gut präsentieren? „Alle Bewerber müssen ein abgeschlossenes Kunststudium haben und die Empfehlung eines Professors mitbringen“, sagt Törnig-Struck. Diesmal widmet sich die MKK ganz der Fotografie.

Marta Djourina kommt ursprünglich aus Bulgarien, hat in Berlin studiert und widmet sich dem Grenzbereich zwischen Malerei und Fotografie. Sie verwandelt Fotopapier in ihre Leinwand und bearbeitet sie mit Lasern, Taschenlampen und biolumineszenten Algen. Ihr größtes Werk, das im Gut Rödinghausen ausgestellt ist, misst 1,80 Meter mal 3,50 Meter. „Die habe ich auch in der Größe erschaffen“, sagt sie grinsend.

Teye Gerbracht hat in Düsseldorf studiert und arbeitet auf Aquarellpapier. Er posiert für seine Werke selbst als Aktmodell, wendet sich von der Kamera ab. Seine Spezialität sind verlassene und vergessene Orte sowie die Abendsonne, die durch die Fenster einfällt.

Militärflugzeuge und die psychische Ebene

Lucia Sotnikova kommt aus Russland und hat in Düsseldorf studiert. Sie arbeitet vor allem mit den verschiedenen Ebenen der Fotografie und starken Kontrasten. Die Einzigartigkeit der Location nutzt sie, um ihre Werke auf eine neue Art zu präsentieren.

Cheolhee Park stammt aus Südkorea und hat in Berlin studiert. Mit einem Koffer voller Bilder ist er im Zug nach Menden gereist. Er widmet sich der Spaltung seines Landes, fotografiert Militärflugzeuge und zeigt in seinen dreiteiligen Bilder nur Teilausschnitte, bei denen man einen Schritt zurücktreten muss, um das große Ganze erkennen zu können.

Elisabeth Hepworth ist „eine griechisch-britische Berliner Künstlerin“, wie sie sich selbst beschreibt. Sie hat in London und Berlin Kunst studiert und fängt mit ihren Bildern das Ungesagte ein. „Mich fasziniert die psychische Ebene“, sagt sie. „Das, was man nicht unbedingt sieht.“

Linda Lebeck hat in Hamburg studiert und widmet sich ganz dem Umgang mit Raum, Sprache und Film. Sie zeigt Bildreihen mit ungewöhnlichen Perspektiven. Auf Gut Rödinghausen will sie ein dreidimensionales Werk aufstellen – sofern die Location es zulässt.

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