Kriminalität

Software aus Menden erleichtert Ermittlern die Arbeit

IT-Forensiker und Computerfachmann Karsten Zimmer aus Menden hat eine neue Software erarbeitet, die die Auswertung von Videodateien zum Beispiel beim Verdacht auf Kinderpornografie erleichtert.

Foto: MATTHIAS GRABEN

IT-Forensiker und Computerfachmann Karsten Zimmer aus Menden hat eine neue Software erarbeitet, die die Auswertung von Videodateien zum Beispiel beim Verdacht auf Kinderpornografie erleichtert. Foto: MATTHIAS GRABEN

Menden.   IT-Forensiker Karsten Zimmer aus Menden hat eine Software erstellt, die die Spurensuche in Videodateien vereinfachen soll. Vor allem beim Verdacht auf Kinderpornografie kann die Arbeit für Ermittler mit dem Programm weniger belastend sein.

Die Augen rotgerändert, das Gesicht grau verknittert, die Haare wirr: Die ganze Nacht hat der Kommissar auf den Bildschirm gestarrt, wo Videoaufzeichnungen aus Überwachungskameras vorbei flimmerten. Bis er dann übermüdet die entscheidende Sequenz beinahe übersieht und nur mit Glück entdeckt. Eine Szene, wie der Fernsehzuschauer sie aus Krimis kennt.

Die Drehbücher dafür allerdings sind nun veraltet. Denn Ermittler müssen nicht mehr selbst Hunderte von Filme durchgucken, Festplatten mit Terabytes Speichervolumen durchforsten. Diese Arbeit nimmt ihnen nun eine Software ab, entwickelt vom Mendener IT-Forensiker Karsten Zimmer in Zusammenarbeit mit der Firma Eyewitness Forensic.

Eine Arbeit, die die Ermittlungsbehörden bisher nicht nur viel Zeit kostete und Arbeitskräfte band. Sondern die höchst belastend war, wenn es darum ging, die Rechner von Verdächtigen auf Kinderporno-Filme zu prüfen.

Und so hat Karsten Zimmer gemeinsam mit Ronny Bodach nach einer Software gesucht, die Ermittlern diese äußerst unangenehme Arbeit abnimmt: Nach drei Jahren Entwicklung erleichtert „Forensik Video Report“ Kriminalpolizeien, Ermittlern und EDV-Sachverständigen den Alltag. Ein Produkt, das Zimmer zufolge nicht nur bei den Landeskriminalämtern und den Kreispolizeien in Deutschland gefragt ist, sondern auch in Österreich, der Schweiz und Rumänien.

Szenenwechsel dokumentiert

Einer der drei großen Flachbildschirme in Zimmers Büro zeigt minutenlang unverändert den Blick auf den Weltraumbahnhof Cape Canaveral, wo die Vorbereitungen für eine Mission laufen. Dann ein Schnitt, die Rakete steigt in den Himmel hinauf. Wieder ein Schnitt, Blick aus dem Raumschiff ins All. Ein unverfängliches Beispiel.

Diese Szenenwechsel sind es, die die Software automatisch dokumentiert. „Denn nicht selten“, so erklärt Zimmer, „sind Kinderpornos mitten in einem harmlosen Film versteckt.“ Die Software erspart es also den Ermittlern, einen unscheinbaren Zeichentrickstreifen durchzugucken, um dann nach Stunden vielleicht eine Straftat aufzudecken. Der Sachbearbeiter muss folglich nicht mehr das gesamte Material durchgucken, kann nur anhand der Standbilder entscheiden, die ihm die Software ausspuckt. „Damit kann ein Mann künftig anders eingesetzt werden“, erklärt Zimmer einen der Vorzüge.

Programm hilft auch bei Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität 

Sein Programm hilft auch dabei, raffiniert versteckte Dateien aufzuspüren, die irgendwo für den Betrachter eines Films unsichtbar verborgen sind. Ein Instrument, das vor allem zur Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität nützlich ist, wenn gestohlene Firmendaten getarnt in einem Hollywood-Streifen geschmuggelt werden.

Zimmer klickt die nächste Datei an, zeigt eine vollkommen verwackelte Handyaufzeichnung aus einer U-Bahnstation: Zwei Männer verprügeln einen dritten. Zimmers Software stabilisiert das Bild, bis das Geschehen klarer zu erkennen ist. Dann eine Aufnahme, die eine Überwachungskamera von einem weit entfernt geparkten Pkw gemacht hat. Das Nummernschild des Wagens ist zu klein, als dass man es noch lesen könnte, und durch den Zoom wird es unscharf. Doch nachdem Zimmer es mit seinem Programm bearbeitet hat, sind die Buchstaben zu entziffern.

Manchen Fall mit der Software aufgeklärt

So mancher Fall habe mit der Software nun aufgeklärt werden könne, sagt Karsten Zimmer ein bisschen stolz. Das macht für ihn die Belastungen der vergangenen Jahre vielleicht wieder wett, manchen Rückschlag bei der Entwicklung, die zusätzliche Arbeit neben dem „Alltagsgeschäft“, von dem Zimmers Familie leben muss.

Um so mehr ärgert ihn, dass am Ende, wenn mit Hilfe seiner Software ein Verdächtiger dingfest gemacht worden ist, dem der Besitz von Kinderpornos nachgewiesen werde konnte – dieser Täter dann doch mit einer Bewährungsstrafe davonkommt..

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