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Stadt Menden nimmt Liste mit Abiturienten-Daten aus dem Netz

ie Datenschutzgrundverordnung hat auch der Stadt neue Regeln gesetzt. Viele Betroffene berufen sich jetzt auf das Recht auf Löschung (Symbolfoto).

ie Datenschutzgrundverordnung hat auch der Stadt neue Regeln gesetzt. Viele Betroffene berufen sich jetzt auf das Recht auf Löschung (Symbolfoto).

Foto: dpa Picture-Alliance / HANS KLAUS TECHT

Menden.   Die Stadt Menden hat die Liste mit Abiturienten-Daten vorerst offline gestellt. Mehrere Anzeigen bei der Landesdatenschutzbeauftragten.

Die Veröffentlichung von tausenden Abiturienten-Daten auf der Homepage der Stadt sorgt nach der Berichterstattung in der WP für eine Welle der Empörung bei Betroffenen. Mittlerweile prüft das Büro der Landesdatenschutzbeauftragten Helga Block den Fall. Datenschutzexperte Karsten Zimmer verschärft seine Kritik. Die Stadt hat die 646 Seiten umfassende Datei vorerst von ihrer Homepage gelöscht.

„Wir haben das Ganze vorsichtshalber aus dem Netz genommen“, sagt Stadtsprecher Johannes Ehrlich. Die städtische Datenschutzbeauftragte und Bürgerbüro-Leiterin Marion Klein prüfe den Vorgang jetzt. Dabei greife sie auch auf die Erfahrung aus anderen Kommunen zurück.

Datenschutzexperte Karsten Zimmer kündigt an, den Fall selbst bei der Landesdatenschutzbeauftragten anzuzeigen. Für ihn stehe fest: „Das ist skandalös, wie die Stadt da vorgeht.“ Aus den Daten in der Liste lasse sich ja sogar weit mehr rückschließen als zunächst angenommen: „Man kann ja sogar nachvollziehen, wer wann sitzengeblieben ist.“ Einige Schüler tauchen in der Liste erst in einem Jahrgang auf, später in einem anderen. Die Stadt hatte in dem sogenannten Findbuch für das Stadtarchiv Datensätze mit Namen, Jahrgängen, Abiturfächern und weiteren Angaben veröffentlicht.

Behörde prüft den Mendener Fall

Bei Zimmer und in der Redaktion meldeten sich am Dienstag nach der Berichterstattung dutzende Betroffene. „Ich will nicht, dass die Stadt darüber entscheidet, ob meine Daten veröffentlicht werden“, sagt Christina Eversberg, die im Jahr 2000 Abitur machte. Sie gehört nicht zu den Betroffenen, weil die Datensätze nicht komplett sind, will aber einer Veröffentlichung vorbeugen. „Das geht keinen etwas an.“

Das Büro der Landesdatenschutzbeauftragten Helga Block kündigte am Dienstag auf WP-Nachfrage an, den Fall prüfen zu wollen, wollte sich aber noch nicht im Vorgriff dazu äußern. Die FDP fordert unterdessen, dass die Stadtverwaltung von sich aus den Datenschutzbeauftragten der Bezirksregierung hinzuzieht und überprüfen lässt. Fraktionschef Stefan Weige erklärt: „Die FDP-Fraktion hat in der Vergangenheit mehrfach, auch durch Anträge, auf den laschen Umgang mit Daten von Bürgern durch die Verwaltung der Stadt Menden hingewiesen und sorgt sich weiterhin um die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen.“

Stadt: Ignorieren Beschwerden nicht

Die Redaktion erhielt am Dienstag Hinweise, dass es in dem Fall schon Beschwerden und sogar eine Rüge gegeben haben soll. Die Landesdatenschutzbeauftragte hat sich dazu bislang noch nicht geäußert. Die Stadt habe weder von einer Beschwerde noch von einer Rüge Kenntnis, sagt Stadtsprecher Johannes Ehrlich. Es sei für ihn auch nicht denkbar, dass die Stadt solche Hinweise einfach ignoriere: „Wenn eine Beschwerde bei uns aufgelaufen ist, dann müssen wir reagieren.“

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