Naturschutzgebiet

Waldemei: Die Ungeduld wächst

Auch der idyllische Hexenteich zählt zur Waldemei:  Die Ausweisung von knapp der Hälfte des Mendener Stadtwaldes als Naturschutzgebiet erscheint indes auf die lange Bank geschoben. Foto:Martina Dinslage

Auch der idyllische Hexenteich zählt zur Waldemei: Die Ausweisung von knapp der Hälfte des Mendener Stadtwaldes als Naturschutzgebiet erscheint indes auf die lange Bank geschoben. Foto:Martina Dinslage

Noch kein Naturschutzgebiet: Die Bezirksregierung erwartet „zusätzliche Erkenntnisse“ aus Umweltgutachten zur A 46. Bürger fordern Umsetzung

Menden. Der Stadtrat will es. Der Förster will es. Die Naturschützer wollen es. Die 130 Unterzeichner einer Unterstützerliste wollen es. Die Bezirksregierung will es. Es ist längst beschlossen, nur noch nicht ausgewiesen. Doch das Naturschutzgebiet (NSG) „Waldemei und Wannebachtal“ kommt und kommt nicht. Das begründet die zuständige Bezirksregierung in Arnsberg nun damit, dass sie erst die Umweltverträglichkeitsstudie und die Artenschutzprüfung zu den Planungen der Autobahn 46 abwarten will. Im selben Atemzug betont die Bezirksregierung, dass die Ausweisung der Waldemei „fortgesetzt“ werde. Doch lägen die Ergebnisse der abzuwartenden Untersuchungen noch nicht vor.

Mendener trauen dem Braten nicht

Diesem Braten trauen mehr als 130 Mendener nicht. Sie fürchten, dass es wegen der Autobahntrasse einen Rückzieher geben könnte. Daher fordern sie in einem Bürgerantrag den Rat der Stadt auf, die Ausweisung des NSG durchzusetzen. Ihr Antrag liegt am heutigen Donnerstag dem städtischen Ausschuss für Umwelt, Planen und Bauen vor. Beschlussvorschlag der Verwaltung für die Politiker: Unterstützung der Bürger durch Ausschuss und Rat.

Knapp die Hälfte des Mendener Stadtwaldes soll seit 2016 unter größtmöglichen Schutz gestellt werden, weil er so wertvoll ist (die WP berichtete). Doch die Bezirksregierung teilte der Stadt kürzlich mit, dass „nach der Vorentwurfsphase Gespräche stattgefunden“ hätten – auch mit Vertretern der Firma Grohe und Straßen NRW. Mit dem Landesbetrieb sei vereinbart worden, Studie und Prüfung zur A 46 abzuwarten, bevor die Ausweisung erfolgt.

Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, erklärte deren Haltung so: „Die fachlichen Erkenntnisse aus den Gutachten können noch wertvolle Hinweise auf die Feinjustierung des Naturschutzgebietes geben.“ Und darauf wolle man ebenso wenig verzichten wie auf das Naturschutzgebiet. Dass die Ausweisung nicht grundsätzlich in Frage steht, betonte Söbbeler gegenüber dieser Zeitung ausdrücklich. Wie die Mendener Politik reagiert, zeigt sich am Donnerstag. Die öffentliche Sitzung im Ratssaal beginnt um 17 Uhr.

>>> Kommentar <<<

Wie Misstrauen geschürt wird

Es war die damalige Regierungspräsidentin Diana Ewert (SPD) höchstpersönlich, die vor dem Regionalrat ausschloss, dass die Trasse der Autobahn 46 einem Naturschutzgebiet Waldemei in die Quere kommen könnte. Zugleich ist ein NSG die höchstmögliche Schutzstufe. Zu welchen Konsequenzen sollten also zusätzliche Erkenntnisse aus Artenschutz-Gutachten zur A 46 führen, deren Vorlage noch lange dauern kann? Warum wartet man die ab?


Die Bezirksregierung lügt nicht, das darf man unterstellen. Und sie hat sich gerade erneut hinter das Naturschutzgebiet gestellt. Umso unverständlicher bleibt diese Abwarterei. Denn sie schürt das Misstrauen bei Bürgern und Politikern vor Ort. Ganz ohne Not.

Thomas Hagemann

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