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Warum Brunhilde Rieber immer noch schwer in Mode ist

Foto Fashion Week Brunhilde Rieber

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Foto: Privat

Menden.   35 Jahre: eine stolze Zahl. So lange besteht Brunhilde Riebers Mode-Boutique in Mendens Innenstadt. Ihr Erfolgsgeheimnis.

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„Ich liebe schöne Dinge und nette Menschen“, sagt Brunhilde Rieber. Und dieser Satz umfasst wohl schon einen Großteil ihres Erfolgsgeheimnisses. Denn man muss sich gar nicht allzu lange in ihrem Modegeschäft aufhalten um den Wahrheitsgehalt der Aussage bestätigen zu können. Damit kann Rieber nun 35-jähriges Bestehen feiern. Und der Großstadt wie auch den Internethändlern trotzen.

Was sie davon hält, die Bekleidung ausschließlich in den Weiten des World Wide Web zu bestellen? „Damit nimmt man sich doch das Einkaufserlebnis“, erzählt Rieber, die schon als kleines Mädchen von der Mutter mit dem Mode-Virus infiziert wurden, nach der Ausbildung dann 1979 zunächst das Modehaus „Rest“ in der Hönnestadt übernahm und sich 1983 schließlich unter eigenem Namen mit einer Boutique am Neumarkt selbstständig machte.

Mit Namen begrüßt

Wie dieses Erlebnis aussehen kann, lässt sich am Samstagmittag exemplarisch beobachten. Der Laden ist gut besucht, die hereinkommenden Kundinnen werden mit Namen begrüßt, in den Arm genommen, Rieber erkundigt sich nach dem Wohlergehen von Mann, Kindern oder Haustier. Eine Tasse Kaffee oder auch mal ein Glas Sekt (gerade wenn es schnurstracks in Richtung Wochenende geht) gehört auch dazu.

Aber das wichtigste ist für sie: eine kompetente, ehrliche Beratung („Ich sage auch, wenn jemand einfach nur verkleidet und damit eben nicht passend ausschaut.“) von der Frau, die das Geschäft mit der Mode voller Leidenschaft und Überzeugung betreibt. „Natürlich kaufe ich für den Laden nur Sachen ein, die mir selber gefallen. Ich bin vielleicht etwas eigenwillig, das dann aber auch aus voller Überzeugung.“ Wenn sie so über die Modemessen und Fashionshows spaziert kommt es immer wieder vor, dass sie bei bestimmten Kleidungsstücken schon bestimmte Kundinnen im Kopf hat, der genau das gefallen könnte. Als gänzlich unkomplizierte Einkäuferin würde sich Brunhilde Rieber definitiv nicht bezeichnen, wie sie mit einem verschmitzten Lächeln erzählt: „Wenn die Verkäufer mir dort erzählen: ,Das und das wird der nächste Renner!’, kaufe ich es ziemlich sicher nicht ein.“

Pur, edel, ohne Schnickschnack

Den Stil ihrer Mode beschreibt sie als pur, edel, zurückgenommen, ohne Schnickschnack. „Für Frauen, die mit der Mode ihren Typ unterstreichen wollen.“

Das tolle an ihrem Job sei der Kontakt mit so vielen Menschen, und im speziellen: „Das wir zwar auch viel Kleidung für den Alltag verkaufen, aber vor allem die Menschen für ganz besondere Tage ausstatten dürfen: Hochzeit, große Geburtstage, Abiball.“ Für all das reist Brunhilde Rieber zu Modemessen und Fashionshows: „Und bei den Aftershow-Parties bin ich manchmal die letzte auf der Tanzfläche während die jüngeren schon im Bett liegen“, lacht sie mit Verweis auf die 68 Lenze.

Blutendes Herz

Begleitet wird Brunhilde Rieber bei ihren Reisen von Anna Korbel. „Seit über zehn Jahren ist sie meine rechte Hand, es hat einfach von Anfang an gepasst. Dass sie auf den Veranstaltungen viele für meine Tochter halten, kläre ich meistens bewusst nicht auf“, grinst Rieber.

Seit mehr als 30 Jahren gehört auch Manuela Kamen dazu. Ohne ein gutes Team geht es natürlich nicht. Und noch etwas anderes ist Rieber Stütze und Halt: „Mein Gottvertrauen. Der da oben hatte vielleicht genau diesen Plan mit mir. Und so lange er mich lässt, mache ich auch weiter.“ Nur das allein reicht am Ende des Tages natürlich nicht aus, damit in der Kasse etwas über bleibt. Brunhilde Rieber empfindet Leidenschaft für ihre Heimatstadt Menden, versichert sie.

Familiäre Atmosphäre

Die Leerstände in der Innenstadt lassen ihr Herz bluten. Ein Déjà-vu: als wir vor fünf Jahren zum 30. Geschäftsjubiläum schrieben, wünschte sie sich Fortschritte bei Projekten wie etwa am Nordwall. „Man muss hier schon ganz schön strampeln um durch zu kommen. Nur mit der guten Beratung und familiären Atmosphäre, mit vielen Stammkunden können wir uns behaupten. In einer Großstadt möchte ich trotzdem niemals arbeiten.“

Der Weg durch die Natur ist eine ihrer liebsten Beschäftigungen. Von der ein oder anderen Mendenerin wünscht sie sich für die Zukunft mehr Mut: „Es gibt schon eine Schwellenangst, überhaupt den Laden zu betreten. Dass alles teuer ist, stimmt auch nicht. Und natürlich muss man nicht sofort was kaufen, erstmal umgucken ist doch auch gut.“

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