Corona-Auswirkung

Warum sich Chöre in Menden sehnlichst Auftritte wünschen

Eine Chorprobe von „Amante della Musica Menden“ auf der Wilhelmshöhe. Die Sänger proben mit Abstand.

Eine Chorprobe von „Amante della Musica Menden“ auf der Wilhelmshöhe. Die Sänger proben mit Abstand.

Foto: Lars Becker / Amante della musica menden

Menden.  Seit Monaten haben viele Mendener Chöre keinen Auftritt absolviert. Der Chorverbands-Vorsitzende sagt, warum Proben ohne Ziel „echt ätzend“ sind.

Vielen Mendener Chören fehlt aktuell mangels Auftrittsmöglichkeiten die Perspektive. Konzerte sind bis ins nächste Jahr hinein wohl kaum möglich. Auch der Mendener Weihnachtschor wird in diesem Jahr nicht singen. Trotz verschärfter Corona-Regeln läuft allerdings der Probenbetrieb in vielen Chören weiter.

„Zu Proben, ohne ein Ziel zu haben, ist echt ätzend“, sagt Tobias Holz und bringt damit aus Sicht vieler Sänger die aktuelle Situation auf den Punkt. Er ist Vorsitzender des Chorverbandes Hönne-Ruhr und vertritt damit etwa 400 aktive Sänger in Menden, Balve und Fröndenberg. Als aktiver Sänger im Mendener Chor „Amante della Musica“ bekommt Holz die Corona-Probleme selbst zu spüren.

Chöre weichen zu Proben in Schützenhallen und Kirchen aus

Fast kein Chor probe aktuell in den gewohnten Räumen. Es gebe einige, die in Kirchen ausweichen. Andere sind in Schützenhallen. Holz ist selbst mit seinem Chor auf der Wilhelmshöhe. „Unser Problem ist, dass wir jetzt in die kalte Jahreszeit kommen“, sagt Holz. Gerade bei den Schützenhallen entstünden hohe Heizkosten, die sich für die meisten Chöre gar nicht mehr finanzieren ließen. Einige Chöre müssten von den Mitgliedern zusätzliche Umlagen verlangen, andere gehen auf Spenden-Tour. Einnahmen aus kleinen Privat-Auftritten bei Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern fallen aktuell weg. „Wir haben auch keine Spenden oder Unterstützung aus der Wirtschaft.“

Nachdem die Chöre im Sommer ihren Probenbetrieb mit Abständen von drei bis vier Metern wieder aufnehmen durften, sei man jetzt bei zwei Metern Abstand (in alle Richtungen) zwischen den Sängern angelangt. Das war Stand am Donnerstag. Wie schnell sich die Regelungen ändern können, zeigte sich in dieser Woche mit gleich mehreren neuen Verordnungen vom Land und einer dynamischen Lage bei Infizierten- und Inzidenzzahlen.

Definitiv kein Auftritt des Weihnachtschores beim Turmblasen

An Auftritte sei momentan quasi nicht zu denken, erklärt Holz. Auch der Weihnachtschor, in den vergangenen Jahren auch von der WP-Redaktion unterstützt, wird in diesem Jahr definitiv nicht auftreten. Die Stadtverwaltung hatte das traditionelle Turmblasen bereits abgesagt (WP berichtete). Auch per Live-Übertragung im Netz sei das kaum möglich. „Es wird kein Chor singen können“, sagt Holz. Mit den entsprechenden Abständen fehle unter freiem Himmel einfach die Akustik. Auch rechtlich sind Übertragungen von Musikstücken wieder ein ganzes Stück schwieriger geworden. „Wir hatten bis September eine Ausnahmegenehmigung der Gema für genau solche Fälle. Diese ist aber nicht verlängert worden“, sagt Tobias Holz.

So seien jetzt schon viele Weihnachtskonzerte abgesagt worden. Auch für das kommende Jahr sei es nahezu unmöglich, einen Auftritt zu planen. Wegen der unsicheren Lage steht hinter allen Terminen ein Fragezeichen. „Auch das Drumherum wie Chorfahrten oder Ausflüge muss ausfallen.“ Dennoch sei er froh, dass man sich momentan noch bei den Proben treffe. Das sei für viele Mitglieder wichtig.

Einige Sänger wollen sicherheitshalber gar nicht proben

Gleichzeitig bleiben auch einige Sänger den Proben fern. Sie fürchten die Infektionsgefahr. Einzelne Chöre proben auch gar nicht. Holz will nicht vorhersagen, was das auf Dauer für den Betrieb bedeutet. Einfach sei es jedenfalls nicht. „Wenn man ein Jahr lang gar keinen Betrieb hat, dann kann das schon schwierig werden.“

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