Wenn Parkinson junge Menschen trifft

Die Diagnose Parkinson verändert das Leben der jungen Betroffenen mit einem Schlag.Foto: Lutz von Staegmann / WAZFotoPool

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Arnsberg. Zu jung für Parkinson. Das waren Heike Stachs erste Gedanken, als sie nach einer langen Ärzte-Odyssee vor zweieinhalb Jahren die Diagnose erhielt. „Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, erinnert sich die 45-Jährige, „ich sah mich schon zitternd und hilflos im Rollstuhl sitzen.“

Wie für die meisten jungen Menschen, war die vermeintliche Alterskrankheit Parkinson für die Oeventroperin weit entfernt – auch, als bei ihr ein Zittern im Daumen und ständige Nackensteifigkeit auftraten. Niemals hätte sie daran gedacht, dass es sich bei diesen Symptomen um Parkinson handeln könnte.

Doch die Erkrankung, bei der die Dopamin-produzierenden Nervenzellen im Gehirn zerstört werden, kann jede Altersgruppe treffen. So sind etwa zehn Prozent der Betroffenen bei der Diagnosestellung unter 40 Jahre alt. Heilbar ist die Krankheit bisher nicht, nur die Symptome können behandelt werden. „Warum ich erkrankt bin, kann man nicht genau sagen“, erzählt Heike Stach, „Parkinson kann erb­lich bedingt sein, aber auch durch Stress ausgelöst werden.“

Die Diagnosestellung Parkinson hat das ganze Leben der Oeventroperin mit einem Schlag um 360 Grad gewandelt. Früher war Heike Stach sehr gesellig, ging gerne tanzen und war beruflich viel unterwegs. Durch die Krankheit ist sie ruhiger und nachdenklicher geworden. Regelmäßige Medikamenteneinnahme und Besuche bei Physiotherapeuten gehören jetzt zu ihrem Alltag.

Um sich mit anderen Betroffenen in ihrem Alter austauschen zu ­können, hat die zweifache Mutter die erste Selbsthilfegruppe für junge Parkinson-Erkrankte im Hochsauerlandkreis gegründet. „Junge Betroffene befinden sich in einer ganz anderen Lebenssituation als ältere“, erzählt sie, „wir stehen beruflich und privat mitten im Leben, sind körperlich aktiver und haben noch viele Zukunftspläne.“

Neben der medizinischen Aus­einandersetzung mit der Krankheit, ergeben sich für die jungen Betroffenen zusätzliche soziale und wirtschaftliche Probleme. Der Krankheitsverlauf und die Therapie sind beim juvenilen Parkinson ebenfalls anders als beim Alters-Parkinson.

„Die Diagnose hat viele Fragen und Ängste aufgeworfen“, so Heike Stach, „ich wusste nicht, wie mein Arbeitgeber auf die Nachricht reagieren würde und auch nicht, ob mein Mann weiter zu mir stehen würde“. Im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankten hatte Heike Stach in beiderlei Hinsicht Glück. Nicht nur seitens ihrer Familie bekommt sie die für sie wichtige Unterstützung, auch ihr Arbeitgeber reagierte verständnisvoll. Obwohl die gelernte Altenpflegerin ihre Arbeitszeit stark reduzieren musste, mehr Pausen braucht und krankheitsbedingt öfter fehlt, hat sie trotz der Diagnose einen unbefristeten Arbeitsvertrag erhalten.

„Das scheint nicht die Regel zu sein “, berichtet Heike Stach, „andere in der Selbsthilfegruppe hatten große Schwierigkeiten im Beruf und wurden von Kollegen oder Vorgesetzten gemobbt.“

Schwierigkeiten im Alltag

Dass bei vielen Menschen aus Unwissenheit über die Parkinson-Erkrankung Vorurteile entstehen, erlebt die 45-Jährige in ihrem Alltag sehr häufig. So wurden das Zittern ihrer Hände oder ein schlurfender Gang von Außenstehenden schon oft als Anzeichen von Alkoholismus interpretiert. „An der Supermarktkasse öffentlich als Alkoholikerin beschimpft zu werden, weil ich das Geld nicht schnell genug aus meinem Portemonnaie nehmen kann, ist extrem verletzend. Nach solchen Vorfällen möchte man am liebsten nicht mehr aus dem Haus gehen“, so Heike Stach. Trotz dieser manchmal sehr belastenden Situationen versucht die Oeventroperin sich von der Krankheit nicht unterkriegen zu lassen. „Positiv zu denken gelingt mir mal mehr, mal weniger – es ist tagesformabhängig“, erzählt sie, „aber ich war schon immer eine Kämpfernatur“. Heike Stach kämpft jeden Tag gegen die Krankheit an, ist sportlich aktiv und setzt sich neue Ziele für die Zukunft.

Mit der Gründung der Selbsthilfegruppe hat sie sich schon einen Traum erfüllt. „Es liegt mir am Herzen, die Lebensqualität von uns jungen Parkinson-Erkrankten durch den gegenseitigen Austausch und Hilfe zur Selbsthilfe zu verbessern.“

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