Kirche

Wohlgemuth-Abschied: „Chaotische Zeiten“ befürchtet

Norbert Wohlgemuth (Mitte) hat sein Priesteramt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Das bedeutet unruhige Zeiten für die Fröndenberger Katholiken.

Norbert Wohlgemuth (Mitte) hat sein Priesteramt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Das bedeutet unruhige Zeiten für die Fröndenberger Katholiken.

Foto: Archiv/ Martina Dinslage

Fröndenberg.  Der Rückzug von Pfarrer Norbert Wohlgemuth trifft die Fröndenberger Pfarrgemeinde schwer. Manche befürchten sogar „chaotische Zeiten“.

Der plötzliche Abschied von Pfarrer Norbert Wohlgemuth hat nicht nur die Messbesucher unerwartet getroffen, sondern auch den Pfarrgemeinderat.

Lob vom Fröndenberger Pfarrgemeinderat

„Die meisten wissen es vermutlich noch nicht“, sagt der Vorsitzende des Fröndenberger Pfarrgemeinderates Sebastian Drywa auf WP-Anfrage. Die Besucher seien am Sonntag „aus allen Wolken gefallen“, als Wohlgemuth seinen sofortigen Abschied bekannt gab. Dabei lobt Drywa den Pfarrer, der gerne auch „neue Wege gegangen ist“.

Zusammen mit dem Pfarrgemeinderat habe sich Wohlgemuth darauf verständigt, einige neue Aspekte in der St.-Marien-Gemeinde umzusetzen. Dazu zählt, sagt Drywa, vor allem jedes Jahr ein Schwerpunktthema zu setzen. Allerdings sei in vielen Absprachen zwischen den verschiedenen Gremien „einiges auf der Strecke geblieben“. Ähnlich wie es Wohlgemuth in seiner Rede am Sonntagmittag erklärte, solle auch die Arbeit in der Gemeinde wieder praktischer werden, näher an die Lebenswirklichkeit der Menschen rücken und nicht still stehen. „Die Kirche als Institution verliert stetig an sozialer Plausibilität, der Relevanzverlust ist fast täglich spürbar“, prangerte Wohlgemuth an. Auch deshalb sollte der Pfarrgemeinderat in Zukunft eigentlich mehr sein als bloß ein Verwaltungsgremium.

Junge Leute zurück in die Kirche holen

Ausdrücklich lobende Worte findet Drywa für Wohlgemuths Jugendarbeit, die sich der Pfarrer schon vor seinem Amtsantritt im Februar 2017 auf die Fahnen schrieb. „Die Messdienerarbeit ist wieder mehr geworden. Einige von ihnen haben am Sonntag sogar weinen müssen“, berichtet Drywa. Wohlgemuth habe versucht, junge Leute für die Kirche zu begeistern – mit Erfolg.

Allerdings birgt der Rückzug Wohlgemuths auch Gefahren für die katholischen Christen der Ruhrstadt. Denn von ehemals drei Seelsorgern ist nur noch einer – nach dem Rückzug von Georg Toborek – im Amt. „Wir wissen noch gar nicht, wie es weiter geht“, erklärt der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Denn Ende 2019 soll Fröndenberg eigentlich Teil des Pastoralen Raums werden. Offiziell sollte die nächste Pfarrgemeinderatssitzung im September stattfinden. Drywa geht allerdings davon aus, dass dies nun deutlich früher der Fall sein wird.

Übergang noch fraglich

Hinzu kommt, dass Drywa mit Ausfällen bei den heiligen Messen rechnet: „Das reißt ein riesiges Loch in die Messordnung.“ Zwar habe es bereits Vorbereitungen auf gewisse Szenarien gegeben nach dem Abschied von Georg Toborek. Da nun aber auf einen Schlag zwei Pastöre ausfallen, könnten die Messen in Teilen mit Wortgottesfeiern ersetzt werden müssen, „damit wenigstens irgendetwas stattfindet und die Kirche nicht zu bleibt“. Ob Paul Mandelkow, Wohlgemuths Vorgänger und ab Ende 2019 Leiter des Pastoralen Raums, die Leitung der Fröndenberger Christen kommissarisch übernehmen wird, stehe indes noch nicht fest. Mandelkow befindet sich derzeit im Urlaub. Er sei zwar informiert, eine Entscheidung stehe aber noch aus. Drywa bringt die nun bevorstehende Zeit auf den Punkt: „Es wird erst einmal chaotisch.“

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