Menden.

Zum „Großen Dinggang“ in Menden war es ein sehr langer Weg

Janine Bauer mit dem Dinggang-Mobil der Stadtwerke Menden auf Zustelltour zu den Juroren, hier an der Loreley. Stets wurde Bauer von furchterregenden Bodyguards abgeschirmt. Die getroffene Auswahl der lustigsten Reime ist im Scaramouche am 24. Mai (öffentliche Jurysitzung) und am 25. Mai (Wettbewerb, Preisverleihung, Fest) zu erleben.

Janine Bauer mit dem Dinggang-Mobil der Stadtwerke Menden auf Zustelltour zu den Juroren, hier an der Loreley. Stets wurde Bauer von furchterregenden Bodyguards abgeschirmt. Die getroffene Auswahl der lustigsten Reime ist im Scaramouche am 24. Mai (öffentliche Jurysitzung) und am 25. Mai (Wettbewerb, Preisverleihung, Fest) zu erleben.

Foto: Katastrophen-Kultur

Menden.   Unter enormen Sicherheitsvorkehrungen bereitet die Katastrophen-Kultur ihren einzigartigen Preis für lustige Reime vor. Noch gibt’s Karten.

Am Freitag und am Samstag kann „Der Große Dinggang“ mit Jury-Sitzung und Wettbewerb im Scaramouche seinen Lauf nehmen. Und das nicht zuletzt, weil die Initiatoren vorab selbst lange Wege gingen. So war es für die Kulturkatastrophe Janine Bauer eine Frage der Ehre, den hochmögenden Juroren alle Wettbewerbsbeiträge der 258 Autoren persönlich zuzustellen. Je 2152 Seiten an Komischer Lyrik hatte dann jede(r) anonymisiert zu bewerten, darunter wertvollste Perlen der Dichtkunst. Da wird auch dem Dümmsten klar, warum umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen zu treffen und haarklein zu dokumentieren waren.

Furchterregendes Sicherheitspersonal

So hatte die Mendener Katastrophen-Kultur für sämtliche Kurierfahrten, die nach Karlsruhe, Aschaffenburg, Hamburg und sogar nach Menden führten, furchterregendes Sicherheitspersonal aufgeboten. Das ist auf beistehendem Foto ebenso klar zu erkennen wie Janine Bauer, die auch den hanseatischen Literatur-Koffer selbstverständlich an rosa Handschellen befestigte, um ihn im Falle eines Überfalles mit Leib und Leben verteidigen zu können.

Natürlich nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Sicherheitsmann, der Bauers Mitstreiter Peter P. Neuhaus erstaunlich ähnlich sieht, von militanten Feinden komischer Lyrik überwältigt würde.

Crème de la Créme des Who’s Who

Aber: „Es ist gutgegangen“, berichtet der wahre Neuhaus in Menden – sichtlich froh, Bauer unversehrt wieder an Bord zu haben. Und so konnten Corinna Stegemann (früher TAZ-Wahrheit-Seite), Christian Maintz (Autor, Herausgeber, Dozent), Thomas Gsella (einst Titanic-Chefredakteur) und Peter P. Neuhaus (Autor, Theatermacher) jeweils 2152 Seiten voller lustiger Gedichte studieren. Die gefilmte Safety-Phase soll am Freitag zu den Einspielern zählen, wenn es in der öffentlichen Jurysitzung um die Qual der Auswahl geht.

Horrorzahnarzt Hopfengärtner

Auch wenn die Juroren beim Lesen keine Autorennamen kannten: Was sie am Ende herausfilterten, liest sich wie das Who’s Who aus der Crème de la Crème der Oberschichten-Elite in der Hautevolée der Satire. So ist Moritz Hürtgen dabei, Chefredakteur der Titanic und mithin einer der Nachfolger Gsellas. Dazu gsellt sich Ingo Neumayer, Chefredakteur des Musikmagazins „Visions“, Stefan Pölt, der es als Autodidakt schon ins Finale der Dinggang-Premiere 2017 schaffte, ebenso wie der Germanist und Historiker Philip Saß. Carsten Stephan machte sich mit abgefahrenen Sherlock-Holmes-Gedichten einen Namen, verbreitet sich aber gelegentlich auch über den Horrorzahnarzt Hopfengärtner.

Publikum zahlt Preisgeld nicht selbst

Während die öffentliche Jurysitzung am nächsten Freitag ab 20.30 Uhr einen Talk und eine Lesung vorsieht, steht am Samstag zu gleicher Uhrzeit die Entscheidung an: mit Lesung, großer Siegerehrung, dem Jurypreis (1000 Euro) und dem Publikumspreis. Die 500 Euro, die es dabei zu gewinnen gibt, muss das Publikum immerhin nicht selbst aufbringen. Es reicht, sich ein Ticket für einen oder beide Abende zu besorgen. Die kosten pro Karte: 16 Euro. Und es gehört wohl zu den besonderen der vielen Mendener Besonderheiten, dass es für eine Veranstaltung, die in Köln oder Hamburg in großen Sälen binnen Minuten ausverkauft wäre, hierorts noch wenige Tage vorher Karten für ein Zimmertheater gibt.

Dennoch gilt: Wer sich ein unvergessliches Erlebnis bescheren will, sollte rasch den Vorverkauf nutzen. Allzu viele Kontingente sind auch nicht mehr zu haben.

Aber wo sind die Frauen?

Juror Neuhaus gerät indes über eine Frage tatsächlich ins Grübeln, jetzt, da es zu spät ist: Warum hat es keine Frau in die Endauswahl geschafft? „Vielleicht fehlt da etwas die Aggressivität in den Schmähungen – ich weiß es nicht“, gesteht der Mendener. Doch auch das soll am ersten Abend ein Thema sein: „Wo sind die komischen Frauen geblieben?“ Es gibt sie noch, beruhigt Neuhaus alle genderkorrekten Leserinnen und Leser.

Nur den Großen Dinggang, den holen sie halt nicht.

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