Zeidlerei

22-Jähriger setzt sich für „Auswilderung“ der Honigbiene ein

Adam Schmieding aus Schederberge baut Klotzbeuten. Ziel der Zeidlerei ist die Auswilderung der Honigbiene.

Adam Schmieding aus Schederberge baut Klotzbeuten. Ziel der Zeidlerei ist die Auswilderung der Honigbiene.

Foto: Privat

Schederberge/Paderborn.  Adam Schmieding, Forstwirt aus Schederberge, baut Klotzbeuten und setzt sich für Honigbienen ein. Eine Reise nach Russland änderte seinen Blick.

Adam Schmieding hatte mit Bienen nicht viel am Hut. Eine Reise nach Weißrussland in die Wildnis des Naliboki-Naturschutzgebietes hat die Sicht des 22-Jährigen auf die Welt aber verändert. Der gelernte Forstwirt aus Schederberge machte sich mit dem alten Handwerk der Zeidlerei vertraut, baut jetzt Klotzbeuten und setzt sich für die „Auswilderung“ der Honigbiene ein. Auch der Blick auf seinen Beruf hat sich gewandelt.

Was macht denn ein Zeidler?

Adam Schmieding: Die Zeidlerei ist ein uraltes Handwerk und stammt ursprünglich aus Russland. Im Mittelalter ging es dabei um das gewerbsmäßige Sammeln von Honig und Wachs - wertvolle Rohstoffe. Ausgehöhlte Baumabschnitte und Höhlen in Baumstämmen dienten dabei als natürlicher Lebensraum der Honigbiene. Und so ist es im Grunde auch heute noch. Der Zeidler baut Klotzbeuten und hängt sie in Bäumen auf.

Was ist der Unterschied zwischen Zeidlerei und Imkerei?

Bei der Imkerei geht es um Honigertrag. Die Bienen werden in Kisten, (die oft aus Styropor sind) auf dem Boden stehend gehalten und der Imker kümmert sich um das Volk.

Um den Honigertrag zu steigern gibt es verschiedene Methoden (Königinnenzucht, künstliche Begattung). Bei der Zeidlerei geht es darum, die Biene wieder zurück in den Wald zu bringen, denn ursprünglich hat sie dort mal gelebt.

Und greifen die Zeidler nicht ein?

Die Eingriffe des Menschen sollen auf ein Minimum reduziert werden. So dürfen die Völker frei schwärmen,

ihre Waben selbst bauen, bestimmen wie viele Drohnen sie haben und die Königin behält natürlich ihre Flügel ganz, damit sie unter freiem Himmel begattet werden kann. Der Honig interessiert die heutigen Zeidler in der Regel nicht, den sollen die Bienen selbst behalten.

Die Biene ist eigentlich ein Waldtier. Wir möchten die Bienen wieder in den Wald zurück bringen und die Eingriffe des Menschen in das Volk auf ein Minimum reduzieren.

Die durch den Zeidler kontrollierte „Auswilderung“ der Honigbiene steht im Vordergrund. Von Russland aus ist seit 2010 eine Bewegung nach Westen zu beobachten - die Zeidlerei wird wieder bekannter.

Warum sind Sie nach Weißrussland gereist?

Während der Projekttage an meiner Schule in Paderborn habe ich Sabine Bergmann von der „Sa bienen Imkerei“ auf Schloss Hamborn kennengelernt. Seitdem säge ich Klotzbeuten für sie.

Sie ist mit Zeidlern aus ganz Europa in Kontakt und hat die Reise organisiert. Wir waren im Naliboki-Naturschutzgebiet eine Woche lang Gast des Zeidlers Ivan Mulin. Er hat dort zwei Holzhäuser und die Genehmigung, von dort aus die Zeidlerei zu betreiben.

Wir haben Klotzbeuten gesägt und sie in den Bäumen befestigt, haben aber auch Brücken erneuert und andere Arbeiten erledigt.

Wie haben Sie Weißrussland erlebt?

Es war eine tolle Erfahrung. Keine Reize, kein Konsum, man konnte wirklich zur Ruhe kommen. Wir sind nicht viel herumgekommen.

Aber die Menschen, die wir getroffen haben, waren alle sehr gastfreundlich.

Warum hat diese Reise Sie nachhaltig geprägt?

Ich habe dort ein intaktes Ökosystem mit einer einzigartigen Artenvielfalt erlebt - wie ich es aus Deutschland nicht kannte. Es gab Elche, Bären, Wölfe, Luchse und mehr.

Das hat mich sehr berührt - und auch sensibel für das Thema Naturschutz gemacht. Bisher - auch geprägt durch meine Ausbildung zum Forstwirt - hatte ich immer eine stark wirtschaftliche Perspektive auf den Wald.

Inwiefern hat sich das Verhältnis zu Ihrem Beruf verändert?

Ich sehe den Pestizideinsatz und Monokulturen in der Land- und Forstwirtschaft kritisch. Es gibt natürlich Unternehmer und Privatbesitzer, die mutig und verantwortungsbewusst sind - und bereits Alternativen nutzen. Wir müssen unsere Normen und Werte in Frage stellen, damit wir unserer Entwicklung nicht selbst ein Bein stellen.

Es gibt schon jetzt viel weniger Insekten als noch vor einigen Jahren. Die Biodiversität ist aus meiner Sicht in Gefahr.

>>>> INFO: Behausung für Honigbienen

Eine Klotzbeute ist eine natürliche Behausung für Honigbienen. Dazu wird ein 80 bis 100 Zentimeter langes Loch, etwa 30 Zentimeter tief in einen Stammabschnitt gehauen.

Verschlossen wird dieses mit einem Brett, eine kleine Öffnung bleibt.

Voraussetzung ist der Umgang mit der Motorsäge sowie das richtige Werkzeug.

Klotzbeuten sollten professionell von Baumpflegern/kletterern in Bäumen gehangen werden, können aber auch am Boden stehen.

Die natürliche und bevorzugte Höhe für die Honigbiene liegt bei etwa dreizehn Metern. Das dient auch als Schutz vor Fressfeinden.

Ist ein Baum stark genug, kann man ein solches Loch auch in einen lebenden Baum hauen. Weitere Informationen auch unter: www.sabienenimkerei.de.

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