Gastronomie

Abschied: Velmeder Eiscafé „SchokoVanille“ macht dicht

Der 52-jährige Jörg Hartmann hinterm Tresen seines Eiscafés „SchokoVanille“ in Velmede. Es ist seine letzte Saison als Inhaber. Aktuell sucht er einen Nachfolger.

Der 52-jährige Jörg Hartmann hinterm Tresen seines Eiscafés „SchokoVanille“ in Velmede. Es ist seine letzte Saison als Inhaber. Aktuell sucht er einen Nachfolger.

Foto: Frank Selter

Velmede.  Jörg Hartmann sucht für sein Eiscafé „SchokoVanille“ in Velmede einen Nachfolger. Am 27. September endet dort leider nicht nur die Saison.


Das Eiscafé „SchokoVanille“ an der Bundesstraße in Velmede sucht einen Nachfolger. Bis Sonntag, 27. September, läuft der Betrieb noch weiter wie gewohnt. Dann endet für Inhaber Jörg Hartmann nicht nur die Saison, sondern ein legendäres Kapitel in der Familiengeschichte. Immerhin gehört sein Eiscafé zu den beliebtesten in der Region.

„Ich habe mich für ein Spießerleben entschieden“, sagt der 52-Jährige und lacht. Zu dem „Spießerleben“ wird künftig ein Bürojob im Münsterland gehören. Kein Eis! Keine Hörnchen! Kein Latte macchiato! Keine Gastronomie! Dafür aber wieder geregelte Arbeitszeiten und freie Wochenenden! „Ich freue mich wirklich auf die Zukunft“, sagt Hartmann.

Als klar gewesen sei, dass das Eiscafé nicht in die nächste Generation übergehen werde, habe er beschlossen, neue Wege zu gehen. Er könne die Entscheidung seiner Tochter aber voll verstehen.

Ohne, dass man sich gegenseitig den Rücken frei halte, sei es kaum machbar die Eisdiele so erfolgreich zu führen, wie es in der Vergangenheit der Fall gewesen sei. „Wir waren hier alle ein eingespieltes Team und das ist enorm wichtig“, sagt Hartmann. Bis zum 27. September wird der Betrieb des „SchokoVanille“ wie gewohnt weiterlaufen. Ob und mit wem die nächste Sommersaison starten wird, ist noch unklar.

Erste Interessenten

Sechs Interessenten haben sich bereits gemeldet. „Darunter sind durchaus welche, bei denen ich mir vorstellen könnte, dass das etwas werden könnte“, sagt Hartmann. Momentan sei er zuversichtlich, dass es im Sommer 2021 mit einem neuen Betreiber weitergehen werde. Weil ihm die Zukunft des „SchokoVanille“ sehr am Herzen liege, sei für ihn eine Einarbeitung und die Übergabe der Firmengeheimnisse selbstverständlich. „Daher ist eine Übernahme auch für Branchenfremde kein Problem“, betont Hartmann. Der Servicegedanke und die Freude am Umgang mit Menschen in Verbindung mit Qualitätsanspruch nennt er als Erfolgsrezept.

Gerade den Umgang mit den Kunden hat auch Hartmann immer sehr genossen. „Ich habe es geliebt, ein nettes Produkt anzubieten, mit dem wir die Menschen glücklich machen konnten“, sagt er. Der 52-Jährige ist gelernter Bankkaufmann. Bereits während seiner Zeit bei der Sparkasse war er an Wochenenden parallel mit seinem Eiswagen nebenbei auf Großveranstaltungen in Deutschland unterwegs.

„Ich bin quasi mit Eis groß geworden“, sagt er. „Mein Großonkel und meine Großtante hatten eine Eisdiele in Thüringen, in der mein Vater schon 1951 Eis gemacht hat. Nach einem Jahr mit seinem Eismobil, entschied sich Jörg Hartmann, den Sparkassen-Job an den Nagel zu hängen und machte sich Ende der 90er mit dem Eiscafé „SchokoVanille“ selbstständig.

Nach den Anfängen in einem Doppelcontainer an der B 7 neben der Velmeder Schützenhalle baute er 2009 an der Stelle ein richtiges Gebäude. Zusammen mit der Außenterrasse ist dort Platz für knapp 180 Gäste. Seit 1999 hat er noch eine weitere Filiale in Gensingen in Rheinland-Pfalz.

Hartmann hat es in dieser Zeit sogar geschafft, mit seinem „SchokoVanille“ für bundesweite Schlagzeilen zu sorgen. Als er 2018 gemeinsam mit seiner Tochter Steffi an einem Tisch auf der Außenterrasse die Eissorte Energy-Jägermeister erfand, hatten die beiden nicht ahnen können, welchen Hype sie damit auslösen würden: bundesweite Schlagzeilen, Anfragen von Fernsehsendern und eine Internetgemeinde, die diese Kreation bis heute feiert.

Corona-Krise gut gemeistert

Dabei war das aus ihrer Sicht keineswegs die beste Sorte, die sie in der Geschichte ihres Eiscafés erfunden haben: Das Herrencreme-Eis mit Rum und Schokostückchen sei deutlich kreativer gewesen und das Brokkoli-Eis deutlich ungewöhnlicher. Hartmann hat die Freiheit, als Inhaber sein eigenes Ding machen zu können, immer genossen. „Das ist das, was uns von vielen großen Eisdielen unterschieden hat, die oft vorgegeben bekommen, was sie zu verkaufen haben.“

Und selbst die Corona-Krise hat Hartmann mit seinem „SchokoVanille“ gemeistert. Natürlich habe man Einbußen gehabt, sagt er. Dank einer genialen Corona-Idee sei aber auch in Corona-Zeiten der geschäftliche Erfolg nicht ausgeblieben. Als das Eiscafé wie alle anderen schließen musste, hatte Hartmann kurzerhand einen „Drive-in-Schalter“ eingerichtet, an dem die Kunden aus dem Auto heraus ihr Eis bestellen konnten.

  • Wer Interesse daran hat, das Eiscafé „SchokoVanille“ zu übernehmen, kann sich per Mail an schova@gmx.de bei Jörg Hartmann melden.
  • Eine Einarbeitung und die Übergabe der Firmengeheimnisse sind für Inhaber Jörg Hartmann selbstverständlich. Damit wäre die Übernahme auch für Branchenfremde möglich.
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