Psychologie

„Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit“

Persönliche Krisen und Zeiten, in denen die Psyche viel verkraften muss, kennt wohl jeder. Allerdings unterscheiden sich Menschen deutlich in ihrer Fähigkeit, damit umzugehen.

Persönliche Krisen und Zeiten, in denen die Psyche viel verkraften muss, kennt wohl jeder. Allerdings unterscheiden sich Menschen deutlich in ihrer Fähigkeit, damit umzugehen.

Foto: IMAGO

Schmallenberg.   Eine Heilpädagogin erklärt, wie Menschen den Krisen in ihrem Leben mit psychischer Stärke begegnen.

Einige Menschen können persönliche Lebenskrisen nur schwer verkraften, andere blicken schnell wieder nach vorne. Trauerbegleiterin, Heilpädagogin und Krankenschwester Heike Heckmann erklärt, was diese Menschen unterscheidet.

Was ist Resilienz?

Heike Heckmann: Resilienz wird wörtlich mit ,Elastizität’ übersetzt und bezeichnet damit die Widerstandskraft eines Menschen. Schon in den 70er-Jahren haben Forscher einige hundert Kinder untersucht und sich die Frage gestellt, wie das soziale Umfeld und die Bedingungen, mit denen sie aufwachsen, sie zu beeinflussen scheinen. Dabei konnten die Forscher feststellen, dass auch Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwuchsen, positiv und psychisch stabil daraus hervorgehen konnten.

Wenn also nicht nur die Umwelt entscheidend ist, was macht diese Menschen dann so stark?

In der Resilienztheorie werden dazu sieben Säulen besonders in den Fokus gerückt, bestehend aus drei Grundhaltungen, mit denen resiliente Menschen den Lebenskrisen gegenübertreten: Sie sind optimistisch, sie akzeptieren, was ihnen widerfährt und suchen aktiv nach Lösungen zur Bewältigung der Krise. Außerdem besitzen sie vier weitere Fähigkeiten zur Widerstandsfähigkeit: Sie vermögen ihre eigenen Emotionen selbst zu regulieren, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, Beziehungen zu ihren Mitmenschen bewusst zu gestalten in der Gewissheit, ihre eigene Lebenswirklichkeit und damit ihre Zukunft zielorientiert beeinflussen zu können.

Lässt sich im Laufe des Lebens noch an der eigenen Widerstandsfähigkeit arbeiten?

Ja – viele Menschen kommen sogar erst durch das Erleben einer tiefen Krise bei sich selbst an und werden sich in dieser ihrer eigenen Stärken und Ressourcen bewusst. Die Akzeptanz der eigenen Persönlichkeit lässt Lebensziele realistisch erkennen und entwickeln.

Was hat das mit Spiritualität zu tun?

Spiritualität fragt in diesem Zusammenhang nach dem Sinn und den Werten des Lebens, zum Beispiel beim Verlust eines geliebten Menschen. Sie sucht nach der ,Transzendenz’ und widmet sich der Frage nach ,Göttlichkeit’.

Welche Rolle spielen diese Themen in ihrem Berufsleben?

Ich arbeite schwerpunktmäßig mit demenzkranken, alten und sterbenden Menschen und bilde unter anderem selbst ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeiter aus. Die Begleitung von Menschen in Zeiten von Lebenskrisen und Trauer ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben innerhalb meines Tätigkeitsfeldes, doch gleichzeitig auch die erfüllendste. Das ,Loslassen können’ spielt in diesem Kontext eine bedeutende Rolle und ich habe festgestellt, dass diejenigen am besten loslassen können, die darauf vertrauen, dass es ein Leben nach dem Tod, also etwas ,Transzendentes’, gibt.

Wie halten sie es aus, mit so vielen Schicksalsschlägen konfrontiert zu sein?

Es gehört zum einen die intensive eigene Reflexion und Verarbeitung des Erlebten dazu, sowie nicht zuletzt das Suchen nach Ausgleichsmöglichkeiten in meiner Freizeit. Dazu gehört zum einen der wertschätzende, mir zugewandte Austausch mit Menschen, zum anderen aber auch das Wandern in der Natur und das Musizieren und Singen.

Inwiefern hat sich diese Einstellung bisher geändert?

Ich habe den Eindruck, dass ich mir selbst durch die vielen menschlichen Begleitungen immer näher kommen konnte. Am Anfang meines Berufslebens schien mich das Erleben von menschlichem Leid völlig zu erdrücken. Ich suchte nach Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und traf auf eine 96-jährige Bewohnerin des Seniorenzentrums, die mir den bewegenden Satz sagte, dass der Sinn des Lebens darin bestünde, sich auf den Himmel vorzubereiten. Dieser Gedanke gibt mir seitdem Halt für mein Leben und lässt mich auf eine Kraft bauen, die höher ist, als all unsere menschliche Vernunft. Ich nenne sie Gott und damit Liebe.

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