Meschede-Center

Am Ende fehlt das Vertrauen

Der Spott über das Meschede-Center war in der Vergangenheit auch am Bauzaun zu beobachten – hier mit einer Persiflage des berühmten Mauer-Zitats

Der Spott über das Meschede-Center war in der Vergangenheit auch am Bauzaun zu beobachten – hier mit einer Persiflage des berühmten Mauer-Zitats

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Der Insolvenzverwalter hat beim Meschede-Center die Reißleine gezogen: „Wir konnten nicht mehr davon ausgehen, dass der Kaufpreis entrichtet wird“, so der Bevollmächtigte Sebastian Mogos-Lindemann.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Fehlendes Vertrauen - deshalb hat der Insolvenzverwalter beim Projekt Meschede-Center die Reißleine gezogen und die Verträge mit der Firma Bövingloh gekündigt. „Wir konnten nicht mehr davon ausgehen, dass der Kaufpreis entrichtet wird“, sagte Sebastian Mogos-Lindemann. Er ist Bevollmächtigter des Insolvenzverwalters und kümmert sich um die Vermarktung ehemaliger Hertie-Immobilien.

Seit Jahren sei der Kaufpreis fällig gewesen. Jetzt soll die leer stehende Immobilie wieder aktiv vermarktet werden. Deshalb sei notwendig gewesen, die Verträge mit Bövingloh aufzulösen. „Wir können ja nicht kommunizieren, dass das Objekt vertraglich noch gebunden ist.“ Nach Angaben von Mogos-Lindemann gibt es den ein oder anderen Interessenten, auch die Stadt Meschede bestätigte, dass es erst vor kurzem einen ersten lockeren Kontakt mit jemandem gegeben habe.

Die Pläne von Hubert Bövingloh sind nach Informationen unserer Zeitung letztlich daran gescheitert, dass er immer wieder nachbessern musste und dennoch nicht die Auflagen seiner Geldgeber erfüllen konnte. Zuletzt hatte sich auch noch der Elektro-Markt zurückgezogen, der fest vorgesehen war: Niemand wollte das Geschäft als Franchise-Nehmer betreiben, am Ende war es daraufhin der Insolvenzverwalter, der einen Schlussstrich zog.

CDU: Neue Möglichkeiten

Marcel Spork, Fraktionschef der CDU, ist weiterhin der Überzeugung, dass in Meschede ein Bedarf für ein Einkaufscenter besteht. „Die Situation jetzt eröffnet neue Möglichkeiten. Wir werden die Tür weit aufhalten für neue Investoren“, erklärte er. Mit Blick auf Bövingloh sagte Spork: Es sei nicht glücklich gewesen, immer wieder neue Termine zu nennen und vergeblich Optimismus verbreitet zu haben. Dennoch sei auch er weiterhin als Partner willkommen.

SPD: Scheitern angemahnt

Bestätigt fühlt sich Jürgen Lipke (SPD), der als Bürgermeisterkandidat im Wahlkampf einen Plan B im Falle eines Scheiterns der Bövingloh-Pläne angemahnt hatte: „Wir müssen uns jetzt dringend nach alternativen Modellen umtun.“ Auch die heimische Wirtschaft sollte dafür angesprochen werden. Klar vorgegeben werden müssten in künftigen Verträgen der Zeitrahmen zur Umsetzung und Ausstiegsklauseln. Für Investitionen der Stadt in die Stadthalle und die Tiefgarage sei jetzt der falsche Zeitpunkt, „wenn wir nicht wissen, wie es mit der Kern-Immobilie weitergeht“. Einen endgültigen Schlussstrich in der Zusammenarbeit mit Bövingloh will Lipke zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.

UWG: Bövingloh kein Partner mehr

Bisher gab es keine Gelegenheit, einen Plan B zu entwickeln, weil die Stadt an die Verträge mit Bövingloh gebunden gewesen sei, erinnert Maria Gödde-Rötzmeier (UWG): Die Kooperation des damaligen Bürgermeisters Uli Hess, der Anwaltskanzlei der Stadt und des Investors Bövingloh hätte einen Plan B blockiert – „wie Denkverbote“. Die Haltung sei gewesen, „Augen zu und durch, es muss jetzt klappen“. Die Verträge zur Stadthalle und zur Tiefgarage seien auf Bövingloh maßgeschneidert gewesen: „Da muss man noch mal dran.“ Jetzt sei die Stadt und ihre Wirtschaftsförderung gefragt. Eine weitere Zusammenarbeit mit Bövingloh schließt Gödde-Rötzmeier aus: „Der hat fünf Jahre alle Chancen gehabt. Es ist ihm alles mundgerecht geliefert worden. Er ist für mich kein Partner mehr.“

FDP: „Verarscht“

Ingrid Völcker (FDP) muss überlegen, um ihre Enttäuschung über Hubert Bövingloh nicht zu drastisch ausfallen zu lassen – sie fühle sich „verarscht“, sagt sie letztlich frank und frei: „Als Kaufmann kann ich nicht so vorgehen. Da muss ich doch mit Unwägbarkeiten im Laufe des Prozesses rechnen und darauf reagieren können.“ Die Stadt dürfe nicht mehr mit Bövingloh zusammenarbeiten: „Ohne mich, mit dem Menschen nicht mehr.“ Grundsätzlich müsse jetzt auch über den Betrieb von Stadthalle und Tiefgarage neu diskutiert werden: „Das muss jetzt alles wieder auf den Tisch.“ Zumindest nötige Reparaturen sollten jetzt schon getätigt werden, um einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten: „Wir brauchen doch die Parkplätze an dieser Stelle.“

Grüne: Vertrauen verspielt

Auch Mechthild Thoridt (Grüne) lehnt Bövingloh als Partner ab: „Die Zusammenarbeit hat sich erledigt. Er hat das Vertrauen total verspielt.“ Jetzt müsse über einen Plan B nachgedacht werden: Sie hofft dabei auch auf ein Engagement Mescheder Unternehmen. Für Stadthalle und Tiefgarage müsse „sehr ruhig“ ein Konzept entwickelt werden: Derzeit sei es dafür zu früh.

MBZ: Nach Arnsberg schauen

Lutz Wendland (MBZ) ist wenig überrascht über die Entwicklung. Sein Wunsch: Auf dem kleinen Dienstweg beispielsweise mal nach Arnsberg schauen und mit den Verantwortlichen dort in Kontakt treten, die zügig das Brückencenter umgestalten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben