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Justiz

Angreifer forderte „bisschen Respekt“ von Zugbegleiterin

Bei der Fahrkartenkontrolle auf der Oberen Ruhrtalbahn zwischen Freienohl und Oeventrop ereignete sich der Angriff auf eine Zugbegleiterin.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Der Angreifer auf eine Zugbegleiterin bei Meschede ist wegen „machohaftem Verhalten“ schon vorher aufgefallen. Das wurde vor Gericht bekannt.

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Nach dem Angriff auf eine Zugbegleiterin zwischen Meschede und Freienohl muss ein 19 Jahre alter Fahrgast 1200 Euro als Geldstrafe bezahlen. Das Amtsgericht Meschede verurteilte ihn wegen Körperverletzung. Jugendrichterin Mareike Vogt sprach von einem „wirklich brutalen Angriff aus einem nichtigen Anlass“.

Beim zweiten Prozesstag wurden neue Details bekannt: Der Flüchtling aus Afghanistan war wegen „machohaften Gehabes“ auch schon aus seiner Wohngruppe herausgeflogen.

„Eine bloße Schutzbehauptung“

Am ersten Prozesstag hatte er, wie berichtet, der Zugbegleiterin die Schuld gegeben, die ihn bei der Fahrkartenkontrolle angeblich festgehalten habe und er sich nur befreien wollte: „Es ist eine Schande für einen Mann, dass eine Frau ihn festhält“, sagte er aus.

Staatsanwalt Henning Michels nannte den angeblichen Angriff der Frau in seinem Plädoyer „lebensfremd“ und „eine bloße Schutzbehauptung“ des Mannes: Es wäre doch eine „Kamikaze-Aktion“, wenn eine Frau einen jungen Mann angehen würde, der in Begleitung einer ganzen Gruppe war.

Zuvor hatte das Opfer, die 54 Jahre alte Zugbegleiterin, ausgesagt. Die Gruppe von sechs Flüchtlingen war im März in Meschede zugestiegen. Bei der Fahrkartenkontrolle hätten fünf ihre Tickets und die Ausweise in der Hand gehabt – nur der 19-Jährige habe „sich etwas zögerlich verhalten“. Bei seiner Fahrkarte habe sie gesehen, dass der Name darauf durchgestrichen und ein anderer eingetragen worden war. Sie habe gesagt: „Da stimmt aber etwas nicht!“

Keiner aus der Gruppe hilft der Frau

Der 19-Jährige entgegnete: „Bisschen Respekt, bitte!“ Die Fahrkarte wollte sie ihm nicht wiedergeben: Die Zugbegleiter sind von der Bahn angehalten, gefälschte Fahrkarten als Beweis einzubehalten. Daraufhin baute sich der Mann „ganz, ganz nahe vor meinem Gesicht auf und sagte wieder: Bisschen Respekt, bitte!“

Um die Fahrkarte wiederzubekommen, nahm er die Frau in den Schwitzkasten, packte ihren Pferdeschwanz, drückte sie auf eine Sitzbank und zog so lange an ihren Fingern, bis sie die Karte losließ. Der Mann habe die Karte dann aus dem Fenster geworfen: „Die anderen standen schön herum und machten gar nichts.“ Erst ein anderer Fahrgast, der mit der Gruppe nichts zu tun hatte, griff ein.

Die Zugbegleiterin drückte ihren Notknopf, der Zugführer hielt in Freienohl, wo der Täter flüchtete. Der 19-Jährige bestritt erneut diese Darstellung: „Das ist alles nicht wahr.“

Bis heute gesundheitliche Probleme

Die Frau war zweieinhalb Wochen krank geschrieben, eine Sehne war angerissen, zwei Halswirbel ausgerenkt. Bis heute habe sie Probleme, sagte sie: von Kopfschmerzen über Migräne bis zu Angstzuständen und Alpträumen.

Der 19-Jährige war bislang nicht vorbestraft. Bekannt wurde über ihn, dass er vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen war: Im Januar 2016 war er, wegen seines Alters, durch das Jugendamt in Obhut genommen worden. Er kam in eine Wohngruppe – die er aber wechseln musste: In einer Einschätzung der Behörden wird er als „wenig anpassungsfähig“„impulsiv“, mit „machohaftem Gehabe“ beschrieben.

>>>HINTERGRUND<<<

Verurteilt wurde der 19-Jährige nicht nach Jugend-, sondern nach dem Erwachsenen-Strafrecht: „Der Angeklagte machte einen reifen, erwachsenen Eindruck“, so Richterin Mareike Vogt in ihrem Urteil.

Staatsanwalt Henning Michels betonte angesichts sich häufender Angriffe auf Zugbegleiter: „Die Justiz ist aufgefordert, ein Signal zu setzen.“

Einspruch gegen das Urteil will der Flüchtling nicht einlegen: „Ich habe keine Lust mehr, das noch mal anzuhören.“

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