Schmallenberg. . Ein Streuner ist seit anderthalb Jahren in Schmallenberger Wäldern unterwegs und erlegt Rehe. Tierschützer appellieren nun an Halter, sich eine Anschaffung von Tieren aus dem Ausland sehr genau zu überlegen.

  • Das ausgesetzte Tier stammt vermutlich aus Südeuropa
  • Die Untere Jagdbehörde hat die Freigabe zum Abschuss gegeben
  • Der Verdacht liegt nahe, dass der Hund sich schon mit Räude oder Staupe infiziert hat

Ein ausgesetzter Hund streift seit anderthalb Jahren durch Schmallenberger Wälder – er hat sogar schon mehrere Rehe gerissen. Trotz vieler Bemühungen kommen Anwohner, Förster, Jäger und Tierschützer nicht an den verwilderten Vierbeiner heran. Deshalb soll der Hund nun erschossen werden, eine Erlaubnis der Unteren Jagdbehörde liegt schon vor.

Abschussfreigabe gegeben

„Sie haben die Abschussfreigabe gegeben – wir machen das nicht gerne, wissen uns aber nicht mehr anders zu helfen“, sagt Hubertus Greißner, Förster und Vorsitzender des Schmallenberger Hegerings. Schon lange beobachten Anwohner und Jäger, wie das Tier durch die Wälder streift. Meist halte der Hund sich zwischen Hundesossen, dem Gleiertal, Bracht und Werntrop auf.

„Anfangs kam man ihm nicht näher als 20 bis 30 Meter, mittlerweile ist er so verwildert, dass er sofort wegläuft, wenn er einen Menschen sieht und ist meist auch nur noch nachts unterwegs ist“, sagt Greißner. Im vergangenen Winter habe ein Landwirt versucht, das Tier anzufüttern, zahmer sei es dadurch aber nicht geworden – es bestehe einfach keine Chance, den Hund einzufangen.

Aufnahmen aus Wildkamera

Eine Wildkamera hat allerdings schon mehrfach Aufnahmen von dem Tier gemacht. „Es ist kein reinrassiger Hund und er hat eine kupierte Rute“, berichtet Greißner. Er habe sich an Tierschützer gewendet, um herauszufinden, ob vielleicht jemand das Tier vermisse – doch Fehlanzeige. Aufgrund des Aussehens tippen die Tierschützer, dass es sich um einen Hund handelt, der aus Südeuropa nach Deutschland geholt wurde.

Vermutlich waren die Besitzer dann aber mit dem Verhalten des Tieres überfordert und haben ihn ausgesetzt. „So einen Hund kann man nicht aufs Sofa legen, der wird kein Schmusehund mehr“, meint Klaus Pehle vom Tierschutzverein Hochsauerlandkreis. „Es gibt Leute, die mit solchen Tieren umgehen können, das müssen aber echte Kenner sein.“ Nachdem er vermutlich ausgesetzt wurde, hat der Schmallenberger Hund sein Verhalten nun dem Leben in freier Natur angepasst – er hat bereits mehrere Rehe erlegt, einmal konnte Greißner ihn sogar dabei beobachten, wie er sich an einer trächtigen Ricke satt fraß. „Er kämpft um sein Überleben, das ist ja klar“, sagt Pehle.

Tier ist eventuell infiziert

Eine Lösung haben aber auch die Tierschützer nicht parat – selbst wenn es jemandem gelänge, das Tier einzufangen, würden sie es nicht im Tierheim unterbringen wollen. „So einen Hund in den Zwinger zu sperren, wäre auch Tierquälerei“, meint Pehle. Zwar könne er als Tierschützer nicht direkt zum Erschießen des Tieres aufrufen – er verhindert es aber auch nicht, weil er keinen anderen Ausweg nennen kann: „Es ist für mich ein unlösbares Problem.“

Die Abschussgenehmigung liegt schon seit rund vier Monaten vor, bisher hat aber kein Jäger das Tier treffen können. Ein Augenzeugenbericht eines Radfahrers aus den vergangenen Tagen deutet laut Greißner ohnehin daraufhin, dass sich das Tier mit Räude oder Staupe infiziert hat – daran würde es über kurz oder lang eingehen.