Grevenstein. Die Brauerei Veltins in Meschede-Grevenstein hat die neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Wie die Higehtech-Anlage funktioniert.

Läuft! Die erste von zwei neuen Flaschenabfüllanlagen bei der Brauerei Veltins ist in Betrieb gegangen und inzwischen in das bestehende Abfüll- und Logistiknetz eingebunden. Frisches Veltins, Grevensteiner und Pülleken laufen hier seitdem abgefüllt vom Band. Mit Anlagentechnik, die für die nächsten Jahrzehnte gedacht ist.

Erste Teile schon vor eineinhalb Jahren geliefert

Aber zurück zum Start: Vor rund eineinhalb Jahren wurden die einzelnen Maschinen und Anlagenteile in Grevenstein angeliefert und in das neue Abfüllgebäude eingebracht. Danach haben Handwerker und Monteure daran gearbeitet, alle Teile präzise zusammenzufügen, damit die Anlage in das bestehende Netz und die Abfüllplanung eingebunden werden kann – aus der leeren Flasche muss schließlich ein verkaufsfähiges, frisches Veltins werden.

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Individuelle Veltins-Anforderungen

So eine Hightech-Abfüllanlage der neuesten Generation besteht dabei aus vielen Maschinen, die alle ineinandergreifen und jeweils aufeinander abgestimmt sind. Geplant und gebaut wurde die Abfüllanlage von der Firma Krones, jedoch sind einzelne Anlagenmodule auch von anderen Herstellern bereitgestellt worden, um ganz individuelle Veltins-Anforderungen erfüllen zu können. Fortschritt und mehr Effizienz dank Technologie, heißt das Motto.

Anlage in Gesamtablauf einbezogen

„Es ist schon eine Herausforderung, eine neue Anlage in ein bestehendes System zu integrieren und in sämtliche Planungen miteinzubeziehen“, sagt Peter Peschmann, technischer Geschäftsführer der Brauerei Veltins. „Die Aufstellung der Anlage allein ist ja längst nicht ausreichend, immerhin muss ein Großteil der Infrastruktur neu gebaut, umgebaut und angepasst werden.“ Doch alle Herausforderungen wurden angenommen und längst gelöst.

Der Entkorker ist eine der ersten Stationen, die die Mehrwegflaschen in der Abfüllanlage passieren müssen.
Der Entkorker ist eine der ersten Stationen, die die Mehrwegflaschen in der Abfüllanlage passieren müssen. © Brauerei Veltins

Laufzeit: weit über zwei Jahrzehnte

Aus mehr als 15 einzelnen Maschinen besteht die neue Abfüllanlage, die zahlreiche Technik-Highlights bereithält und eine Laufzeit von weit über zwei Jahrzehnten haben wird. Mit einer Leistung von 50.000 Flaschen pro Stunde kann die neue Abfüllanlage das gesamte Flaschensortiment der Brauerei Veltins abfüllen, sodass für die Biermischgetränke wie V+ und Radler auch der unerlässliche Pasteur integriert ist. Hinzu kommen Entsicherer und Palettenentlader, Entkorker und Auspacker, Kastenwascher und die Flaschenreinigungsmaschine, Inspektoren zur Kontrolle aller Gebinde, die Transportbänder, Verpackungsmaschinen und Einpacker, Belader, Binder und Palettenetikettierer – und natürlich der Füller, der Verkorker und die Etikettiermaschine.

Im Füller verbinden sich Gebinde und Produkt

„Das Herzstück einer jeden Abfüllanlage ist sicherlich der Füller, denn so vereinigen sich Gebinde und Produkt“, so Peter Peschmann. Die neue Abfüllanlage ist nach einem V-Diagramm aufgebaut. Das heißt, dass alle Maschinen vor und nach dem Füller eine höhere Leistung haben müssen. Dadurch wird ein Puffer vor dem Füller aufgebaut und hinter dem Füller werden die Transporteure schnell leergezogen. Dies verhindert den Stillstand des Füllers als leistungsstarke Leitmaschine innerhalb der Anlage und schafft somit Effizienz.

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CO2 spannt die Flaschen vor und verhindert, dass das Bier schäumt

In Sekundenschnelle laufen die Flaschen also in das Maschinenrondell ein. Mithilfe von CO2 werden die Flaschen „vorgespannt“. Das ist der Garant dafür, dass das Bier nicht mit Sauerstoff in Verbindung kommt und nicht schäumt. Direkt danach wird das Bier mit einem Füllventil in die Flasche gefüllt und anschließend verschlossen. Im Anschluss findet die erste Füllstandskontrolle statt, der Kronkorken wird auf das korrekte Logo und den einwandfreien Sitz kontrolliert. Fehlerhafte Flaschen werden ausgeschleust. Danach geht es für die Bierflaschen zur Etikettiermaschine.

Hygiene steht im Mehrwegkreislauf ganz oben auf der Agenda: Die Flaschenreinigungsmaschine bringt es unter Volllast auf 60.000 Flaschen pro Stunde.
Hygiene steht im Mehrwegkreislauf ganz oben auf der Agenda: Die Flaschenreinigungsmaschine bringt es unter Volllast auf 60.000 Flaschen pro Stunde. © Brauerei Veltins

Gereinigt in drei Laugenbädern

Zu Höchstleistungen bringt es auch die der Abfüllung vorgelagerte Doppelend-Reinigungsmaschine. Hier laufen die Flaschen in mehreren vertikalen Schleifen durch insgesamt drei Laugenbäder, dabei werden die Etiketten gelöst und ausgeschleust. In den Über-Kopf-Bereichen werden lose Teile ausgespült bis die Flaschen im letzten Schritt klargespült wieder aus der Maschine rauslaufen. Die Mehrwegflaschen werden übrigens bei über 80 Grad gewaschen und bis zur Ausfahrt wieder runtergekühlt. Der gesamte Vorgang dauert bis zu 30 Minuten.

60.000 Flaschen pro Stunde gereinigt

Bis zu 20.582 Flaschen passen zeitgleich in die Reinigungsmaschine. Die Volllast der Flaschenreinigung beträgt damit rund 60.000 Flaschen pro Stunde. „Schon nach wenigen Monaten hat die neue Anlage für spürbare Entlastung gerade in den Saisonspitzen gesorgt. Wir sehen uns gut gerüstet für die nächsten Jahrzehnte“, sagt Peter Peschmann, bereits vorausschauend auf die weitere Abfüllanlage, die sich gerade in der Installation befindet und voraussichtlich im Frühjahr 2024 in Betrieb genommen werden soll.