Geschichte

Auf den Spuren der Vorfahren in Bödefeld

Yael Eini (rechts) und Ziv Eini aus Kfar-Saba in Israel haben sich auf die Spuren ihrer Vorfahren gemacht. Diese stammten aus Bödefeld.

Yael Eini (rechts) und Ziv Eini aus Kfar-Saba in Israel haben sich auf die Spuren ihrer Vorfahren gemacht. Diese stammten aus Bödefeld.

Foto: Philipp Wegener

Bödefeld.   Yael Eini besucht Bödefeld: Sie ist eine Nachfahrin von Philipp Freudenberg, der vom Lumpensammler zum Modehaus-Besitzer aufstieg.

Besucher und Touristen ist man in Bödefeld gewohnt. Ob sie wandern oder Ski fahren wollen, im Dorf gehören sie zum alltäglichen Bild. Doch die Gäste, die jetzt zu Besuch kamen, waren nicht alltäglich: Yael Eini aus Kfar-Saba in Israel war mit ihrem Mann Ziv im Ort auf den Spuren ihrer Vorfahren, die aus Bödefeld stammen.

Land der Ahnen

Auf dem Weg ins Sauerland konnte sie sich ein Bild vom Land ihrer Ahnen machen. „Deutschland ist so groß“, sagt Eini. „Beeindruckend finde ich vor allem die mittelalterlichen Innenstädte.“ Gemeinsam mit ihrem Mann Ziv bereist Yael Eini Deutschland.

In Bödefeld lässt sie sich von Einheimischen das Dorf zeigen und kommt mit ihnen über Philipp Freudenberg ins Gespräch. Er ist einer der bekanntesten jüdischen Mitbürger in der Geschichte des Ortes – und eben einer der Vorfahren von Eini.

In ärmlichen Verhältnissen

Philipp Freudenberg wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Bödefeld auf. Als Lumpensammler „Säymes Pheis“ zog er durch die Dörfer und war froh, wenn ihm die Bauern etwas Essbares mitgaben. Aber aus den armen Verhältnissen arbeitet er sich empor:

Nach seiner kaufmännischen Ausbildung in Lippstadt gründete Philipp Freudenberg Anfang der 1860er-Jahre ein Modegeschäft in Elberfeld. Später folgten Niederlassungen in Duisburg, Krefeld und Brüssel. Im Jahr 1888 verkaufte er seine bisherigen Geschäfte und kaufte sich in das berühmte Berliner Kaufhaus Hermann Gerson ein.

Berliner Modehaus

Das Modehaus Gerson war in Berlin eine Institution, selbst Königshäuser sollen sich unter den Kunden befunden haben. Freudenberg blieb bis zu seinem Lebensende Geschäftsführer bei Gerson. Seiner Heimat Bödefeld blieb er aber immer verbunden und vergaß nie, dass ihm die Bödefelder Bauern in schlechten Zeiten geholfen hatten. Als im Jahr 1910 die Pfarrkirche neu gebaut wurde, übernahm Freudenberg ein Drittel der Baukosten.

Aus Dankbarkeit wurde ihm ein Kirchenfenster gewidmet. Das Fenster „St. Moyses“ zeigte Moses mit den zehn Geboten. Das „Judenfenster“, wie man es im Dorf nannte, wurde im April 1945 bei einem Luftangriff zerstört. Da an der Stelle, an dem sich „St. Moyses“ befunden hatte, heute immer noch ein Fenster existiert, konnten sich Yael Eini und ihr Mann Ziv anhand von alten Fotos ein Bild machen, wie es mal ausgesehen haben muss.

Synagoge und Wohnhaus

Auch das alte Wohnhaus der Familie konnten sie besichtigen. Es liegt mitten im Dorf am „alten Burgweg“ in der Nähe des Dorfparks. Zu Philipp Freudenbergs Zeiten befand sich auch die örtliche Synagoge in diesem Gebäude.

Dabei handelte es sich mehr um einen Gebetsraum, denn einen eigenen Rabbi gab es in Bödefeld nicht. Bedauerlicherweise fiel auch das alte Haus der Bombardierung im Jahr 1945 zum Opfer, der Neuaufbau erfolgte aber an gleicher Stelle und mit gleichem Grundriss.

Spuren zu den Freudenbergs gibt es auch noch auf dem Judenfriedhof. Er liegt am Rand von Bödefeld zwischen der Umgehungsstraße und dem Campingplatz. Allerdings sind keine Grabsteine mehr vorhanden, nur eine große Gedenktafel.

Mit diesen Eindrücken aus Bödefeld ging es für Ziv und Yael Eini weiter nach Berlin. Den Kontakt ins Sauerland wollen sie von Israel aus per E-Mail halten.

>>>HINTERGRUND

Philipp Freudenberg starb 1917. Seine Nachfahren führten des Modehaus bis in 30er-Jahre.

Dann wurden sie von den Nazis enteignet.

Yaels Einis Urgroßvater wanderte mit seinen Söhnen nach Israel aus. Ein anderer Teil der Familie emigrierte in die Niederlande – und wurde im Holocaust ermordet.

Folgen Sie der WP Schmallenberg auf Facebook

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben