Naturschutz

Banden plündern Pilze in den heimischen Wäldern

Ein Pilzsammler trägt in einem Waldstück  einen vollen Korb mit Maronen nach Hause. Zum Eigenbedarf ist das Sammeln erlaubt, professionelles Plündern der Wälder ist dagegen verboten. Die Banden kommen trotzdem.

Ein Pilzsammler trägt in einem Waldstück einen vollen Korb mit Maronen nach Hause. Zum Eigenbedarf ist das Sammeln erlaubt, professionelles Plündern der Wälder ist dagegen verboten. Die Banden kommen trotzdem.

Foto: dpa

Meschede.   Das feuchte Wetter ist ideal für die Pilze. Sie werden allerdings nicht nur für den Eigenbedarf gesammelt. Organisierte Banden sind in den Wäldern unterwegs.

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Pfifferlinge, Steinpilze - sie wachsen in diesem Jahr wegen des feuchten Sommers besonders prächtig. Gepflückt werden sie allerdings längst nicht mehr nur für den Eigenbedarf. Zunehmend sind straff organisierte Banden in den heimischen Wäldern unterwegs. Sie verstoßen nicht nur gegen das Gesetz. Auch Jäger und Naturschützer bringen sie gegen sich auf.

Stadtförster Roland Wiese kennt diese Situationen aus eigener Beobachtung: „Profis sind das“, sagt er. „Die sind ausgerüstet mit GPS-Karten und einer hat die Aufsicht.“ Mit Transportern fahren die Banden zu den Wäldern, jeweils vier bis fünf Sammler sind an Bord. Mehrere Wäschekörbe voller Pilze greifen die Gruppen ab, dann verschwinden sie wieder. „Legal ist das nicht, die handeln gewerbsmäßig“, erklärt Wiese. Was für ihn besonders problematisch ist: „Die nehmen alles mit, was nach einem Pilz aussieht - auch geschützte Arten.“

Auf dem Schwarzmarkt verkauft

Die Sammler, meist handelt es sich um junge Männer aus dem osteuropäischen Raum, werfen zunächst alles zusammen, später wird die Beute sortiert, ehe sie auf dem Schwarzmarkt verkauft wird. „Ich frage mich ja, wer auf solche Angebote eingeht“, meint Wiese. „Mir wär das zu riskant. Wenn da mal ein giftiger Pilz drunter ist und dann in der Gastronomie serviert wird...“ Tatsächlich haben auch die besonders begehrten Edel-Gewächse Pfifferling und Steinpilz ähnlich aussehende giftige Verwandte - und die Sachkunde der Sammler, die zumeist aus dem Ruhrgebiet herangekarrt werden, ist unklar.

Dass durch die massenhafte Sammlung der Bestand an Pilzen reduziert wird und geschützte Exemplare verschwinden, ist das eine Problem. Das andere: Die illegalen Sammler vertreiben das Wild. Normalerweise äsen Hirsche und Rehe in der Dämmerung auf Lichtungen - dort, wo tagsüber die Sonne schien, es feucht ist und eben auch die Pilze gut gedeihen. Doch durch die Mengen an Menschen trauen sich die Tiere nicht mehr aus dem tiefen Wald. Hunger haben sie trotzdem. Sie nagen daraufhin an den Bäumen - es kommt mitunter zu erheblichen Verbissschäden.

Bernd Bertelsmeyer, der Vorsitzende des Hegerings Meschede, kann beschreiben, warum das Wild vor den illegalen Sammler flüchtet: „Diese Gruppen gehen zum Teil gebückt und besonders leise durch das Unterholz. Das ist etwas, was die Tiere nicht von Menschen kennen.“ Das Wild wird gestört und nimmt Reißaus - ganz nebenbei zum Ärger der Jäger, die dafür sorgen wollen, dass der Bestand der Tiere eine gewisse Menge nicht überschreitet.

Anpflanzungen zertrampelt

Auch aus Gründen des Naturschutzes lehnt Bertelsmeyer die professionelle Pilz-Ernte ab: „Eigentlich sollten die Wege im Wald nicht verlassen werden. Wenn doch, werden beispielsweise Anpflanzungen zertrampelt.“ Darüber hinaus fuhren manche der Profi-Sammler einfach in den Wald hinein. Schwerpunkte momentan: bei Wennemen und bei Rüthen.

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