Prozess

Autos überholt, mit Zug kollidiert - weitergefahren

Wartende Pkw vor dem Bahnübergang Laer: Hier passiert der Vorfall. Eine Frau zieht an mehreren Wagen vorbei und stößt mit dem Zug zusammen.

Wartende Pkw vor dem Bahnübergang Laer: Hier passiert der Vorfall. Eine Frau zieht an mehreren Wagen vorbei und stößt mit dem Zug zusammen.

Foto: Jürgen Kortmann

Meschede.   Diese Pkw-Fahrerin hatte großes Glück: Nach einem unfassbaren Manöver stand sie jetzt vor dem Amtsgericht in Meschede. Dort gab es ein Urteil.

Es war ein Unfall, der kaum zu glauben war: Eine junge Frau hat im Mai die Autos überholt, die in Laer am geschlossenen Bahnübergang warteten, war dann vom Zug angefahren worden - und fuhr danach mit ihrem beschädigten Wagen einfach weiter. Jetzt stand die 22-jährige vor dem Amtsgericht.

Wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und Unfallflucht wurde die Meschederin zu einer Geldstrafe von 3600 Euro und einem Fahrverbot von drei Monaten verurteilt. Staatsanwaltschaft und Verteidiger Christian Wilmers bewerteten das Verhalten der Frau übereinstimmend als „absolutes Augenblicksversagen“.

Schon tagsüber eine Störung

Die Frau räumte ein, aus Richtung Freienohl kommend, an dem frühen Abend in Mai an zwei oder drei wartenden Autos vorbeigefahren zu sein. Sie entschuldigte das damit, dass es tagsüber schon eine Störung an dem Bahnübergang gegeben hatte. Beim Überqueren der Gleise sah sie noch den Zug aus Richtung Meschede kommen und versuchte noch zurückzufahren, stieß aber trotzdem mit ihm zusammen.

Die Frau, die mit ihrer Schwester unterwegs war, fuhr weiter, hielt am Sägewerk, bog die Schäden an ihrem Auto zurecht, und fuhrt dann nach Meschede zu ihrem Freund. Der reagierte „total sauer“ darauf, wie sie sich verhalten habe - und erst da sei ihr klar geworden, wie dumm und gefährlich sie gehandelt habe. Dann klingelte schon die Polizei bei ihr.

Unglaubliches Glück gehabt

Tatsächlich hatte es zuvor an dem Tag eine Störung mit den Schranken gegeben, die Ampeln hatten dauerhaft Rotlicht angezeigt. Das bestätigte die Polizei. Eine Entschuldigung für die Irrfahrt war das zwar nicht, aber für die Staatsanwaltschaft und Richter Dr. Sebastian Siepe zumindest „halbwegs verständlich“.

Siepe sprach von „einer ziemlich dummen Idee“, an den anderen Fahrzeugen vorbeizufahren. Die Frau habe unglaubliches Glück gehabt, dass niemand zu Schaden kam. Warum sie nicht am Sägewerk auf die Polizei gewartet habe? „In dem Moment bin ich nicht auf die Idee gekommen“, gestand die Frau unter Tränen.

Mehrmonatiger Fahrverbot

Glück hatte die Frau, dass nicht ihr Führerschein entzogen, sondern nur das mehrmonatiger Fahrverbot verhängt wurde. Solch ein Verhalten an einem Bahnübergang kann einem Autofahrer auch als Unfähigkeit zum Führen eines Autos ausgelegt werden - wegen „erheblich charakterlicher Mängel“.

Richter Siepe nahm der 22-Jährigen aber ab, den Unfall zu bedauern: „Ich glaube, Sie haben ihre Lehren daraus gezogen“.

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