Haftstrafe

Bestwig: Intensivtäter muss vier Monate ins Gefängnis

So wie  dieser Angeklagte wird  auch der 25-Jährige in den Gerichtssaal geführt. Das letzte Opfer des Intensivtäters war ein junger Mann aus Bestwig

Foto: Patrick Seeger

So wie dieser Angeklagte wird auch der 25-Jährige in den Gerichtssaal geführt. Das letzte Opfer des Intensivtäters war ein junger Mann aus Bestwig Foto: Patrick Seeger

Bestwig/Brilon.   Mit Fußfesseln ist ein Rucksack-Dieb ins Gericht geführt worden. Es war nicht seine erste Tat. Diesmal war sein Opfer der Sohn einer Polizistin aus Bestwig.

Wegen gemeinschaftlichen Diebstahls hat ein 25-jähriger Zuwanderer aus dem Maghreb vor dem Amtsgericht Brilon eine viermonatige Haftstrafe kassiert. Der junge Mann wurde in Fußfesseln vorgeführt. Er sitzt bereits in der JVA Schwerte eine zweijährige Sammelfreiheitsstrafe ab - auf sein Konto gehen Betrugs-, Diebstahl-, Rauschgift- und Körperverletzungsdelikte.

2012 war er nach Deutschland gekommen, unklar blieb in der Verhandlung seine Herkunft. Im Prozess gab er Tunesien an - in anderen Akten wird er als Marokkaner geführt.

Verfolgung unmöglich

Opfer diesmal: ein junger Mann aus Bestwig. Die beiden Zuwanderer wollten im August 2016 mit dem Zug von Brilon-Wald nach Olsberg. In dem Abteil habe der Kumpel zu ihm gesagt, dass da jemand sei, dem er gleich den Rucksack wegnehmen werde. Beim Halt im Bahnhof Olsberg sollte der 25-Jährige bei der Abfahrt dafür sorgen, dass sich die Tür noch nicht schließt.

Gesagt, getan. Beim Stopp in Olsberg schnappte sich der Komplize den Rucksack und sprang mit Hilfe des 25-Jährigen auf den letzten Drücker aus dem Zug. Der setzte sich in Bewegung und machte eine Verfolgung unmöglich.

Zum Verhängnis geworden

Was den beiden zum Verhängnis wurde: Die Mutter des 18-jährigen Opfers ist Polizistin. Von Bestwig aus fuhren beide im Wagen zurück nach Olsberg – und siehe: Auf der Hauptstraße entdeckte der 18-Jährige die beiden Zuwanderer mit seinem Rucksack. Die Mutter schnitt den beiden mit dem Wagen den Weg ab, stellte sie mit dem Ruf „Polizei“ - die beiden Täter ließen den Rucksack fallen und hauten in getrennten Richtungen ab. Der 25-Jährige wurde später ermittelt.

Von dem Komplizen kenne er angeblich nur den Vornamen, Yussuf, sagte er. Der habe ihm unmittelbar nach der Tat am Bahnhof einfach den Rucksack umgehängt. Später habe ihm der Komplize von der Beute - 175 Euro Bargeld - 50 Euro gegeben. „Jedes Wort ist für die Entscheidung wichtig“, sagte Verteidiger Oliver Brock zu der von einem Dolmetscher übersetzten und von ihm dann interpretierten und juristisch wohltemperierten Aussage.

Ungünstigen Sozialprognose

Demnach habe der 25-Jährige nicht gewusst, dass sein Kumpel genau diesen Rucksack stehlen wolle. Und schließlich habe der Kumpel ihm nach der Tat den Rucksack „wider Willen umgehängt“. Eventuell könne deshalb auch nur Hehlerei in Betracht kommen. Auf jeden Fall sei sein Tatbeitrag „ganz unten“ anzusiedeln. Der 25-Jährige habe die Tat „gebilligt“, fand dagegen Staatsanwältin Sandberg. Wegen der Vorstrafen und der ungünstigen Sozialprognose forderte sie eine viermonatige Haftstrafe ohne Bewährung.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Dem schloss sich der Richter an. Der Angeklagte habe eingangs seine Beteiligung gestanden und erst nach rechtsanwaltlicher Beratung alles relativiert: „Wer einem Mittäter die Tür aufhält, damit der die Beute wegschaffen kann, ist in die Tat eingeweiht.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Dutzend Einträge im Bundeszentralregister

Seit 2012 hat der Angeklagte im Bundeszentralregister ein Dutzend Einträge angehäuft.

„Das muss man erstmal zustande bringen“, sagte Richter Dietmar Härtel: „In seinem Gastland von Sozialleistungen zu leben und dann derart die Bevölkerung zu bestehlen.“

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