Mobilfunk

Bewohner von Mülsborn klagen: „Das ganze Tal ist tot“

Die Bewohner von Mülsborn haben keinen Empfang, nicht einmal ein Balken leuchtet auf den Handys von Bernd Hesse, Bettina Köster, Michael Wenmakers, Wilhelm Köster, Matthias Köster, Stefan Kersting und Edmund Kersting (von links) auf.

Die Bewohner von Mülsborn haben keinen Empfang, nicht einmal ein Balken leuchtet auf den Handys von Bernd Hesse, Bettina Köster, Michael Wenmakers, Wilhelm Köster, Matthias Köster, Stefan Kersting und Edmund Kersting (von links) auf.

Foto: Jürgen Kortmann

Mülsborn.   Die 60 Bewohner von Mülsborn haben keinen Handy-Empfang. Jetzt soll die Öffentlichkeit von dem Problem erfahren.

Sie fühlen sich ein wenig wie in einem Entwicklungsland. Wobei: Da sind viele Länder der Dritten Welt inzwischen weiter. Dort gibt es zumindest einen Handy-Empfang. Die 60 Bewohner von Mülsborn haben keinen Handy-Empfang. Und das in einer Zeit, in der anderswo schon von einem superschnellen 5G-Mobilfunk-Standard geträumt wird. In Mülsborn leuchtet stattdessen bisher nicht einmal ein Balken auf dem Handy auf.

Jetzt machen sie ihr Problem öffentlich. Und sie hoffen auf die Stadt Meschede. Die hatte zuletzt noch im Zusammenhang mit einem möglichen neuen Funkmast für Frenkhausen betont: Eine flächendeckende Versorgung des Stadtgebietes mit schnellem Internet sei „eine Grundvoraussetzung für alle Lebensbereiche“, so Fachbereichsleiter Klaus Wahle.

Mülsborner möchten Stadt beim Wort nehmen

Das gelte sowohl für die Breitbandversorgung als auch für den Mobilfunk: „Wer außer Haus mit dem Smartphone telefonieren und per Tablet oder Laptop surfen möchte, braucht eine gute Netzabdeckung.“ Das stimmt. Die Mülsborner möchten die Stadt deshalb beim Wort nehmen. Denn gute Netzabdeckung? Fehlanzeige in Mülsborn.

Die Mülsborner kennen dafür genau ein paar Punkte, in denen sie ab und zu ein wenig Empfang haben. Bei Bettina Köster ist das exakt „draußen auf dem Balkon, an der dritten Fliese von rechts“. Bei ihr hängt der Wlan-Schlüssel öffentlich an der Tür, sagt sie: Für Besucher, damit die telefonieren können.

Michael Wenmakers hat draußen, außerhalb von seinem Garten an einer Stelle, manchmal ein wenig Empfang. Seine Geschäfte kann er so aber nicht abwickeln, das geht nur übers Festnetz: „Auf dem Handy sehe ich nur eine Nummer, ich kann aber nicht mit dem Teilnehmer sprechen.“ Wer beruflich auf ein Handy angewiesen ist, der hat hier schlechte Karten.

Homebanking ist nicht möglich

Bei Familie Kersting klappt es nur, wenn man das Handy aus dem Küchenfenster hält. Und zwar nur dort. Aber auch nur manchmal. Sohn Stefan arbeitet beim Wasserwerk: Er hat Bereitschaft, während des Pressegespräches bleibt seine Mutter lieber am Küchenfenster – er könnte ja angerufen werden.

Homebanking zum Beispiel ist im Dorf nicht möglich, sagt Bernd Hesse: Die TAN-Nummern, die von der Bank als Sicherheit aufs Handy geschickt werden, kommen in Mülsborn gar nicht an. Gerade einmal fünf Kilometer trennt Mülsborn von Meschede. Andere Dörfer sind weiter entfernt, haben aber einen besseren Empfang. Mobilfunktechnisch bedeuten die fünf Kilometer für Mülsborn aber Welten oder Lichtjahre. Mülsborn liegt im Tal, das behindert den Empfang.

Gelegentlich Empfang am Dachfenster

Matthias Köster (er hat am Dachfenster gelegentlich ein wenig Empfang) sagt: „Wenn in Mülsborn ein Politiker oder ein Promi leben würde oder die dort ein Ferienhaus hätten, wäre schon lange etwas geschehen bezüglich Mobilfunk.“ Was in Frenkhausen offenbar umstritten ist, das würden sich die Mülsborner wünschen: Einen Funkmast oder einen Verstärker. Bei Calle steht ein abgerüsteter Mast: Die Mülsborner würden sich wünschen, das der für sie überprüft würde – vielleicht taugt der für den Empfang in ihrem Dorf.

Und es ist nicht nur Mülsborn selbst. Bis hinauf nach Schüren ist an der Straße kein Empfang. „Das ganze Tal ist tot“, weiß Bernd Hesse. Die Mülsborner kennen alle Fälle von Unfällen mit Wild an der Straße, die für die Autofahrer glimpflich ausgingen – zuletzt musste jemand die Straße zurück ins Dorf laufen, berichten sie, um Hilfe zu holen. Per Handy kann von unterwegs keine angefordert werden. Wehe, es passiert mal Schlimmeres.

Es gibt eine „Wirtschaftlichkeitslücke“

Meschedes Bürgermeister Christoph Weber kennt die Mülsborner Probleme um den fehlenden Mobilfunkempfang: „Ich möchte keine Hoffnung machen. Das würde nur eine Erwartungshaltung schüren.“ Mit der Telekom als Netzbetreiber seien schon Gespräche geführt worden. Anders als in Frenkhausen, wo – wie berichtet – ein neuer Funkmast entstehen könnte, gebe es aber für Mülsborn eine „Wirtschaftlichkeitslücke“ – hier rechne sich eine Investition für das Unternehmen nicht.

„Der Anbieter hat uns wenig Hoffnung auf eine Lösung gemacht“, sagt Weber. Nebenan in Schüren werde die Technik verbessert, ist zugesagt worden: Dadurch allerdings werde sich für Mülsborn nichts ändern. Der Bürgermeister sichert zu: „Wir machen das Buch aber nicht zu.“ Als mögliche Lösung bringt er ein öffentliches Wlan-Netz ins Gespräch, ähnlich dem Freifunk in der Innenstadt von Meschede.

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