Justiz

Charlotte Merz: „Unser Standortvorteil ist der Rechtsstaat“

Charlotte Merz ist neue Direktorin am Amtsgericht Meschede

Charlotte Merz ist neue Direktorin am Amtsgericht Meschede

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Meschede.   Das Mescheder Amtsgericht hat eine neue Leitung. Charlotte Merz ist die neue Direktorin. Im Interview spricht sie über den Männermangel in der Justiz, ihre Skepsis gegenüber Frauenquoten und ihr Sicherheitsgefühl.

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Das Mescheder Amtsgericht hat eine neue Leitung. Charlotte Merz ist die neue Direktorin. Im Interview spricht sie über den Männermangel in der Justiz, ihre Skepsis gegenüber Frauenquoten und ihr Sicherheitsgefühl.

Wie ist Ihr erster Eindruck von Meschede?

Aus vollem Herzen: sehr gut! Hier gibt es ein herzliches, fast familiäres Miteinander und sehr gute Mitarbeiter.

Unterscheiden sich Amtsgerichte überhaupt untereinander?

Sicherlich, es gibt andere Menschen und andere Zuschnitte bei der Arbeit. Aufgefallen ist mir hier sofort, dass es nur fünf Männer unter den 36 Mitarbeitern gibt.

Ist das schon ein Männermangel?

Den gibt es in der Justiz tatsächlich. Wir stehen insbesondere im richterlichen Bereich in der Konkurrenz mit gut zahlenden Anwaltskanzleien. Da gibt es Anfangsgehälter von 90 bis 100.000 Euro. In der Justiz liegen die bei ungefähr 40.000 Euro.

Würden Sie sich mehr Frauen in Führungspositionen wünschen?

Ich persönlich finde es begrüßenswert, wenn mehr Führungspositionen weiblich besetzt wären. Denn es ist wie alles im Leben: Die gesunde Mischung macht`s. Bei der Frage nach einer Frauenquote wäre es gesetzgeberisch anspruchsvoll, diese diskriminierungsfrei zu gestalten. Ich stelle mir stattdessen ein harmonisches Miteinander vor. Entscheidungsgremien, in denen auch Frauen sind, funktionieren anders, sie funktionieren besser: Männer sind durchsetzungsstärker, Frauen haben andere Belange im Blick. In 50 Jahren, oder schon früher, wird das keine Frage mehr sein. Dann sind mehr Frauen in leitenden Positionen.

Als Sauerländerin und Richterin: Fühlen Sie sich hier sicher?

Ja, ich fühle mich hier sehr sicher. Man kennt jeden. Es ist überschaubar.

Alles wird inzwischen zentralisiert: Muss man sich Sorgen machen, dass Meschede sein Amtsgericht verlieren könnte?

Nein. Ich sehe da keine Gefahr. Als Amtsgericht am Sitz der Kreisverwaltung wird es Bestand haben.

Zuletzt kamen junge Richter ans Gericht, die ein Jahr hier blieben und dann weiterzogen. Es gibt keine konstante Präsenz mehr, nicht mehr den altbekannten Amtsrichter. Sehen Sie das als Problem?

Mit einem gewissen Zeitabstand kann ein Wechsel gut sein. Aber auf Dauer tut ein ständiger Wechsel für alle Beteiligten nicht gut. Diesbezüglich gestaltet sich die Lage für das Amtsgericht Meschede durchaus positiv, da schon zwei Richterinnen planmäßig auf festen Stellen hier sind.

Wenn Sie als Juristin einen Wunsch an den Gesetzgeber hätten: Was wünschen Sie sich?

Ich mäkele da nicht so gerne herum. Wir müssen das anwenden, was der Gesetzgeber beschließt. Unser Standortvorteil in Deutschland ist der Rechtsstaat, so wie er aufgestellt ist und funktioniert. Und er funktioniert gut. Verfahren werden bei uns schnell gelöst und es gibt verlässliche Rahmenbedingungen.

Was halten Sie von einem Warnschussarrest für Jugendliche?

Ein Jugendarrest von einem Wochenende oder von bis zu einem Monat ist schon jetzt rechtlich möglich, und ich bin ein Befürworter dieser Arrestmöglichkeiten. Ich habe ja lange im Jugendstrafrecht gearbeitet. Das Jugendstrafrecht hat den Vorteil, dass es auch erzieherisch wirkt. Problematisch ist dies dann, wenn ein großer Zeitraum zwischen der Tat und einer gerichtlichen Ahndung liegt. Wenn sich Jugendliche prügeln, und sie landen erst ein Jahr später auf der Anklagebank, dann geht der erzieherische Aspekt verloren. Bei Jugendlichen muss ein gefühlter Zusammenhang zwischen Tat und Bestrafung vorhanden sein. Und wenn ein Jugendlicher mal für 48 Stunden im Freizeitarrest auf sein ganzes elektronisches Spielzeug verzichten muss, dann kommt er vielleicht doch ins Grübeln.

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