Tierschutz

Warum wild lebende Katzen so ein großes Problem sind

Die Silhouette einer Katze, die über einen Weidenzaun klettert, zeichnet sich hier bei Sonnenaufgang ab: Wild lebende Streuner sind allerdings ein Problem - weil ihre Population schnell wächst.

Die Silhouette einer Katze, die über einen Weidenzaun klettert, zeichnet sich hier bei Sonnenaufgang ab: Wild lebende Streuner sind allerdings ein Problem - weil ihre Population schnell wächst.

Foto: Julian Stratenschulte

Wennemen/Meschede.  In Meschede hat eine Mutter mit vier Katzenbabys für viel Aufregung gesorgt. Tierschützer erklären, warum wildlebende Katzen ein Problem sind.

Eine streunende Katze mit vier Kitten - die Tiere haben kürzlich in Wennemen für Aufregung gesorgt. Weil kein Besitzer ausgemacht werden konnte, wandten sich die Anwohner zunächst ans Tierheim und später an die Katzenhilfe. Mittlerweile sind die Katzenbabys eingefangen - ein Boxer mit seinem Frauchen hat die Streuner aufgenommen (wir berichteten). Aber warum können Katzen nicht einfach wild leben? Und warum verlangt das Tierheim 60 Euro als Beitrag für die Kastration, wenn man eine wilde Katze dort abgeben möchte?

„Die Population würde explodieren“, erklärt Iris Reuer von der Katzenhilfe Hochsauerland kurz und knapp, warum wildlebende Katzen ein Problem sind. Drei bis viermal im Jahr bekomme eine solche nicht kastrierte Katze Junge - und nicht ein oder zwei pro Wurf, sondern deutlich mehr. „Dafür ist einfach kein Platz.“

Hinzu kommt, dass diese Tiere nicht geimpft sind. „Krankheiten wie Katzenseuche oder Katzenschnupfen verbreiten sich daher“, sagt Birgit Müller vom Tierheim Meschede. Zunächst wollten die Anwohner aus Wennemen die Katzenkinder beim Tierheim in Meschede abgeben. Als dieses aber 60 Euro als Beitrag zur Kastration des Muttertieres verlangte, suchten sie nach einer anderen Lösung und fanden Unterstützung bei der Katzenhilfe Hochsauerland.

Vereinbarung getroffen

„Wir wollen uns daran nicht bereichern“, erklärt Birgit Müller. Im Gegenteil: Allein für vier Katzenbabys würden Kosten in Höhe von rund 1000 Euro anfallen - für die Kastration, Impfung, Entwurmung und Chippen. Hinzu kämen die Kosten für Futter, Katzenstreu usw. „Allein die Kastration eines Tieres kostet 120 Euro.“ Um einigermaßen wirtschaftlich arbeiten zu können, habe das Tierheim Meschede für sich eine Vereinbarung getroffen: Die Finder bzw. Anwohner müssen in solchen Fällen die Hälfte der Kastrationskosten zumindest des Muttertieres übernehmen. „Die andere Hälfte sowie die gesamten Kosten für die Kätzchen übernimmt das Tierheim“, erklärt Birgit Müller weiter.

Ansonsten liege in wenigen Monaten ein weiterer Wurf da und das ganze Spiel gehe von Neuem los. Eine Kastration sei daher gerade im Interesse der Anwohner und eben auch des Tierschutzes wichtig. „Für eine wildlebende Katze ist es auch nicht schön, wenn sie sich drei bis vier Mal im Jahr um Junge kümmern muss.“

Birgit Müller sieht die Kommunen in der Pflicht. Im Grunde müssten die Kommunen dafür sorgen, dass sich verwilderte Katzen nicht vermehren. „Wir wollen natürlich mithelfen, aber das verursacht jede Menge Kosten“, ergänzt sie.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagt Jörg Fröhling, Pressesprecher der Stadt Meschede sowie der Gemeinde Bestwig, dazu: „Wie in jeder Kommune gibt es auch in der Stadt Meschede und in der Gemeinde Bestwig wildlebende Katzen - allerdings in einem sehr überschaubaren Maß.“ Deshalb bestehe keine besondere Problemlage, die einen Handlungsbedarf nach sich ziehen würde. „Von wildlebenden Katzen müssen aber Fundtiere unterschieden werden, die - vermutlich - einen Tierhalter haben“, ergänzt Fröhling. Für die Annahme und tiergerechte Aufbewahrung von Fundtieren sei in der Tat die Kommune zuständig. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben die Stadt Meschede und die Gemeinde Bestwig – wie auch weitere Kommunen - und der Tierschutzverein schon vor langem eine Vereinbarung getroffen, dass Fundtiere im Tierheim abgegeben werden können.

Fundtiere immer kostenlos

„Dieser Vorgang ist für den Finder immer kostenlos“, erklärt der Pressesprecher. Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet funktioniere seit jeher reibungslos. Keine Aufnahmepflicht bestehe dagegen für tatsächlich herrenlose oder verwilderte Katzen. „Dieses wäre in der Praxis auch überhaupt nicht möglich, da ein solches Tier - im Gegensatz zu Fundtieren, die ja an Tierhaltung gewöhnt sind - schlichtweg nicht einsperrbar ist und es daher sowohl rechtlich wie auch faktisch zu Konflikten mit elementaren Regeln des Tierschutzes kommen würde“, sagt Fröhling.

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