Kochen

Das Sauerland bekommt seinen ersten Michelin-Stern

Felix Weber (re.) kocht in Schmallenberg demnächst mit einem Stern.

Foto: Bjoern Luelf

Felix Weber (re.) kocht in Schmallenberg demnächst mit einem Stern. Foto: Bjoern Luelf

Schmallenberg/Bad Berleburg.  Der 27-jährige Felix Weber hat für das Sauerland den ersten Michelin-Stern erkocht. Sein Lieblingsgericht ist allerdings sehr bodenständig.

Cool. Krass. Der Wahnsinn. Der Wortschatz schwindet. Bei besonderen Ereignissen regiert die Sprachlosigkeit. Nicht an dieser Stelle, nicht Schwarz auf Weiß.

Wenn am Fuß des 533 Meter hohen Knollen die Sorpe in die Lenne mündet und Felix Weber in der Hofstube kocht, frohlocken die Geschmacksnerven. Gestern Abend ist im Restaurant des Romantik- und Wellnesshotels Deimann in Schmallenberg-Winkhausen ein Stern aufgegangen. Sagen wir es international: A star is born.

Die Kochkünste des 27-jährigen Wittgensteiners sind mit einem Michelin-Stern belohnt worden. Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren, so genau weiß das niemand, gibt es im Sauerland wieder eine Sterne-Küche und das von einem Koch von hier.

In der Gastronomie groß geworden

Wie kochendes Wasser brodelt es in ihm, sprudelt seine Freude heraus. Seine Eltern, Monika (58) und Richard (64), sind die ersten, die es im Vorfeld erfahren. „Setzt Euch, ich habe schlimme Nachrichten“, macht Weber Witze. „Bist du gekündigt worden?“, fährt es der besorgten Mutter durch den Kopf. „Im Gegenteil, ich bekomme einen Stern.“ Tränen vor Freude.

Hier in der Wiege seiner ersten Erfahrungen zählt die Auszeichnung doppelt und dreifach. Sein Vater und seine Mutter wissen, wie viel Arbeit, Energie und Zeit der Sternenglanz in der Küche kostet. Sie sind vom Fach, sie betreiben einen Landgasthof in Bad Berleburg-Wingeshausen. Felix Weber: „Ich bin mit der Gastronomie groß geworden. Mit fünf Jahren habe ich meinen ersten Pfannekuchen gebacken. Hier habe ich mir meine erste Verletzung in der Küche zugezogen. Ich bin als Junge mit der rechten Hand beim Brotschneiden an der Aufschnittmaschine, die eigentlich nur für Käse und Wurst ist, abgerutscht. Das hat wie verrückt geblutet. Die Narbe habe ich heute noch.“

Der Unfall hält ihn nicht davon ab, in die Fußstapfen seines Elternhauses zu treten. „Mein Vater ist Küchenmeister, er ist mein Vorbild. Er hat mich gefördert, hat mich das machen lassen, was ihm nicht möglich war.“

Ausbildung in Schmallenberger Landhotel

Nach dem Realschulabschluss absolviert Felix Weber im Landhotel Gasthof Schütte in Schmallenberg-Oberkirchen von 2006 bis 2009 seine Lehre. „In meinem Jahrgang war ich von 60 Azubis der Beste.“ Danach will er es wissen, will lernen, will Honig aus der Kunst der Köche feinster Adressen saugen. Der erste Versuch vor Jahren in Baden-Baden geht schief.

Der oberste Kochlöffel, böse formuliert, macht ihn verbal zu Hackfleisch, nimmt ihm sein Selbstvertrauen, piesackt ihn. Frustriert sucht der junge Koch das Weite, verliert aber nicht den Glauben an sich. Er geht, wie viele große Köche in ihrer Anfangszeit, auf Wanderschaft. Zu seinen Stationen zählen das „La vie“ in Osnabrück, das „Sonnora“ in Dreis, beides Drei-Sterne-Häuser, und „Louis C. Jacob“ in Hamburg. „In der Hansestadt habe ich von morgens 7 bis nachts 1 Uhr gearbeitet. Das war heftig. Mit Schlaf war nicht viel.“

Ein Freund deftiger Hausmannskost

Und es zieht ihn zurück in die Heimat. Seit Mai 2016 zaubert er in Winkhausen. Wer einen Blick in die Speisekarte der Hofstube wirft, bekommt Appetit und eine Vorstellung seines Könnens: Kaninchenrücken im Pancetta-Mantel mit orientalischem Bulgur und belgischem Chicorée, Schottischer Loch Duart Lachs mit Pulpo oder Rehrücken mit Cassis, Sellerie und Purple Curry Jus. „Ich bereite am liebsten Fisch und Krustentiere zu“, sagt Felix Weber. „Und bin ein Freund von Soßen.“

Im Moment ist sein Vorname Programm. Der Glückliche. Es läuft. Privat und beruflich. Im August hat er Thaigiane-Stephany Santos, sie ist mit zwölf Jahren aus Brasilien ins Sauerland gekommen, geheiratet. „Zum ersten Mal habe ich sie im Schulbus gesehen. Ich habe mich gar nicht getraut, sie anzusprechen. Über Facebook habe ich sie dann zum Kinobesuch eingeladen.“ Seit dem 15. Oktober sind sie Eltern eines Mädchens, Isabella. Felix Weber ist ehrlich: „In diesem Jahr ist wirklich viel passiert.“ Am Ende darf eine Frage nicht fehlen. Was isst er am liebsten? „Ich habe den ganzen Tag mit edelsten Produkten zu tun. Mehr muss nicht sein. Ich bin ein großer Freund deftiger Hausmannskost.“ Welches Gericht? „Die Kohlrouladen mit Kartoffelpüree von meiner Mutter. Da geht nichts drüber.“

Der Weg zum Stern

Der Weg zum Sterne-Restaurant ist nicht einfach. Bewertet werden die Qualität der Produkte, die fachgerechte Zubereitung und der Geschmack, die persönliche Note, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die gleichbleibende Qualität. Ein Stern soll bedeuten: „Eine Küche voller Finesse - einen Stopp wert.“ Zwei Sterne: „Eine Spitzenküche - einen Umweg wert.“ Drei Sterne: „Eine einzigartige Küche - eine Reise wert.“

mit dpa

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