TAG DES KUSSES

„Das war doch etwas Heimliches“ - Mescheder erinnern sich

Foto: dpa

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Meschede. Den Frosch mag die Prinzessin nicht küssen, das findet sie ekelig - Dornröschen aber wird nach 100 Jahren wachgeküsst. Zwischen ernster Liebe, Heimlichkeit, Spaß und Scham, liegen die Erinnerungen, die die Bewohner des Blindenaltenheims, zum heutigen „Tag des Kusses“ preisgeben.

Nicht in der Öffentlichkeit

„Das ist doch was Heimliches“, heißt es erstmal übereinstimmend in der Runde. Geküsst wurde nicht in der Öffentlichkeit. Nicht mal die eigenen Eltern habe sie normalerweise dabei gesehen, dass sie sich öffentlich küssten, erinnert sich die 90-jährige Elsbeth Loth. Offiziell habe man sich erst küssen dürfen, wenn man verlobt war, ergänzt Anna Götz (71): „Aber das machte nichts“, sagt sie verschmitzt, „wir hatten ja die Parks.“

Rote Herzen auf dem Tisch, Gedichte und Musik zum Thema - Elke Potthöfer, Mitarbeiterin im Seniorenzentrums Blickpunkt Meschede, hat extra eine Morgenrunde unter das Thema „Kuss“ gestellt.

Die Männer schweigen

Und der erste Kuss, der war durchaus etwas Besonderes, erinnern sich die Frauen. Die Männer schweigen. Zu überraschend durfte er nicht sein. „Als mich ein Junge plötzlich küssen wollte, da bin ich weggerannt“, erinnert sich Christa Gress (76). Ihren ersten Kuss habe sie später, etwa mit 15 Jahren bekommen.

Noch später dran war Elsbeth Loth: „Ich bin in einem kleinen Dorf mit lauter Jungen aufgewachsen“, erzählt sie und schmunzelt. „Ich habe alles mit denen gemacht, Hockey und Fußball gespielt, aber ans Küssen habe ich nicht gedacht.“ Den ersten Kuss, den habe sie mit etwa 17 Jahren von ihrem späteren Mann bekommen.

Beim Blick zurück muss sie darüber lachen, wie sie nach einem Tanzfest einen „jungen, gutaussehenden“ Kerl, ungeküsst nach Hause schickte. „Das sei ihm ja noch nie passiert, hat der sich beschwert.“

Geküsst wurde nur, wenn’s ernst wurde. Das erzählen auch andere. Den ersten Kuss habe sie vom Nachbarsjungen bekommen und den habe sie dann auch geheiratet, berichtet eine Bewohnerin.

Heimlich musste es sein - Küssen in der Öffentlichkeit war verpönt, „da haben sich die Älteren mächtig aufgeregt“, sagt Anna Götz. „Im Karussell auf der Kirmes - da konnte man aber gut küssen“ erinnert sich Marlies Wieger, die mit 68 Jahren zu den jüngsten Bewohnern gehört, mit einem Lachen, „wenn in der Raupe das Verdeck runterging.“ Sie jedenfalls habe den ersten Kuss sehr genossen.

Doch meist behielt man es für sich - nicht mal der besten Freundin wurde das erzählt. Küssen oder auch zum Tanz zu gehen, das sei in den 30er-Jahren regelrecht verrufen gewesen“, erinnert sich eine Bewohnerin: „Da war man ein Flittchen.“

Natürlich wurden die Kinder geküsst und bei den Jüngeren küssten sich auch die Eltern. „Mein Vater hat meiner Mutter jeden Mittag einen Kuss gegeben, als Dankeschön, weil sie wieder so gut gekocht hatte“, erinnert sich Christa Gress. Dagegen hat Elsbeth Loth ihre Eltern überhaupt nur einmal bei einem Kuss beobachtet. „Das war, nachdem sie sich vier Wochen nicht gesehen hatten, ein inniges Bild, das ich nie vergessen werde.“

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