Tourismus

Der Landgasthof Seemer in Eslohe ist ein Stück Heimatglück

Die Geschwister Julia und Alexandra Seemer vor dem Landgasthof Seemer bei Eslohe.

Die Geschwister Julia und Alexandra Seemer vor dem Landgasthof Seemer bei Eslohe.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Eslohe.   Zwei Schwestern führen den Landgasthof Seemer in die Zukunft. Im traditionsreichen Haus in Eslohe ist der Sauerländer Schützenbund 1929 gegründet worden.

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Heimatglück. So fängt es an. Acht Jungen und Mädchen aus der Grundschule Wenholthausen tauchen pünktlich um 13.20 Uhr auf. „Schön, super, geil.“ Der Nachwuchs staunt über den frisch renovierten Gastraum. In der Ecke nehmen die Kinder am Tisch Platz. Brav. Mittagessen. Brokkoli, Reis, Frikadelle. 3,10 Euro die Portion.

Heimatglück. Die Atmosphäre werden die Kinder nie vergessen, für immer mit ins Leben nehmen. „Wenn andere Gäste da sind“, sagt Julia Seemer, „finden sie das besonders.“ Die Verpflegung der Schüler aus der Ganztagsbetreuung ist für die 29-Jährige Alltag. Es gehört mit zu den Angeboten, die für die Verwurzelung des Hauses am Ort sprechen: „Wir bestehen seit 1536, nächstes Jahr feiern wir unseren 480. Geburtstag.“

Hier wurde der Sauerländer Schützenbund gegründet

Heimatglück. Nicht zu vergessen: In den Räumen an der Wenne ist am 15. Dezember 1929 der Sauerländer Schützenbund gegründet worden. Die Gründer von einst würden sich hier wohl fühlen. Die Hirschgeweihe hängen an der Wand. Aber, Moment, Esel blicken vom Lampenschirm dem Gast auf den Teller. „Vielleicht ein bisschen frech, aber Humor gehört dazu“, sagt ihre Schwester, Alexandra Weißenfels-Seemer. Ihnen gefällt das neue zeitgemäßere Ambiente.

Heimatglück. „Wir sind angekommen“, sagen die Geschwister einhellig. „Wir haben uns gesagt, wir machen es jetzt und nicht erst in zehn Jahren.“ Beide Frauen sind vom Fach. Julia Seemer ist Hotelkauffrau, hat den Bachelor Business und Hotelmanagement, war zehn Jahre in der Welt unterwegs, vom Bodensee bis Schottland. Ihre Schwester Alexandra ist Köchin und Hotelfachfrau.

Heimatglück. Mit ihren Eltern, Eduard (64) und Christiane (55), haben sie die freundliche Übernahme der nächsten Generation mehr als ein Jahr lang geplant. Seit Anfang 2014 liegt die Verantwortung bei ihnen. „Wir haben alles gut überlegt. Die Kompetenzen sind geklärt und juristisch abgesichert“, sagt Julia Seemer. Das fängt beim Wohnrecht auf Lebenszeit für die Eltern an und hört bei der Gründung einer Unternehmergesellschaft, „viele haben nicht gewusst, was eine UG ist“, lange nicht auf.

Modernes Idyll

Heimatglück. Der Leitfaden soll sich im Haus und in den Zimmern, 24 Betten, wiederfinden. Rustikal, aber in der Zeit. „Ein modernes Idyll“, sagt Julia Seemer. „Hier finden wir uns wieder und müssen nicht in den Keller gehen, um Woll zu sagen. Das ist unsere Welt.“

Heimatglück. Eine Welt, die ohne Mitarbeiter nicht auskommt. Mit Aushilfen sind es 16. Sie sollen sich wie die Gäste fast wie zu Hause fühlen. Alexandra Weißenfels-Seemer: „Wir zahlen Mindestlohn und auch jede Überstunde, reagieren flexibel. Die Bedürfnisse der Mitarbeiter, ihre Wertschätzung ist uns wichtig. An reger Fluktuation sind wir nicht interessiert.“

Vorzeigebeispiel

Heimatglück. Thomas Weber, Geschäftsführer vom Sauerland-Tourismus, hört all dies gerne. Die Geschwister sind ein Vorzeigebeispiel dafür, wie es gelingen kann, einen Landgasthof in die Zukunft zu führen: „Wir setzen auf den Nachwuchs, wir brauchen ihn.“

Heimatglück. Das Sauerland-Handbuch für Gastgeber hat der 56-Jährige immer parat. Und eine Gastgeber-Werkstatt hilft, Lösungen für alle Fragen, von der Energieversorgung bis zur Lebensmittelhygiene, zu finden. „Es fällt nicht vom Himmel, ein attraktiver und profilierter Gastgeber in einer gut durchgestylten modernen Idylle zu sein.“ Weber weiß wie wichtig eine ansprechende Hotellerie und Gastronomie sind, um den Gästen zu gefallen, um all das, was das Sauerland im Winter wie im Sommer bietet, zum Blühen zu bringen.

Heimatglück. „Es ist ein Idealfall, wie es hier gelungen ist. Ausgebildete junge Leute kommen zurück in ihren Heimatort, wollen hier leben und den Gasthof der Eltern führen. Klasse. Das tut jedem Ort gut.“ Wer die Geschwister bei der Arbeit beobachtet, findet die Antwort: Heimatglück.

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