Umwelt

Der Sauerländer verbraucht nur 100 Liter Trinkwasser pro Tag

Ein Wassertropfen fällt in eine blaue Schüssel - so ist diese Aufnahme entstanden.

Ein Wassertropfen fällt in eine blaue Schüssel - so ist diese Aufnahme entstanden.

Foto: Jens Büttner / dpa

Meschede/Bestwig.  Im Hochsauerland wird weniger Trinkwasser verbraucht als im bundesdeutschen Durchschnitt - eine Suche nach den Gründen.

125 Liter - so viel Trinkwasser verbraucht jeder Einwohner in Deutschland pro Tag. Nicht nur zum Durstlöschen, sondern auch zum Duschen, Kochen, Putzen und bei weiteren alltäglichen Dingen. Im Hochsauerland sind diese Werte niedriger. Sie reichen von 99 Litern in Bestwig bis zu 105 Litern in Meschede (Stand: 2018).

Robert Dietrich, Technischer Geschäftsführer der Hochsauerlandwasser, sieht eine mögliche Ursache in der ländlichen Struktur: Anders als in Großstädten mit wenig Gärten oder Grünflächen besteht im heimischen Raum überwiegend eine Bebauung mit Ein- oder Zweifamilienhäusern, wo auch andere Wasserquellen genutzt werden können.

Die Regentonne, die vom Dach gespeist wird und die zur Bewässerung von Rasen oder Gärten dient, oder die direkte Entnahme aus den Gewässern, kommen häufig vor. Für diese Annahme spricht nach Dietrichs Ansicht, dass der Pro-Kopf-Verbrauch im Mescheder Stadtgebiet – mit recht großen bebauten Bereichen der Kernstadt und Freienohl – etwas höher liegt als zum Beispiel in Bestwig oder Olsberg.

Ein weiterer Punkt, der diese These stützt: Die Verbräuche sind auch im „Trockenjahr 2018“ nur im Mescheder Bereich spürbar angestiegen sind. „Das spricht dafür“, so Dietrich, „dass die Kundinnen und Kunden überwiegend andere Wasserquellen – wie etwa Gewässer – für den Garten genutzt oder aber die Bewässerung insgesamt eingeschränkt haben.“

Besteht eine Notwendigkeit im regenreichen Hochsauerland Wasser zu sparen? Die Antwort drauf ist nicht ganz einfach. Bei der Hochsauerlandwasser gilt die Versorgungssicherheit als hoch - in anderen Kommunen und bei örtlichen Interessengemeinschaften und Wasserbeschaffungsverbänden ist es dagegen in der Vergangenheit bei Trockenheit auch schon einmal knapp geworden.

Pflanzenschutzmittel und Medikamente

Allerdings gilt: „Wenn die Verbräuche immer weiter sinken, hat dies tendenziell zur Folge, dass das Abwasser wegen der geringen Menge nicht mehr alle Ablagerungen aus der Kanalisation spült“, sagt Jörg Fröhling, Pressesprecher der Hochsauerlandwasser. Langfristig könne dieser Effekt dazu führen, dass die Lebensdauer von Rohren sinkt.

Ökologisch wichtiger sei es, Einträge von Stoffen ins Wasser zu vermeiden, die dort nicht hingehörten - das Spektrum reiche dabei von Pflanzenschutzmitteln über ganz „normale“ Abfälle bis hin zu Medikamentenrückständen. Deren Vermeidung sorge für einen funktionierenden und weitgehend natürlichen Wasserkreislauf - und er senke Kosten. Fröhling: „Dazu kann jeder seinen Beitrag leisten, zum Beispiel, indem er nicht benötigte Medikamente nicht über die Toilette entsorgt oder bei einem Spaziergang Abfälle nicht einfach in die Natur wirft.“

Daten und Fakten

Das Versorgungsgebiet der HSW besteht aktuell aus mehr als 15 Gewinnungsanlagen, 32 Hochbehältern, rund 670 Kilometern Rohrleitungsnetz, rund 16.000 Hausanschlüssen sowie eine Vielzahl an Druckerhöhungsanlagen, Pumpstationen, Druckminder-, Kontroll- und Zählerschächten. Die zwei großen Wassergewinnungsanlagen an der Ruhr, Mengesohl und Stockhausen, wurden bereits bis Ende 2010 mit neuesten Filtrationsanlagen ausgestattet, seit 2016 ist das Wasserwerk Hennesee, ebenfalls mit modernsten Technologien, in Betrieb.

Insbesondere das Wasserwerk Hennesee sieht die Hochsauerlandwasser als wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit auch in längeren Trockenphasen. Damit es auch bei einem extrem niedrigen Pegelstand der Hennetalsperre ausreichend mit Rohwasser versorgt werden kann, ist im Herbst 2018 extra eine so genannte Druckerhöhungsanlage eingebaut worden.

Die HSW verkauft ihr Wasser nur Haushaltskunden. Auf dieser Basis hat sie den durchschnittlichen Verbrauch ausgerechnet. Dabei ist berücksichtigt, dass es in den Kommunen einige wenige Bürgerinnen und Bürger gibt, die nicht an das öffentliche Leitungsnetz angeschlossen sind – in Meschede sind dies 270 Menschen, in Bestwig 80 und in Olsberg 50.

Die Berechnung hat leichte Unschärfen: In Ferienhausgebieten zum Beispiel ist nicht klar, wie viele Menschen jeweils ein Gebäude bewohnen und für welche Dauer.

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