Gesellschaft

Der ungeliebte Name: Wie man ihn im HSK ändern kann

Wer mit seinem Namen unglücklich ist, kann versuchen, ihn beim Kreis ändern zu lassen.

Wer mit seinem Namen unglücklich ist, kann versuchen, ihn beim Kreis ändern zu lassen.

Foto: Martin Möller / WAZ

Meschede.   Namensänderungen haben die verschiedensten Ursachen. Nicht jeden Wunsch kann Margarete Schöttler, Mitarbeiterin des Kreises, erfüllen.

Penner, Ficker, Kotz. Da manche Namen Anlass zu frivolen Wortspielen bieten, können beim Hochsauerlandkreis Anträge auf eine Änderung gestellt werden. Generell gilt: Wer seinen Vor- oder Familiennamen ändern möchte, benötigt triftige Gründe.

„Nichtgefallen ist kein Grund“, erklärt Margarete Schöttler von der Namensänderungsbehörde des Kreises. Bei ihr laufen die Anträge ein, deutlich häufiger berät sie jedoch Bürger vorab am Telefon. Vor jeder Entscheidung wägt sie ab: Was ist gewichtiger: das private Interesse oder die öffentlich-rechtliche Namenskontinuität. Einige Beispiele:

1. Beispiel: Tragisches Erlebnis

In Schöttlers Büro fließen häufig Tränen. „Manche Antragsteller haben bereits eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Viele befinden sich auch in ärztlicher Behandlung“, sagt Schöttler. Beispielsweise, wenn sie zum Beispiel mit dem Namen traumatische Erlebnisse verbinden. Zum Beispiel nach sexuellem Missbrauch des Vaters.

2. Beispiel: Verschleierung

Wer seinen Namen ändern lassen möchte, wird von der Behörde überprüft. „Wir schauen, ob gegen den Antragsteller ermittelt wird, ob Gerichtsverfahren laufen oder ob er im Schuldnerverzeichnis auftaucht.“ Sollte dies der Fall sein, wird der Antrag abgelehnt, aufgrund der Verschleierungsgefahr.

3. Beispiel: Pflegefamilien

Die meisten Änderungswünsche betreffen Kinder, die in Pflegefamilien leben. „Wenn die Kinder auf Dauer in der Familie leben werden und eine Annahme als Kind nicht oder noch nicht in Frage kommt, kann eine namensrechtliche Eingliederung erfolgen“, so Margarete Schöttler. In diesen Fällen wird auch immer das Jugendamt und gegebenenfalls das Familiengericht beteiligt. Häufige Anfragen gibt es auch nach Scheidungen, wenn die Mutter wieder ihren Mädchennamen annimmt und die Kinder noch den Namen des Vaters tragen. „Auch hier wird immer im Einzelfall entschieden und das Jugendamt hinzugezogen“, sagt Margarete Schöttler.

4. Beispiel: Karl-Heinz

Wer Anna Lena heißt, aber lieber Lena Anna heißen möchte, kann dies seit dem 1. November beim zuständigen Standesamt ändern lassen. Zuvor mussten solche Änderungswünsche im Kreishaus beantragt werden. „Das war eine durchaus häufige Anfrage, bei Menschen mit mehreren Vornamen. Mit der neuen gesetzlichen Regelung, kann die Reihenfolge der Vornamen durch Erklärung gegenüber dem Standesamt neu bestimmt werden. Ausgenommen sind Vornamen, die mit einem Bindestrich versehen sind. Karl-Heinz bleibt Karl-Heinz.

5. Beispiel: Ausländische Namen

„Vor- oder Familiennamen, die außergewöhnlich schwierig zu schreiben oder auszusprechen sind, ebenso wie Doppelnamen und sehr lange oder besonders umständliche Familiennamen können einen wichtigen Grund zur Namensänderung darstellen“, erklärt Schöttler. Die Antragsteller hätten dann oft auch mit ganz simplen Problemen zu kämpfen: dass zum Beispiel die Post nicht ankommt.

6. Beispiel: Elisabeth

Eine betagte Dame meldete sich bei der Behörde. Sie lebte im Altersheim und hatte einen Wunsch: „Ich möchte mit meinem Rufnamen beerdigt werden.“ In ihrem Pass stand Elisabeth, ihre Freunde und Familie nannten sie immer Ella. Doch diesem Wunsch konnte Schöttler nicht entsprechen.


>>>HINTERGRUND

Beim Hochsauerlandkreis sind im laufenden Jahr bisher 19 Anträge auf Änderung eines Vor- bzw. Familiennamens eingegangen. Die Zahlen für die vergangenen Jahre waren etwas höher: 2017: 33, 2016: 53, 2015: 45, 2014: 46 Anträge. Die Zahl der unverbindlichen Anfragen ist viel höher.

Die Kosten für ein Namensänderungsverfahren belaufen sich bei Familiennamen auf bis zu 1022 Euro und bei Vornamen bis zu 255 Euro.

Wer mit dem Bescheid der Namensänderungsbehörde nicht einverstanden ist, kann dies gerichtlich anfechten.

Beantragt wird immer ein neuer Name. Beispiel: Jemand heißt Schwanz und möchte nun Schwarz heißen. „Ein Sammelname wie Müller oder Meier wäre nicht möglich“, erklärt Margarete Schöttler.

Für ausländische Staatsangehörige gilt das Namensänderungsgesetz nur ausnahmsweise bei bestimmten Personengruppen. Für die Änderung eines Namens ist jedoch immer ein wichtiger Grund erforderlich

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