Wahl

Die Mescheder Grünen wollen den Politikwechsel

Die Kandidaten der Mescheder Grünen bei der Vorstellung des Wahlprogramms von links Katharina Bischke, Dr. Ing. Behdad Ariatabar, Dr. Parisa Ariatabar, Claudia Hollenhorst, Christian Förster, Hans-Theo Körner und Wolfgang Schröter.

Die Kandidaten der Mescheder Grünen bei der Vorstellung des Wahlprogramms von links Katharina Bischke, Dr. Ing. Behdad Ariatabar, Dr. Parisa Ariatabar, Claudia Hollenhorst, Christian Förster, Hans-Theo Körner und Wolfgang Schröter.

Foto: Ute Tolksdorf

Meschede.  Mit bekannten Themen, aber neuen Gesichtern gehen die Mescheder Grünen in den Wahlkampf. Wie sie die Windkraft verteidigen.

Zwei Sitze und knapp sechs Prozent haben die Grünen bei der Kommunalwahl im Mai 2014 erreicht. Am 13. September sollen es deutlich mehr werden. „Mindestens zehn Prozent und damit vier Sitze müssten möglich sein, wenn man auf die Zahlen in Bund und Land sieht“, sagt Parisa Ariatabar selbstbewusst. Die 32-Jährige ist Spitzenkandidatin der Grünen. „Wir wollen einen Politikwechsel“, ergänzt Sprecher Hans-Theo Körner, „und damit die absolute Mehrheit der CDU brechen.“ Dazu gehöre auch die Abwahl von Bürgermeister Christoph Weber, auch wenn die Partei keine Empfehlung für einen eigenen Bürgermeisterkandidaten gibt. Noch nicht gibt: „Das wird erst mit der Stichwahl interessant.“

Windkraft

Umweltschutz, Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind die Themen, mit denen die Grünen bei der Kommunalwahl am 13. September punkten wollen. Dafür haben sie sich stark verjüngt und wagen mit neuen Mitstreitern einen Neuanfang. Und ja, auch die Windkraft steht - neben dem Ausbau der Photovoltaik - im Programm. „Wir wollen aber keine Verspargelung der Landschaft, sondern einen Energiemix mit Augenmaß“, betont Körner.

„Wir reden hier nicht über Windparks, sondern in Remblinghausen und Freienohl über drei bis vier Anlagen.“ Eine Entwicklung, die auch Behdad Ariatabar vehement und mit einem Seitenhieb auf die FDP unterstützt. „Auch wenn es manche anders behaupten: Es gibt bereits Speichertechnologien, und es ist wichtig, dass Deutschland da seinen technologischen Vorsprung weiter ausbaut. Windenergie ist möglich, sinnvoll und kostengünstig.“

Seine Frau unterstützt ihn: „Windräder beeinträchtigen das Landschaftsbild, aber der Borkenkäferbefall tut es auch.“ Eine Folge des Klimawandels, die man gerade in einer Stadt wie Meschede sehe und umso entschiedener durch umweltfreundliche Maßnahmen bekämpfen müsse. „Wir brauchen viel mehr erneuerbare Energien“, ergänzt Christian Förster. „Irgendetwas müssen wir ja tun, um die Klimaziele zu erreichen.“

Naturschutz

Für den Naturschutz wollen die Grünen zudem, dass die vom Borkenkäfer befallenen Flächen des Stadtwaldes mit klimaresistenten Bäumen aufgeforstet werden. Baumpatenschaften für Neugeborene, Kitas und Schulen sollen die Verbundenheit zur Natur schon bei den Kleinsten stärken. Über das Planungsrecht soll der Flächenverbrauch gesenkt werden. Dafür müsse die Vergabe in den Gewerbegebieten besser gesteuert werden. „Nachhaltigkeit und Arbeitsplätze sollten da die wichtigsten Kriterien sein“, sagt Hans-Theo Körner. Man müsse auch nicht unbedingt in die Fläche bauen, sondern auch in die Höhe, ergänzt Katharina Bischke. „Und nicht jede Fläche muss komplett versiegelt werden.“ Daneben sei es wichtig junge, Ingenieure, die nachhaltige und grüne Projekte vorantreiben wollen, zu fördern, ergänzt Christian Förster. „Wir haben doch hier die FH, wir haben die richtigen Studienfächer.“

Soziale Gerechtigkeit

Daneben sind es die sozialen Themen, die die Grünen vorantreiben wollen. „Die zunehmende Armut bedroht den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont Wolfgang Schröter. Man müsse viel mehr darauf schauen, wo es auch in Meschede Menschen gebe, die nicht mitgenommen würden. „Es gibt beispielsweise zu wenig kleine, bezahlbare Wohnungen.“ Auch wenn ihm klar sei, dass da vieles von der Bundes- und Landespolitik abhänge, könnte die Stadt im Zusammenspiel mit der Siedlungs- und Baugesellschaft Anreize setzen.

Wo die einen den großen Bogen zur Landes- und Bundespolitik schlagen, will Claudia Hollenhorst im Kleinen Veränderung bewirken. Sie wirbt für mehr Umweltbewusstsein bei der Ernährung, weniger Chemie im Haushalt und naturnahes Gärtnern. Steingärten sind ihr ein Graus.

Außerdem müssten Bürger stärker motiviert werden, sich an der Gestaltung ihrer Stadt zu beteiligen. Zwar gebe es die Stadtgespräche, sagt Parisa Ariatabar, aber die seien zu wenig bekannt. Das passe auch zu einer Forderung, die sich sofort umsetzen lasse: Die Einrichtung einer echten Willkommenskultur, beispielsweise einen Empfang für alle Neubürger, egal ob gut ausgebildete Fachleute, Geflüchtete Neubürger oder Rückkehrer. „Meschede hat da doch viel zu bieten“, betont Bischke.

>>>HINTERGRUND

Dr. Parisa Ariatabar, die Spitzenkandidatin der Mescheder Grünen, ist ein politisch bisher unbeschriebenes Blatt. 2018 im Oktober zog die Zahnärztin mit ihrem Mann Behdad Ariatabar nach Meschede. Der promovierte Ingenieur arbeitet bei Martinrea-Honsel.

„Wir wurden hier von Grünen-Sympathisanten zu Grünen-Mitgliedern“, berichtet die 32-Jährige. Schnell hätten sie und ihr Mann in der Partei eine politische Heimat gefunden. Attraktiv für beide sei die Möglichkeit, ihre neue Heimatstadt mitzugestalten.

Das Paar hat iranische Wurzeln. Parisa Ariatabar wurde in Berlin geboren, schon ihre Eltern haben dort studiert. Ihr Mann kam 2005 zum Studium nach Aachen. Parisa Ariatabar belegt Platz eins der Reserveliste, ihr Mann Platz neun. Die Familie vergrößerte sich im Juni um eine kleine Tochter, für sie ist die 32-jährige Kieferorthopädin zurzeit in Elternzeit.

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