Traditionen

Die Mescheder Verehrung für den Brückenheiligen aus Prag

Der heilige Johannes Nepomuk in Meschede auf der Ruhrbrücke.           

Der heilige Johannes Nepomuk in Meschede auf der Ruhrbrücke.           

Foto: Sabina Butz

Meschede.  Ein reicher Erbonkel aus Prag vermacht einem Mescheder eine Reliquie des heiligen Nepomuk. Wie es dazu kam.

Nepomuk gilt als Brückenheiliger. In Meschede findet man ihn an verschiedenen Stellen - unter anderem an der Ruhrbrücke. Was hat es mit der Verehrung für den Heiligen auf sich?

Der Erblasser aus Prag

Eigentlich könnte sich die ganze Geschichte auch heute genauso zutragen: Ein reicher, kinderloser Mann, in Meschede geboren, stirbt 600 km entfernt, sagen wir in Prag. Sein ebenfalls in Meschede geborener Neffe, als Bürgermeister einer benachbarten Stadt, bestimmt selbst nicht unvermögend, macht sich auf den Weg, um die Erbangelegenheiten zu regeln.

In Prag lernt er einen Freund seines verstorbenen Onkels kennen, der ihm für die Mescheder Stiftskirche St. Walburga ein Geschenk anvertraut, das die Verbundenheit des Erblassers mit seiner Heimat bezeugen soll.

Der Erbe aus Meschede

Der Erbe, er hieß Franz Michael Eberhard Hengesbach, übergibt das kostbare Geschenk ordnungsgemäß an den Thesaurarius (Schatzmeister) des Stiftes Meschede. Der Wert lässt sich kaum schätzen. Damals (1751) übergab er dem Stiftsschatzmeister eine Reliquie: ein Partikel des Heiligen Johannes Nepomuk.

Es fällt uns heute schwer, die Bedeutung solcher Reliquien im 18. Jahrhundert nachzuvollziehen. Eine Reliquie diente nämlich nicht nur der besonderen Verehrung, sondern sie sicherte auch eine spezielle Schutzfunktion des oder der Heiligen.

Der Heilige aus Prag

Johannes Nepomuk war Schutzheiliger der Brücken, weil er im März 1393 auf Geheiß Königs Wenzel IV. verhört, gefoltert, gefesselt und halbtot von der berühmten Karlsbrücke in die Moldau gestürzt wurde. Sein Leichnam wurde geborgen.

Sein Widerstand gegen den böhmischen König und sein Eintreten für die Rechte der Kirche führten 1721 zur Seligsprechung und 1729 zur Heiligsprechung. Neben dem ihm zugesprochenen Brückenpatronat wurde ihm die Wahrung des Beichtgeheimnisses als besonders verehrenswert angerechnet.

Der Legende nach soll er sich nämlich geweigert haben, seinem König preiszugeben, was dessen Gattin (Sophie von Bayern) ihm gebeichtet hatte.

Eine schöne Legende, aber mehr auch nicht, da sie sich historisch nicht belegen lässt.

Die Statue auf der Ruhrbrücke in Meschede

Johannes Nepomuk ist im Mescheder Stadtbild fest verankert: Seine Statue an der Ruhrbrücke in der Fritz-Honsel-Straße, sie stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, erinnert an seine Brücken-Schutzfunktion. In Meschede schätzt man den Heiligen Johannes Nepomuk und hält gern an dieser alten Tradition fest. Die Reliquie ist bis heute in der Monstranz erhalten, die am Festtag des Heiligen Johannes Nepomuk (16. Mai) zur Verehrung ausgestellt wird.

HINTERGRUND

Eine fundierte Analyse der Mescheder Nepomuk-Verehrung von Pfarrer Michael Schmitt findet man im Band 18/2018 des Südwestfalen Archivs unter dem Titel: „Die besondere, barocke Verehrung des Hl. Johannes Nepomuk in Meschede“.

Das Südwestfalen Archiv kann im Stadtarchiv Arnsberg oder in örtlichen Buchhandlungen erworben werden.

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