Justiz

Direktorin Helga Arens geht in den Ruhestand

Das Amtsgericht in Bad Fredeburg

Das Amtsgericht in Bad Fredeburg

Foto: Manfred Hagedorn

Bad Fredeburg.   Helga Arens, die Direktorin des Amtsgerichts Schmallenberg in Bad Fredeburg, hat sich am gestrigen Freitag mit einer kleinen Feier von ihren Kollegen verabschiedet. Bereits seit dem 1. Januar ist die 64-Jährige im Ruhestand. Mit unserer Zeitung sprach sie darüber, ob es schwierig ist, ein Urteil zu fällen und warum sie zunächst gar nicht in ihrer Heimatstadt arbeiten wollte.

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Frage: Sie sind gebürtige Schmallenbergerin. War es auch schon mal schwierig, Richterin in der Heimatstadt zu sein?

Helga Arens: Ursprünglich hatte ich tatsächlich nicht den Wunsch, zurückzukommen. Ich hatte schon die Befürchtung, dass man befangen sein könnte. Das ist aber nie ein Problem gewesen.

Eine Frau als Direktorin am Amtsgericht – ist das eher noch die Ausnahme?

Nein, das nicht, aber es gibt natürlich immer noch mehr Männer als Frauen unter den Direktoren. Als ich angefangen habe, waren wir zu zweit in unserem Landgerichtsbezirk – die Direktorin des Amtsgerichts in Warstein und ich. Dann war ich einige Jahre die einzige Frau und mittlerweile gibt es am Amtsgericht Meschede mit Charlotte Merz noch eine Direktorin. Das habe ich aber auch nie als schwierig empfunden. Unter den Kollegen (Direktoren) herrscht ein sehr gutes Verhältnis.

Sie haben auch in größeren Städten wie Essen, Münster und Siegen gearbeitet. Ist das Arbeiten an einem Gericht in der Stadt anders als im ländlichen Raum?

Ein Vergleich ist schwierig, da ich in Münster und Siegen als Richterin am Landgericht gearbeitet habe und die Fälle schon aus diesem Grund eine andere Tragweite hatten. Da ging es um Mord und Totschlag. In Essen habe ich zwar am Amtsgericht gearbeitet, war dort aber für Verkehrsstrafsachen zuständig. Ein deutlicher Unterschied ist aber das Verhältnis der Anwälte zum Gericht. Das ist in der Stadt wesentlich härter, während auf dem Land – zumindest nach meinen Erfahrungen – ein absolutes Vertrauensverhältnis besteht.

Hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert?

Ja, die Belastung ist wesentlich höher geworden. Einerseits muss ein Richter mehr Fälle bearbeiten, andererseits ist es aber auch mit den Angeklagten schwieriger geworden. Wer früher vor Gericht musste, erschien im Anzug. Die Achtung vor dem Gericht war einfach viel größer. Mit Blick auf meinen Aufgabenbereich (Zivil- und Betreuungssachen) kann ich auch sagen, dass man heute mehr streitet als früher. Da spielen natürlich auch Rechtsschutzversicherungen eine Rolle. Mit dem Internethandel ist zudem ein ganz neuer Aufgabenbereich hinzugekommen.

Ist es manchmal auch schwierig gewesen, ein Urteil zu sprechen, weil man nicht weiß, wer nun die Wahrheit sagt?

Mein Naturell ist, dass ich mich gut entscheiden kann. Aber es gab natürlich auch Fälle, bei denen es schwieriger war. Menschenkenntnis und ein gutes Gespür sind für einen Richter wichtig und die Erfahrung spielt mit der Zeit eine große Rolle. Ein Berufsanfänger beginnt zunächst am Landgericht in der Kammer. Dort sitzt er mit vier oder fünf Kollegen zusammen. In der Ausbildung lernt man zudem spezielle Techniken in der Befragung von Zeugen. In schwierigen Fällen, wie zum Beispiel bei Kindesmissbrauch, werden häufig auch Sachverständige wie Psychologen hinzugezogen.

Nimmt man Fälle auch schon mal mit nach Hause?

Man lässt nicht alle Fälle vor Gericht. Ich habe schwierige Entscheidungen immer im Vorfeld im Kopf reifen lassen, bin dann zum Beispiel spazieren gegangen und habe mir oft auch Arbeit mit nach Hause genommen. Aber dass ich im Nachhinein an einer Entscheidung gezweifelt habe, das war nie der Fall.

Wollten Sie denn immer schon Richterin werden?

Ja. Mit dem Abitur wusste ich, dass ich Jura studieren und damit Richterin – und nichts anderes – werden wollte. Und das habe ich nicht einen Tag bereut.

Haben Sie Angst, dass Sie sich im Ruhestand langweilen werden?

Nein. Ich habe so viele Interessen: Reisen, Wandern, die Arbeit im Garten und wir haben einen Hund. Ich werde die Zeit genießen. Und ich freue mich darauf, zeitlich nicht mehr so unter Druck zu stehen.

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