BUNDESTAG

Dirk Wiese (SPD): „Abgerechnet wird erst am Wahlabend“

Dirk Wiese tritt als Kandidat der SPD im Hochsauerlandkreis an.Foto: Oliver Eickhoff

Dirk Wiese tritt als Kandidat der SPD im Hochsauerlandkreis an.Foto: Oliver Eickhoff

Meschede.   Dass Dirk Wiese (SPD) wieder in den Bundestag einzieht, ist relativ sicher. Aber wird Martin Schulz Kanzler? Wiese hofft darauf.

Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren hatte Dirk Wiese eine besonders lange Nacht. Erst in den frühen Morgenstunden stand fest, dass er als Abgeordneter für die SPD in den Bundestag einziehen wird. Dieses Mal wird der Briloner nicht so lange ausharren müssen: Er ist auf Listenplatz 13 seiner Partei. Sein Einzug gilt damit als sicher. Mit uns sprach er darüber, wie er mehr Rot ins Sauerland bringen möchte.

Der Schulz-Effekt ist wieder verpufft. Kann die SPD noch den Kanzler stellen?

Realistisch abgerechnet wird erst am Wahlabend. Es gibt im Moment immer noch sehr viele Unentschlossene, der Vorsprung der CDU kann schmelzen. Aus meiner Sicht war es ein Fehler, dass Martin Schulz im Mai nicht von unserer damaligen Spitzenkandidatin Hannelore Kraft zum NRW-Wahlkampf eingeladen worden ist. Das hat zu einem Knick beigetragen. Vielleicht kommt es zu einer Ampel-Koalition mit FDP und Grünen. Ein rot-rot-grünes Bündnis ist dagegen aus meiner Sicht schwierig und wenig realistisch, weil Teile der Linkspartei im Westen die SPD als Hauptgegner sehen. Bis zum 24. September wird jetzt aber erst einmal um jede Stimme für die SPD gekämpft.

Sie sind parlamentarischer Staatssekretär mit nur 34 Jahren. Angenommen, die große Koalition würde vorgesetzt und es würde Ihnen ein Amt als Minister angeboten - was dann?

Dann müsste ich zuallererst mit meiner Frau darüber sprechen. Das ist aber Theorie. Ich bleibe mit beiden Beinen auf dem Boden - sauerländisch eben.

Was motiviert Sie, den HSK im Bundestag in Berlin vertreten zu wollen?

Dass ich sehr viel für diese Region erreichen kann. Meine Familie und meine Freunde leben hier. Ich möchte dazu beitragen, dass das Sauerland liebens- und lebenswert bleibt. Hierfür habe ich auch einen Zehn-Punkte-Plan für die Region entwickelt, der auch auf meiner Homepage steht.

Mit welchen Erwartungen der Menschen im HSK sehen Sie sich konfrontiert?

Ich höre oft die Sorge, dass die Rente nicht zum Leben reicht. Für mich bedeutet das: Das Niveau darf nicht unter 48 Prozent sinken. Gerechtigkeit ist ein weiteres Thema, zum Beispiel sollten Arbeitgeber wieder die Hälfte zum Beitrag der Krankenkasse zahlen. Dann geht es um den Ausbau der Infrastruktur und um Fachkräftemangel. Auch über Asyl wird gesprochen: Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz und müssen die Daumenschrauben gegen Staaten anziehen, die Kriminelle nicht zurücknehmen.

An welchen Stellen in Berlin würden Sie als Bundestagsabgeordneter Akzente setzen wollen?

Ich möchte, dass Südwestfalen wirtschaftlich erfolgreich bleibt. Wir müssen unsere Infrastruktur weiter verbessen und ich sehe Schwierigkeiten in der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum auf uns zukommen. Bei der Inneren Sicherheit müssen wir dafür sorgen, dass alle Wachen im Hochsauerland erhalten bleiben.

Tut dem Land eine Große Koalition gut?

Nein, auf Dauer nicht. Das sollte die Ausnahme bleiben, denn dadurch werden die politischen Ränder gestärkt. Wir haben allerdings in den vergangenen Jahren keine schlechte Arbeit geleistet - zumal sich die SPD aus meiner Sicht zu 70 Prozent im Koalitionsvertrag gegen die CDU durchgesetzt hat.

Wie definieren Sie gute Oppositionsarbeit?

Wenn man jeden Tag fähig wäre, die Regierung zu übernehmen. Dafür müssen geeignete Konzepte vorliegen. Bei der Linkspartei hatte ich den Eindruck, dass sie die SPD-Forderungen unrealistisch nur aus Prinzip übertrumpfen wollen. Die Grünen waren sehr damit beschäftigt, ihre Spitzenkandidaten zu finden.

Hat Frau Merkel Fehler gemacht in der Asylkrise und hat die SPD an dieser Stelle nicht genug korrigiert?

Frau Merkel hätte 2015 ein besserer europäischer Partner sein müssen. Sie hat zu viele Alleingänge unternommen, insbesondere in der Finanz- und Eurokrise. Als Reaktion zeigen einige Staaten in der Flüchtlingskrise ebenfalls keine Solidarität mehr. Wir haben als SPD versucht dagegen zu steuern. Der Mehrwert Europas hat durch das Verhalten der Kanzlerin gelitten.

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