Telekom

Dorfgemeinschaft seit zwei Wochen ohne Handy und Festnetz

Die Menschen in Latrop können seit mehr als zwei Wochen nicht telefonieren - weder mit dem Handy noch mit dem Festnetz-Telefon. Sie fühlen sich abgeschnitten von der Außenwelt und fordern Antworten von der Telekom.  

Die Menschen in Latrop können seit mehr als zwei Wochen nicht telefonieren - weder mit dem Handy noch mit dem Festnetz-Telefon. Sie fühlen sich abgeschnitten von der Außenwelt und fordern Antworten von der Telekom.  

Latrop.   Kein Anschluss unter dieser Nummer: In Latrop funktionieren seit zwei Wochen weder Handy noch Festnetz. Die Telekom macht wenig Hoffnungen.

Eine komplette Dorfgemeinschaft ist quasi abgeschnitten von der Außenwelt - und das seit mehr als zwei Wochen. Seit dem 14. Januar zeigen die Handys der Latroper die Nachricht „Kein Netz“ an. Das Telefonieren - sowohl über das Festnetz als auch mit dem Handy - ist nicht möglich. „Was wenn irgendwas Schlimmes hier passiert?“, fragt Heike Cremer besorgt. „Wir könnten nicht mal den Notruf wählen“, sagt sie.

Fast alle Dorfbewohner sind von der Störung betroffen. „Ein untragbarer Zustand“, findet auch Andreas Achenbach, Projektleiter für das Husky-Projekt aus Latrop. „Man ist hier nicht mehr zu erreichen. Um zu telefonieren, müssen wir fast bis nach Fleckenberg fahren.“ Von der Telekom werde man immer nur weiter vertröstet. Einen Termin, an dem die Störung behoben sein soll, gibt es nicht.

Nicht mehr im Ort erreichbar

Zuerst aufgetreten ist das Problem am 14. Januar, erinnert sich Heike Cremer. Sie leitet die Pension „Latröpchen“. „Nicht nur, dass mich interessierte Urlauber außer per Mail nicht mehr erreichen können, es haben auch schon Geschäftsleute ihre Reise hierher abgesagt, weil es kein Netz gibt“, erklärt sie das Problem. Besucher könnten zudem nicht mehr mit Karte, sondern nur noch Bar zahlen.

„Ich habe schon etliche Mails an die Telekom geschrieben, und ich werde weiterschreiben“, sagt sie verärgert. Am 17. Januar sei bereits ein Techniker bei ihr gewesen. „Laut ihm gibt es einen Leitungsschaden, der nur durch größere Bauarbeiten behoben werden kann“, erinnert sie sich. Seit seinem Besuch hat sich nichts getan, weder bei Heike Cremer, noch bei den übrigen Latropern. „Kurze Zeit ging das Telefon, dann war die Leitung sofort wieder tot“, sagt Cremer.

Die Verärgerung über das Vorgehen der Telekom ist bei allen Dorfbewohnern groß - schließlich sei Latrop ein Touristenort. „Hier gibt es zahlreiche Pensionen, Hotels und Gasthöfe oder auch selbstständige Menschen, die hier arbeiten wollen. In der aktuellen Situation ist das aber nicht möglich“, so Achenbach. Lediglich der Kontakt über Mail funktioniere - „und das auch nur, weil das Internet nicht über die Telekom läuft“, betont der Latroper Georg Hebbecker. Denn das Internet funktioniere über eine Richtfunkverbindung.

Sauer über Antworten der Telekom

Besonders sauer sind die Latroper aber über die Antworten, die sie bisher von der Telekom bekommen haben. Am 29. Januar schrieb die Service-Center-Technik beispielsweise an Andreas Achenbach: „Leider besteht die Beeinträchtigung weiterhin. Grundsätzlich werden voraussichtliche Termine generiert, welche mitunter nicht der Realität entsprechen (...) Zudem sind Störungen, bzw. Umbauten, Modernisierungen etc. kundenseitig mitzutragen, da es nicht möglich ist, für den Zeitraum der Arbeiten Ersatzstandorte einzurichten, die auch noch genauso funktionieren, wie der tatsächliche Sender.“

Antwort der Telekom: Das Wetter

„In Schmallenberg Latrop können einige Kunden nicht wie gewohnt telefonieren und das Internet nutzen. Ursache für die Störung ist Wasser, das in ein Kabel eingedrungen ist“, teilte die Pressestelle der Telekom auf Anfrage dieser Zeitung mit.

Die Störung sei sehr aufwendig: Zunächst müsse der Fehler aufwändig eingemessen beziehungsweise lokalisiert werden. „Das Hauptkabel ist durch den Wald verlegt worden und der Wirtschaftsweg wegen einer 10 Zentimeter dicken Eisschicht nicht befahrbar. Eine Entstörung ist erst bei höheren Temperaturen möglich“, so die Telekom.

60 bis 70 Zentimeter Bodenfrost

Leider seien auch keine Ersatzschaltemaßnahmen möglich. „Das Störungsende ist witterungsbedingt unbekannt, da momentan 60 bis 70 Zentimeter Bodenfrost herrschen und wir auf Tauwetter hoffen“, heißt es weiter.

Die Telekom bedauere die Unannehmlichkeiten für die betroffenen Kunden und bittet weiterhin um Geduld. Im Fall einer längeren Störung sollen sich betroffene Kunden an die Kundenhotline unter der 0800/ 3301000 wenden und sich eine vorübergehende Rufumleitung auf ihr Handy legen lassen.

Ärger bleibt

Dass das so nicht sein kann, darüber sind sich alle in Latrop einig: „Wir haben Verständnis, dass mal etwas kaputt gehen kann. Aber das man so lange von der Außenwelt abgeschnitten ist, das kann ja nicht sein“, sagt Achenbach. „Von der Telekom gibt es überhaupt keine Wertschätzung für die Kunden.“ Auf mehrere Nachfragen habe die Telekom versichert, dass das Problem bald behoben werde, „bisher war aber niemand mehr hier. Es passiert einfach nichts“, sagen die Latroper. „Wir können nur hoffen, dass sich jetzt bald etwas tut.“

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