Ehrenamt

Dorfwerkstatt Ostwig: Mit Schüppen im Einsatz für die Heimat

Drei Männer der Dorfwerkstatt im Einsatz: Paul Theo Sommer, Hubert Strube undWerner Nübold.  

Drei Männer der Dorfwerkstatt im Einsatz: Paul Theo Sommer, Hubert Strube undWerner Nübold.  

Foto: Frank Selter

Ostwig.   Die Ostwiger wissen, wie Dorfgemeinschaft funktioniert. Die eigene Dorfwerkstatt ist dafür einmal mehr ein eindrucksvoller Beweis.

Leise plätschert das Wasser der Elpe hinter der Ostwiger Schützenhalle. Die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel. In den Bäumen zwitschern die Meisen. Idylle pur. Vorbei ist es damit, als die Männer und Frauen der Dorfwerkstatt mit Harken, Schüppen und Schubkarren anrücken. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, den Elpeweg auf Vordermann zu bringen. Bevor sie sich auf der beliebten Spazierstrecke ehrenamtlich an die Arbeit machen, werden aber erst einmal zwei Getränkekisten im kühlen Fluss deponiert. Für später.

Wie ein kleiner dorfeigener Bauhof

Aus 20 Leute besteht die Dorfwerkstatt inzwischen. Mit dabei sind Männer, Frauen und Kinder. Sie kümmern sich um die Pflege der öffentlichen Grünanlagen, der Wanderwege und der Ruheplätze im Ort. Ehrenamtlich. Die Gruppe engagierter Ostwiger ist so etwas wie ein kleiner dorfeigener Bauhof. Entstanden ist sie auf Initiative von Ortsvorsteher Manfred Ramspott. Und der greift natürlich auch selbst zur Schüppe. „Der gemeindliche Bauhof kann das ja alles gar nicht mehr leisten“, sagt er.

Gute Zusammenarbeit

Dabei ist es keineswegs so, dass sich die Männer der Gemeinde seit der Gründung der ehrenamtlichen Dorfwerkstatt in Ostwig gar nicht mehr blicken lassen. „Wir arbeiten Hand in Hand“, erklärt Ramspott und hat direkt ein Beispiel parat. So habe die Gemeinde die Beete an den drei Überquerungshilfen auf der Hauptstraße bepflanzt. Die Dorfwerkstatt übernimmt die Pflege und zupft das Unkraut.

Ähnlich ist es beim schmucken Dorfplatz im Schatten der Kirche. Dort hatten sich die Ostwiger im Rahmen der Sanierung viele Beete gewünscht. Die haben sie bekommen - unter der Voraussetzung, dass sie sich selbst um die Pflege kümmern. Ein Fall für die Dorfwerkstatt. Das Aufstellen der neuen schmucken Wegweiser, die seit einiger Zeit an markanten Stellen des Ortes auf die Sehenswürdigkeiten hinweisen - auch ein Fall für die Dorfwerkstatt, ebenso wie die Ortseingangstafeln und die Wandertafeln. Inzwischen hat sich die Dorfwerkstatt bereits einen eigenen Anhänger und einen Motor-Freischneider zugelegt. Das Geld für die Anschaffung stammt aus den Dorfverschönerungsmitteln, die Ramspott jährlich von der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommt, sowie aus dem Erlösen der Ehrenamtskneipe „Kumm rin“.

Ausgleich zum Bürojob

Bereits vor zwei Jahren hat die Dorfwerkstatt eine Zuwegung vom Elpeweg zum Friedhof geschaffen. Jetzt sind die Männer dabei, auf der beliebten Strecke entlang der renaturierten Elpe die Stolperfallen zu beseitigen und den Weg zu verbreitern. Der 66-jährige Werner Nübold ist einer der fleißigen Helfer. „Ich bin gesund, ich bin Rentner und ich habe Zeit“, sagt er, während er mit der Armbeuge lässig auf dem Stil der Schüppe lehnt. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit, sich im Dorf ehrenamtlich einzubringen. „Ich komme aus dem öffentlichen Dienst und weiß daher, wie schwierig es ist, Menschen in ihrer Freizeit für solche Aufgaben zu gewinnen.“

Martin Rabe hingegen ist noch berufstätig. Damit hat der 56-Jährige zwar nicht ganz so viel Zeit wie Nübold. „Für mich ist die Arbeit nach meinem täglichen Bürojob aber ein guter Ausgleich“, sagt er. Außerdem mache es Spaß, betont Rabe und schwärmt von der guten Gemeinschaft.

Auch der jährliche Aufbau des Tretbeckens in der Elpe, das die Fremdenverkehrsgemeinschaft Ostwig seinerzeit unter Federführung von Franz Bültmann errichtet hat, gehört mittlerweile zu den Aufgaben der Dorfwerkstatt.

„Die Arbeit geht uns nicht aus“, sagt Manfred Ramspott und lacht, während seine Mitstreiter im Hintergrund den Split aus der Schubkarre kippen und mit der Harke glatt ziehen. Dann ist Ramspott auch schon wieder verschwunden. Selbst mit anpacken. Heute wird jede Hand gebraucht. Das Abmelden vom Arbeitseinsatz läuft übrigens ganz unbürokratisch: „Wer nicht kann, ruft einfach eben kurz durch“. Eine Strafe gibt es dann zwar nicht. „Am Ende des Tages gibt’s dann aber eben auch kein Bierchen“, sagt Hubert Strube und schmunzelt.

Strecke für Radfahrer neuerdings gesperrt

Der Elpeweg ist seit einiger Zeit für Radfahrer gesperrt, weil es immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen ihnen und vor allem älteren Spaziergängern gekommen ist. Ortsvorsteher Manfred Ramspott bittet um Verständnis und gleichzeitig darum, sich an das neue Verbot zu halten.

Gegründet worden ist die Dorfwerkstatt vor zwei Jahren i m Zuge des Dorfnetzwerkes „Hand in Hand“. Über einen Fragebogen waren Männer und Frauen gesucht worden, die Lust haben, sich in besonderer Weise für die Pflege der öffentlichen Grünanlagen, der Wanderwege oder der Ruheplätze in und um den Ort einzusetzen. Ergebnis: 13 Ostwiger hatten damals angekreuzt „Da bin ich dabei“. 21 weitere „Das könnte ich mir vorstellen“.

Mit dem Bürgernetzwerk „Hand in Hand“ werden Menschen zu Nachbarn gemacht, die gar nicht nebeneinander wohnen. Wer Hilfe braucht, soll sie über das Netzwerk bekommen - sei es bei der Vorbereitung einer Feier, beim Gang zur Behörde, bei Problemen mit dem Computer oder einem tropfenden Wasserhahn. Es geht dabei in erster Linie um die kleinen Gefälligkeiten des Alltags. Der Heimat- und Förderverein hat hierfür eine eigene Telefonnummer geschaltet und kümmert sich um die Koordinierung von Angebot und Nachfrage.

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