Präventionsbeauftragte

„Durch Präventionsarbeit mögliche Täter abschrecken“

Verena Grobbel aus Fleckenberg ist Präventionsfachkraft für den Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe

Verena Grobbel aus Fleckenberg ist Präventionsfachkraft für den Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe

Foto: Laura Handke

Schmallenberg.   Verena Grobbel leistet Präventionsarbeit im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe im Bereich sexualisierte Gewalt. Einblicke in ihre Arbeit

Die Jugendlichen tuscheln, schauen verstohlen auf ihre Handys und senden sich Bilder: Nacktfotos. Ein Fall für Verena Grobbel. Sie ist Präventionsfachkraft im Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe und beschäftigt sich mit sexualisierter Gewalt - gegenüber Jugendlichen, unter Jugendlichen aber auch bei Erwachsenen.

Zu ihren wichtigsten Aufgabenbereichen gehören das Thema sexualisierte Gewalt, Missbrauch sowie Präventionsarbeit. Im Interview gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit.

Sie engagieren sich als Präventionsfachkraft - ein ungewöhnliches Ehrenamt. Wie kommt man dazu?

Verena Grobbel: Mittlerweile bin ich seit fast vier Jahren in diesem Bereich tätig. Ich habe den Jugendtreff Schmallenberger Land geleitet und hatte dort schon viel mit dem Thema Prävention zu tun.

Als 2010 eine Welle von Missbrauchsfällen in der Kirche bekannt wurde, habe ich meine erste Schulung gemacht. Als 2015 eine Gemeindereferentin versetzt wurde, wurde ich von Pfarrer Schröder angesprochen, ob ich die Aufgabe künftig für den Pastoralverbund übernehmen kann.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Um Präventionsfachkraft zu werden, muss man vom Träger dazu benannt werden und an einer mehrtägigen Schulung des Erzbistums teilnehmen. Man muss jemand sein, dem sich die Ehrenamtlichen in der Gemeindearbeit aber auch Kinder, Jugendliche oder Erwachsene anvertrauen können.

Zu vielen hatte ich schon vorher einen guten Draht, durch meine Arbeit im Jugendtreff. Die Ehrenamtler müssen wissen, dass sie jemanden haben, an den sie sich bei einem Verdacht, in einem Missbrauchsfall oder bei „sexualisierter Gewalt“ wenden können.

Sie sprechen von sexualisierter Gewalt, was fällt genau darunter?

Es gibt verschiedene Arten. Es fängt an bei unüberlegter Grenzüberschreitung, einem versehentlichem Körperkontakt, Beleidigungen oder Nacktfotos, die verschickt werden. Die schlimmste Form sind sexuelle Übergriffe.

Haben Sie so einen Fall hier schon einmal erlebt?

Nein. Bisher noch nicht.

Wären Sie vorbereitet? Wie würde Betroffenen geholfen werden?

Das ist ein ganz sensibles Thema. Früher ist leider viel unter den Teppich gekehrt worden und die Betroffenen haben keine Hilfe bekommen. Das wäre heute nicht mehr so.

Hier würde man Hilfe bekommen! Wir haben ein gutes Netzwerk vor Ort und gehen sehr sensibel mit dem Thema um - aber auch offen. Es gibt dann bestimmte Vorgaben, wie man vorgehen muss. Ich weiß, dass ich vorbereitet bin. Das hilft mir.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Mein Aufgabenspektrum ist breit gefächert. Meine Hauptaufgabe ist es, das Thema im Pastoralverbund aktuell zu halten. Viele Menschen sagen immer: „Ich habe schon von 100 Fällen gehört, aber hier sind wir ja nicht direkt betroffen“. Genau so soll es nicht sein. Das Thema ist immer aktuell und muss es bleiben. In den letzten drei Jahren habe ich deswegen gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen aus den Gemeinden und Pfarrer Schröder ein Institutionelles Schutzkonzept entwickelt. Außerdem organisiere ich Präventionsschulungen.

Ein Schutzkonzept?

Ja, genau. Es beinhaltet beispielsweise eine Risikoanalyse, Definitionen, einen Verhaltenskodex, Beschwerdewege, Maßnahmen und auch Handlungsleitfäden. In der Risikoanalyse wurde für alle 28 Kirchengemeinden in einer Fragebogenaktion ermittelt, was dort verbessert werden kann. Es wurde zum Beispiel geschaut, ob es Räume oder Bedingungen gibt, die sexuellen Missbrauch fördern könnten.

Und wie war das Ergebnis?

Das Ergebnis hier in der Umgebung fiel positiv aus.

Was lernen die Teilnehmer in einer Schulung?

Diese richtet sich beispielsweise an Messdienerleiter, Pfarrjugenden, Gruppenleiter, Familiengottesdienstleiter, aber auch an den Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat oder Katholische Verbände. Es gibt drei Arten: Eine Grundinformations-Schulung für Ehrenamtler die nur sporadisch Kontakt mit Kindern haben, beispielsweise Mitarbeiter der Bücherei oder Vorstände. Dazu gibt es eine intensivere Basis-Schulung für Gruppenleiter oder ähnliche Personen, die intensiven Kontakt zu Kindern haben und eine Intensiv-Schulung für alle hauptamtlichen Mitarbeiter. Diese sind mittlerweile verpflichtend.

Und bringen die Schulungen was?

Ja, auf jeden Fall. Zum einen sensibilisieren sie für das Thema, zum anderen lernen die Teilnehmer, Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu erkennen, Hinweise auf Missbrauch zu sehen, aber auch etwas über das Verhalten von möglichen Tätern. Zudem geht es auch um die rechtlichen Bestimmungen.

Wie oft gibt es die Schulungen?

Am Anfang oft, weil alle geschult werden mussten. Mittlerweile ist jede Schulung nur noch einmal pro Jahr, da nur noch „Neulinge“ geschult werden müssen. Mit den Angeboten wollen wir das Thema immer wieder in die Fläche bringen. Die Schutzarbeit soll natürlich auch mögliche Täter abschrecken.

Wie soll es die Täter abschrecken?

Durch die Angebote und die Weiterbildung der Mitarbeiter und Ehrenamtler halten viele die Augen offen und achten darauf, ob etwas passiert. Es geht um das klare Signal: Wir sind da, wir sind wachsam, wir kümmern uns.

>>>> INFO: Zur Person

Verena Grobbel ist 32 Jahre alt und stammt gebürtig aus Fleckenberg. Nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin hat sie „Soziale Arbeit“ studiert und 2010 die Leitung vom Jugendtreff Schmallenberger Land übernommen.

2015 übernahm Grobbel dann die Aufgabe als ehrenamtliche Präventionsfachkraft für den Pastoralverbund Schmallenberg-Eslohe. Aktuell ist sie in Elternzeit und nur mittwochs nachmittags im Jugendtreff tätig. Verena Grobbel plant und organisiert die Präventionsschulungen in Schmallenberg und Eslohe.


Dazu werden immer externe Referenten und Experten eingeladen. Die Termine: Grundinformationen am 25. Juni um 18.30 Uhr im Alexanderhaus Schmallenberg und am 8.Oktober um 18.30 Uhr im Pfarrheim Eslohe sowie eine Basisschulung am 13. Juni um 17 Uhr im Jugendtreff Bad Fredeburg.

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