Gericht

Ehefrau will Mann schützen und landet fast im Gefängnis

Der Zeugenstuhl im großen Sitzungssaal des Mescheder Amtsgerichtes. Hier redet sich eine Zeugin um Kopf und Kragen, obwohl sie gar nicht aussagen muss. Sie landet fast im Gefängnis, weil sie ihren Ehemann vor einer Strafe bewahren will.

Der Zeugenstuhl im großen Sitzungssaal des Mescheder Amtsgerichtes. Hier redet sich eine Zeugin um Kopf und Kragen, obwohl sie gar nicht aussagen muss. Sie landet fast im Gefängnis, weil sie ihren Ehemann vor einer Strafe bewahren will.

Foto: Frank Selter

Reiste.  Vor dem Amtsgericht Meschede redet sich die Ehefrau des Angeklagten um Kopf und Kragen. Fast wäre die Frau aus Reiste im Gefängnis gelandet.

Als Ehefrau des Angeklagten hätte sie niemand zwingen können, vor Gericht als Zeugin auszusagen. Doch sie entscheidet sich, zu sprechen, weil sie ihren Mann vor einer Strafe bewahren will. Ein fataler Fehler, der sie fast selbst ins Gefängnis gebracht hätte.

Am Ende dreht sich der dreistündige Prozess mehr um die Zeugin als um den Angeklagten. Dabei hätte sie einfach nur schweigen müssen.

Doch von vorn: Es geht um Drogenbesitz. Auf der Anklagebank sitzt ein 34 Jahre alter Mann aus Reiste, in dessen Keller die Polizei bei einer Hausdurchsuchung 1,2 Kilo Amphetamin fand. Der Trauzeuge des Paares hatte es dort eingelagert.

Es ist bereits der dritte Prozess in dieser Sache: Der Trauzeuge, dem die Drogen gehörten, bekam in der Osterwoche ein Jahr und acht Monate aufgebrummt. Gegen die Ehefrau des Angeklagten verhängte das Gericht bereits eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten.

Nun sollte es darum gehen, inwieweit auch ihr Mann in die ganze Geschichte involviert war. Er selbst schwor zum Auftakt des Prozesses Stein und Bein, von der ganzen Sache nichts gewusst zu haben. Er sei aus allen Wolken gefallen, als damals die Polizei zu einer Hausdurchsuchung auf der Matte stand und habe nie mit seiner Frau über die ganze Sache gesprochen, beteuerte er mehrfach vor Gericht.

Lebensmittel „versucht“

Das Problem: Seine Frau hatte im vorangegangenen Prozess, in dem sie selbst angeklagt war, ausgesagt, dass sehr wohl Gespräche zwischen den beiden stattgefunden hätten. Nachdem das Amphetamin im Keller-Kühlschrank ausgelaufen war und den Lebensmittelvorrat „verseucht“ hatte, sollen demnach Sätze gefallen sein wie „Das Zeug muss weg“.

Im aktuellen Prozess gegen ihren Mann wollte sie von diesen Gesprächen jedoch nichts mehr wissen. „Ich habe damals gelogen, als ich behauptet habe, mit meinem Mann darüber gesprochen zu haben. Er hat wirklich von nichts gewusst“, korrigierte sie ihre Aussage von einst. Genau das aber glaubte ihr weder Richter Dr. Sebastian Siepe noch Staatsanwalt Ümit Görgün. Beide waren der festen Überzeugung, dass sie nicht damals gelogen hat, sondern jetzt - um ihren Mann vor einer Strafe zu bewahren.

Konsequenzen aufgezeigt

Mit Engelszungen redeten Richter und Staatsanwalt auf sie ein, sich sehr gut zu überlegen, ob sie bei dieser Aussage bleiben wolle. „Wenn sie hier als Zeugin unter Bewährung nicht die Wahrheit sagen, nur um ihren Mann zu schützen, kann das für Sie im Gefängnis enden“, zeigte ihr der Staatsanwalt mögliche Konsequenzen auf. „Dann reden wir hier von uneidlicher Falschaussage, die im schlimmsten Falle dazu führen wird, dass ihre Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten vollstreckt wird.“

Geständnis unter Tränen

Nach zahlreichen Unterbrechungen, die auch dazu genutzt wurden, um kurzfristig einen Anwalt zu organisieren, der der Frau angesichts ihrer prekären Lage als Rechtsbeistand zur Seite gestellt wurde, folgte schließlich unter Tränen die Wahrheit. Mit gebrochener Stimme zog die 32-Jährige ihre Zeugenaussage zurück und räumte weinend die Gespräche mit ihrem Mann ein - wohlweislich, dass der nun mit einer Strafe zu rechnen hat.

Die allerdings fällt mit einem Jahr auf Bewährung und der Auflage, 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen, vergleichsweise gering aus. Das Urteil war das Ende eines „ungewöhnlichen Prozesses“, wie selbst Richter Dr. Sebastian Siepe es formulierte.

Zum ersten Mal auf der Anklagebank

Der Angeklagte war strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten. Das Gericht ging davon aus, dass die Drogenlagerung gegen seinen Willen erfolgte.

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