Prozess

Einbrecher hat keine Erinnerung an Tat in Bad Fredeburg

Mitten in der Nacht steht ein Einbrecher

Foto: imago

Mitten in der Nacht steht ein Einbrecher Foto: imago

Meschede/Bad Fredeburg.   Ein 34-Jähriger wird nach einem nächtlichen Einbruch in ein Bad Fredeburger Wohnhaus verurteilt. Die Bewohnerin schildert erschreckende Szenen.

Mitten in der Nacht erwacht eine 75-Jährige aus dem Tiefschlaf. Ungewohnte Geräusche im Haus haben sie geweckt. Neben ihr im Bett liegt ihr schlafender Ehemann. Doch in der Tür zum Wohnungsflur erkennt sie die Gestalt eines weiteren Mannes. Ihr Sohn, glaubt sie schlaftrunken zunächst – bis sie das Licht einschaltet.

Der Mann ist ein Fremder. Sie spricht ihn an, er reagiert nicht. Als er sich umdreht, sieht sie den Stock, den er hinter seinem Rücken hält und realisiert: In ihrem Schlafzimmer steht ein Einbrecher. Er starrt sie erst nur an, wendet sich dann ab. „Ich bin aufgesprungen, habe die Schlafzimmertür abgeschlossen und die Polizei gerufen.“

Dieses Horrorszenario eines jeden Hausbesitzers musste ein Ehepaar aus Bad Fredeburg im Sommer erleben. Jetzt musste der Täter sich im Mescheder Amtsgericht verantworten. Was der 34-jährige Angeklagte aus Neuenrade schilderte, ist eine nächtliche Irrfahrt durch das Sauerland.

Irrfahrt endet in Bad Fredeburg

Vor der Tat habe er seine Frau mit einem anderen Mann erwischt und sei daraufhin mit seinem Roller losgefahren: „Die Nerven waren durch.“ Eigentlich habe er zu Verwandten nach Freienohl fahren wollen, wie er im 30 Kilometer entfernten Bad Fredeburg gelandet sei, daran könne er sich nicht mehr erinnern. „Ich habe mich total verfahren.“

Zwar wisse er, dass er in das Haus eingedrungen sei, und er könne sich auch an die Festnahme erinnern, aber an keine weiteren Details. Der Grund für die Gedächtnislücke: Auf dem Weg habe er in Balve Drogen gekauft und sie vor der Weiterfahrt konsumiert.

Details aus der Polizeiakte

Aus der Polizeiakte ergab sich ein schärferes Bild der Tatnacht, denn nach der Festnahme hatte der Angeklagte eine Aussage gemacht. Demnach greift der Täter gegen 2.30 Uhr durch ein angekipptes Schlafzimmerfenster und öffnet so das danebenliegende – ohne dass die schlafenden Bewohner ihn bemerken. Er durchsucht die Wohnung und flüchtet nach der Begegnung im Schlafzimmer. Die Polizisten können ihn in der Umgebung nicht auffinden.

Stunden später kehrt er zum Haus zurück. Dieses Mal ruft der Sohn der Familie die Polizei, mit Erfolg. Bei der Festnahme finden die Beamten ein zum Haus passendes Schlüsselbund bei dem Angeklagten. Beute hat er noch nicht machen können.

Täter muss 1000 Euro Geldbuße zahlen

„Das alles werden wir so schnell nicht vergessen“, sagte die Hausbesitzerin. 14 Tage lang habe sie im Anschluss nur mit Beruhigungsmitteln in den Schlaf finden können. Aus diesem Grund sah Richterin Christina Sellmann im Gegensatz zum Staatsanwalt auch keinen minder schweren Fall.

Sie urteilte nach Absprache mit den Schöffen mit dem Mindestmaß von einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem muss der Angeklagte 1000 Euro an Geldbuße zahlen, in monatlichen Raten zu je 50 Euro. Für den Zeitarbeiter, der zum Tatzeitpunkt arbeitslos war, ist das viel Geld. Er gab vor Gericht an, lediglich 900 Euro Netto pro Monat zur Verfügung zu haben. Das letzte Wort des Angeklagten: „Ich mache mir selbst Vorwürfe.“

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