Natur

Eslohe: Drohneneinsatz zur Rettung von Rehkitzen lohnt sich

Eine Drohne, ausgestattet mit  Wärmebildtechnik, wie sie bei der Suche nach Kitzen zum Einsatz kommt.

Eine Drohne, ausgestattet mit Wärmebildtechnik, wie sie bei der Suche nach Kitzen zum Einsatz kommt.

Foto: Ansgar Wulf

Eslohe.   Kreisjägerschaft und Hegering Eslohe retten Kitze mit Drohnen vor dem Tod durch den Mähdrescher. Die Zahlen der ersten Saison sprechen für sich.

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Drohne kaufen, Kamera montieren, Kitze retten – so einfach könnte es gehen, glaubt man einigen Aussagen und Presseberichten. Dass das recht kurz gedacht ist, erlebten die Teilnehmer des ersten Sauerländer Drohnen-Kitzrettungsforum, das die Kreisjägerschaft Hochsauerland und der Hegering Eslohe jetzt ausgerichtet haben.

Erfolgreiche Saison

Das Forum in der Gemeinde Eslohe zu veranstalten lag quasi auf der Hand. Im vergangenen Jahr hatte das Jagdmagazin „Wild und Hund“ mit dem hessischen Drohnenpiloten Michael Bischoff einen Versuch zur Kitzrettung mit Drohne und Wärmebildkamera im Zusammenhang mit der Wiesenmahd durchgeführt. Hierfür war das Revier von Johannes Kremer in Herhagen ausgewählt worden. Der Testausgang verlief positiv. Das motivierte nicht nur Johannes Kremer, eine Drohne zur Kitzrettung einzusetzen, auch Forstwirtschaftsmeister Bernd Stilper, der ein Revier im Kreis Olpe betreut, interessierte sich für diese Technik. 2018 blicken nun alle Beteiligten auf eine erfolgreiche Drohnen-Kitzrettungssaison zurück - 120 Kitze seien insgesamt gefunden und gerettet worden.

Rechtliche Grundlagen

Das war Motivation genug, einen zunächst intern geplanten Erfahrungsaustausch in Form des ersten Sauerländer Drohnen-Kitzrettungsforum abzuhalten. Hierzu wurden in erster Linie fachkundige Vertreter aus den Bereichen Jagd und Landwirtschaft eingeladen, sowie auch Vertreter der Feuerwehr, da für sie die Anwendung der mit Wärmebildtechnik ausgestatten Drohnen ebenfalls von Interesse ist.

Drohnenpilot Bischoff erläuterte den Zuhörern rechtliche Grundlagen, hier wurde schon deutlich, dass ein einfaches „Drauflosfliegen“ nicht möglich ist. Denn neben dem Versicherungsschutz muss der Pilot auch wissen, wo er fliegen darf und je nach Drohne braucht er auch einen Sachkundenachweis. Eine Besonderheit ist die von Bischoff entwickelte App, die Kitzsuche- und Rettung entkoppelt.

Vorteil liegt auf der Hand

Findet der Pilot ein Kitz, setzt er eine digitale Markierung. Die Sucher erhalten in der Kartenansicht die Lage des Kitzes sowie ein Bild der Luftaufnahme. Der Helfer klickt den Punkt an und wird zum Kitz navigiert. In der App kann er für die anderen Suchteammitglieder dokumentieren, ob er es gefunden hat oder nicht.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Während der zeitaufwändigen Kitzrettung, kann der Pilot weitere Flächen absuchen und andere Helfer können zusätzliche Kitze retten. Die App funktioniert, müsste aber, um mit neueren Drohnen kompatibel zu sein, weiterentwickelt werden, was einen hohen Investitionsaufwand bedeutet.

Die Suche in seinem Revier schilderte Johannes Kremer. Gesucht werde morgens zwischen 4.30 und 7.30 Uhr. Kremer sucht aus einer Höhe von 100 Metern. Er nutze Wechselakkus, wobei ein Helfer die verbrauchten Akkus in der Zwischenzeit auflade. Mindestens ein weiterer Helfer stehe zur Kitzrettung parat. In dem Zeitfenster können 30 bis 50 Hektar abgesucht werden. Er hat rund 30 Kitze finden können. Beeindruckende Zahlen lieferte auch Drohnenpilot Stilper.

Vergleich ist schwierig

Auf 220 Hektar Grünlandfläche konnte er 53 Kitze und 86 Hasen finden, selbst ein Vogelnest wurde aus 80 Metern Höhe entdeckt. Er gibt eine Zeitreduzierung von 65 Prozent an. Alle Piloten bestätigen, dass in der Vergangenheit das Suchen ohne Drohne kräftezehrend war und die neue Methode nicht nur Zeit spart, sondern auch zuverlässiger sei.

Die Anzahl der gefundenen Kitze sei jedoch schwierig von Jahr zu Jahr zu vergleichen. Ist der erste Mähtermin früh, haben viele Ricken noch nicht gesetzt, somit werden entsprechend weniger Kitze gefunden. Es spreche aber für sich, wenn Stilper das bisherige beste Ergebnis von 26 Kitzen mit jetzt 53 Kitzen verdoppelt hat.

Hohe Kosten

Einen Nachteil hat die Technik allerdings: hohe Kosten. Bei den eingesetzten Systemen kommen schnell Anschaffungskosten von 15 000 bis 20 000 Euro zusammen. Am Ende stellte Michael Schwalbach aus Hessen und Dr. Christian Siepe, Obmann für Naturschutz im Hegering Eslohe, zwei weitere kostengünstigere Systeme vor. Sie sind allerdings bis jetzt noch in der Erprobung und von ihnen noch nicht zum Kitze suchen eingesetzt worden. Der Anspruch des Forums ist es aber über die Jahre noch mehr fundiertes Wissen zusammenzutragen.

Landwirte sind zum Handeln verpflichtet

Die Setzzeit der Kitze fällt mit dem Mai und Juni genau in die Zeit der Wiesenmahd. Aus Tierschutzgründen sind die Landwirte verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, dass Kitze nicht durch das Mähwerk verletzt oder getötet werden. Hierbei unterstützt sie die Jägerschaft.

Im Idealfall kündigt der Landwirt ein oder zwei Tage im Voraus dem Jagdpächter den Mähtermin an. Der Jagdpächter organisiert Helfer, die gegebenenfalls am Abend zuvor Vergrämungsaktionen durchführen - etwa durch Wildscheuchen oder mit akustischen Hilfsmitteln. Am Tag der Mahd werden dann die Wiesen mit Suchtrupps durchgegangen.

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